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Kyritz MAZ-Betriebsausflug zur Stärkefabrik
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz MAZ-Betriebsausflug zur Stärkefabrik
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00:19 30.10.2018
Wie aus Kartoffeln Stärkemilch gewonnen und weiterverarbeitet wird, erfuhren MAZ-Leser beim Betriebsausflug ins Kyritzer Werk der Emsland-Gruppe. Quelle: Peter Geisler
Kyritz

In jedem Raum riecht es anders. Mal nach Erde, mal wie Küche. Jede Halle hat ihren eigenen Klang. Er reicht vom Trommelfellhammer bis zur Totenstille. Das und noch viel mehr Eindrücke nahmen die Besucher kürzlich auf beim Rundgang durch die Kyritzer Stärkefabrik.

Es war ein Rundgang für MAZ-Leser, bei dem anlässlich dieses Betriebsausfluges der Märkischen Allgemeinen Zeitung und der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg ausnahmsweise mal etwas mehr gezeigt wurde, als es dort sonst bei Führungen üblich ist. „Wenn hier Schulkinder kommen, wäre das an einigen Stellen für sie doch etwas zu laut“, erklärte Werkleiter Martin Schmidt. Und dann ist ja auch nicht immer so viel Zeit. Doch die nahm er sich diesmal, um mit der Gruppe den gesamten Weg der Kartoffel zu verfolgen: Von ihrer Anlieferung, über ihre Zerteilung in die einzelnen Bestandteile, vorbei an allen Maschinen bis hin zur Packhalle und dem Lager, von dem aus das Stärkepulver in seinen verschiedensten Zuständen, sprich Modifizierungen, das Kyritzer Werksgelände hinaus in alle Welt verlässt.

Die Emsland-Group ist der größte Produzent von Stärkeprodukten in Deutschland. Die Stärkefabrik in Kyritz ist einer von sieben Standorten. MAZ-Leser konnten sich jetzt die Produktion ansehen.

Als Lebensmittelproduzent muss das Werk strenge Vorschriften einhalten. Deshalb durften sich alle nur in Schutzanzügen bewegen. So aber konnte auch in sensible Bereiche hineingeschnuppert und die Kartoffelverarbeitung mal bis ins Detail erklärt werden.

„Bei unserer letzten Kampagne hatten wir ein Rekordjahr und dabei 260 000 Tonnen Kartoffeln verarbeitet. Diesmal rechnen wir nach dem viel zu trockenen Jahr mit sehr großen Ernteausfällen von bis zu etwa 35 Prozent in der gesamten Gruppe“, berichtete Martin Schmidt mit Blick auf die Emsland-Group. Zu der gehört das Werk seit mehr als zwei Jahrzehnten. Von den an sieben Standorten insgesamt arbeitenden 1250 Beschäftigten mit einem Gesamtjahresumsatz von zuletzt 600 Millionen Euro erwirtschaften die 105 Kyritzer Mitarbeiter, zu denen auch noch zehn Lehrlinge kommen, laut Schmidt etwa 65 Millionen Euro.

In der Stärkefabrikgeschichte gab es auch heftige Explosion

Bemerkenswerte Zahlen hatte der Werkleiter immer mal wieder parat. Etwa, dass zur Stärkegewinnung Energie notwendig ist, und zwar rund 6200 Kilowattstunden jede Stunde und das rund um die Uhr. Dieser Verbrauch binnen einer Stunde entspricht dem eines Zwei-Personen-Haushaltes in drei Jahren. Und auch, dass zu DDR-Zeiten in der Fabrik mal 700 Leute arbeiteten, klang gewaltig.

„Ich wohnte damals in Schönberg und kann mich aus Kindheitstagen noch gut daran erinnern, als es hier die große Explosion im Werk gab. Das muss Ende der 1950er Jahre gewesen sein“, erzählte Gabriele Schumacher, heute 66 Jahre alt und längst Pritzwalkerin. Dass an das, wie es noch bis zur Übernahme von Emsland im Werk aussah, heute kaum noch etwas erinnert, fiel Annegret Matschke auf. Die Dreetzerin hatte 1975 im Werk ihre Lehre zur Laborantin begonnen und anschließend fünf Jahre lang dort gearbeitet.

Erster Spatenstich für neue Dextrinanlage steht bevor

Sehen, riechen, hören, zuhören. Und ja, auch geschmeckt hat es den Gästen an diesem Tag natürlich bei der Unternehmenspräsentation mit Kaffee und Kuchen, wobei es letzteren ohne die in der Stärkefabrik gewonnenen Produkte so teils ebenfalls nicht geben würde, wie Werkleiter Martin Schmidt erklärte. Er verwies beispielsweise auf die Puddingfüllungen im Bienenstich. Oder auch für die Herstellung von Glasnudeln sind modifizierte Stärken heutzutage unerlässlich.

Das für die Ummantelung besonders knuspriger Pommes zu verwendende Stärkeabbauprodukt ­Dextrin wurde für die Pommes-Frites-Mischprodukte bislang aus dem Emsland-Hauptwerk im niedersächsischen Emlichheim bezogen. Nun steht in einer Woche in Kyritz der erste Spatenstich bevor für eine eigene Dextrinanlage. Die kostet laut Schmidt etwa 13 bis 14 Millionen Euro und sei „ein weiteres klares Bekenntnis zum Standort Kyritz“. Acht bis zehn neue Arbeitsplätze entstehen. Die Inbetriebnahme ist für Dezember 2019 vorgesehen. Doch schon im September dürfte sie in Gänze zu bestaunen sein bei der dann nächsten Gelegenheit für einen Rundgang. Es ist die nächste Lange Nacht der Wirtschaft der Stadt zusammen mit der Regionalentwicklungsgesellschaft.

Von Matthias Anke

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