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Kyritz Blechern, praktisch, gut
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Blechern, praktisch, gut
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13:21 22.07.2013
Der Traum vom eigenen Oldtimer ist für Enrico Felsch auf ganz spezielle Art wahr geworden. Quelle: Reichel
Kyritz

Es soll ja Leute geben, die sich bei Oldtimern von der Eleganz vergangener Jahrzehnte faszinieren lassen, von längst vergangener Handwerkskunst oder von automobilistischen Jugendträumen.
Bei Enrico Felsch aus Kyritz ist das ein bisschen anders. Klar, auch er interessierte sich schon als Junge für alte Technik. Und auch er hat inzwischen den Traum vom eigenen Oldtimer wahrgemacht. Bloß, dass es sich bei dem eben wahrlich um keinen Flitzer, keine Edelkarosse und keine Motorsportlegende handelt. Der Rettungssanitäter hat sich für einen „Multicar“, einen Klein-Lkw aus DDR-Produktion, entschieden, der sogar noch ein paar Jahre älter ist als er selbst. Doch ein Schmuckstück ist der inzwischen allemal.

Das Fahrzeug sieht wieder aus, wie aus dem Ei gepellt. Quelle: Reichel

Felsch wählte den Transporter nicht einfach des Alters wegen und als Restaurierungsübung für lange Abende. Der Kyritzer ist ganz offensichtlich ein praktisch denkender Mann, denn der Multicar ist vor allem ganz seinem Namen entsprechend ein vielseitig verwendbares und nützliches Transportgerät, mit dem sich Felsch auch schon mal Brennholz aus dem Wald holen kann.

Doch bis es so weit war, verging viel Zeit. Enrico Felsch musste lange suchen, bis er überhaupt ein Fahrzeug mit noch einigermaßen solider Grundsubstanz fand. Vor zwei Jahren wurde er schließlich in Heiligengrabe fündig: Ein grasgrüner „Multicar“, Baujahr 1978, stand bei einem Privatmann schon seit Jahren ungenutzt auf dem Hof. Und immerhin: Das Fahrzeug war noch fahrbereit, sodass der Kyritzer, nachdem er sich mit dem alten Besitzer geeinigt hatte, seine neue Errungenschaft gleich mit nach Hause nehmen konnte.

Felschs Tochter Johanna (4) und Sohn Friedrich (2) sind von dem „Multicar“ absolut begeistert. Quelle: Reichel

Dass viel Arbeit auf ihn zukommen würde, um aus der Rostlaube wieder einen Hingucker zu machen, dessen war Felsch sich bewusst. Als Ersatzteilspender besorgte er gleich noch einen weiteren Multicar – in noch schlechterem Zustand. Klassisches Motto: „Aus zwei mach eins.“

Die Herausforderungen, denen sich der 31-jährige Kyriter damit stellte, waren ebenso vielseitig wie umfangreich. Zum einen musste er ja Familie und Beruf unter einen Hut kriegen. Und zweitens hatte er sich noch nie an solch ein Projekt herangewagt. Von nun an verbrachte er jede freie Minute in seiner kleinen Garage.

Seine Herkunft soll der Oldtimer nicht verbergen. Quelle: Reichel

Gleich früh morgens ging er ans Werk und schraubte ein, zwei Stunden, bevor er in den Rettungswagen stieg. Meistens legte Felsch auch abends nach getaner Arbeit noch eine Schicht in der Garage ein. „Es war unglaublich, wie viel an dem Ding zu machen war. Ich hab’ den ,Multicar’ komplett zerlegt und jedes Teil entrostet und schließlich neu lackiert. Auch der Rahmen sieht jetzt wieder aus wie neu. Und was nicht mehr zu retten war, musste ich mir von überall her neu besorgen. “
Ganz ohne Hilfe kam Enrico Felsch nicht aus. Bei der Elektrik stand ihm sein Kollege Bernd Kischkies zur Seite, der ihm viele wertvolle Tipps geben konnte und einen neuen Kabelbaum im Kleintransporter verlegte.
Nach einem Jahr schließlich war es dann so weit: Wie aus dem Ei gepellt stand er da, der alte „Multicar“, frisch lackiert im Original-Farbton. Wie viele Stunden er genau für die Restaurationsarbeit in der Garage verbrachte, hat Enrico Felsch nicht gezählt. Und wie viel Geld er insgesamt dafür ausgegeben hat, wolle er lieber gar nicht wissen, sagt er.

Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Gleich als Allererstes machte er mit seiner Frau Peggy eine ausgiebige Stadtrunde mit dem strahlenden Gefährt. Die Schaukelei war allerdings nicht ihr Ding. Noch mal mitfahren wolle sie lieber nicht, sagte sie. Doch sie hat viel Verständnis für das zeitraubende Hobby ihres Mannes.

Und selbst wenn sich Ehefrau Peggy nicht allzu sehr für das grasgrüne Gefährt begeistern kann, die Kinder lieben es umso mehr. Sie gaben dem 35 Jahre alten Fahrzeug sogar einen Namen: „Schrotti“nennen sie es liebevoll, obwohl der Name inzwischen längst nicht mehr zutreffend ist. Die vierjährige Johanna und der zweijährige Friedrich freuen sich immer sehr, wenn Papa mit ihnen eine kleine Runde dreht.

„Schrotti“ hat inzwischen auch seinen praktischen Nutzen beim Hausbau unter Beweis gestellt. So manche Fuhre Kies fand auf der kleinen Ladefläche Platz, um am Haus der Felschs abgeladen zu werden. Bei 1,5 Tonnen Eigengewicht kann ein „Multicar“ nicht weniger als zwei Tonnen Ladung transportieren. Sonderlich schnell ist das Gefährt mit seinem 45 PS-Motor allerdings nicht unterwegs: Maximal 60 Kilometer in der Stunde wären drin. Doch Enrico Felsch behandelt den Oldie pfleglich, auch wenn er ihn als ein ganz normales Nutzfahrzeug ansieht.

Noch einmal ein altes Fahrzeug restaurieren will er nicht. Schließlich ist es nicht ganz billig und mit inzwischen drei Kindern hätte er nun auch wirklich keine Zeit mehr für so etwas.

Von André Reichel

 
 

SEIT 55 JAHREN ein Modell nach dem anderen

„Multicar“ ist die einzige Fahrzeugmarke des einstigen Industrieverbands Fahrzeugbau (IFA) der DDR, die bis heute Bestand hat.
1958 wurde der erste „Multicar“ produziert, der wie sein Vorgänger, die „Diesel-Ameise“, noch fußgelenkte M 21.
Das Modell M 25, das Enrico Felsch restauriert hat, wurde von 1978 bis Anfang der 90er Jahre in Waltershausen produziert – zuletzt schon mit VW-Motoren. Es war ein Exportschlager der DDR. Bis zu 70 Prozent gingen ins Ausland.
Heute ist der „Multicar“ ein Erzeugnis des Waltershausener Zweigwerks der Hako-Werke GmbH. Das Werk produziert verschiedene Baureihen, die nach wie vor als „Multicar“ zu erkennen sind und als Klein- und Spezialtransporter, als Geräteträger- und Multifunktionsfahrzeug zum Einsatz kommen. (Quelle: Wikipedia)

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