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Kyritz Den Himmel über Kyritz immer fest im Blick
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Den Himmel über Kyritz immer fest im Blick
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02:22 30.04.2018
Gerade ist diese zweimotorige Cessna auf dem Flugplatz von Heinrichsfelde gelandet und rollt nun zum Hangar der Flugschule. Quelle: André Reichel
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Kyritz

Im rund drei Kilometer von Kyritz entfernten Ortsteil Heinrichsfelde gibt es einen geschichtsträchtigen Flugplatz. Zu übersehen ist er nicht, befindet sich die Landebahn doch nur einen Steinwurf von der Bundesstraße 5 entfernt. Dort starten und landen heutzutage kleine motorisierte Flugzeuge mit bis zu 7,5 Tonnen Gewicht und Hubschrauber. Bei schönem Wetter mit entsprechender Thermik ziehen dann auch in luftiger Höhe wieder besonders viele Segelflieger ihre Kreise über der Stadt.

Angelegt wurde der Platz bereits im Zweiten Weltkrieg von der Deutschen Luftwaffe als Notlandplatz für Bomber und Jagdflugzeuge. Nach dem Krieg verboten die Siegermächte jedoch jegliche fliegerische Betätigung in Deutschland. Dieses Verbot wurde erst 1950 wieder aufgehoben. So stieg im Oktober 1953 als erstes Flugzeug ein Schulgleiter über Heinrichsfelde in die Luft. In den Jahren danach nutzten die Kyritzer Segelflieger den Platz. Dieser diente ab 1957 aber auch als Agrarflugstützpunkt und war Anfang der 1970-er Jahre für die ganze ehemalige DDR zuständig.

1979 sperrte man den Flugplatz für den Segelflugbetrieb, und die vorhandenen Fluggeräte wurden auf andere umliegende Plätze verteilt. Nach der politischen Wende war es schnell mit dem Agrarflugbetrieb in Heinrichsfelde vorbei, und die Zukunft des Platzes alles andere als klar. 1990/91 gründeten sich der Flugsportclub Kyritz, die Flughafen Kyritz GmbH und die Flugschule Ardex. Somit war das weitere Bestehen des Platzes gesichert.

Winfried Hebgen war bis 2005 Fluglotse bei der Bundeswehr. Seitdem arbeitet er im Tower des Kyritzer Flugplatzes als Flugleiter. Quelle: André Reichel

Das Herzstück des von der Stadt Kyritz betriebenen Flugplatzes ist der 1999 errichtete Tower. Im selben Jahr wurde auch die 1000 Meter lange und 23 Meter breite Landebahn asphaltiert. Drei Flugleiter, Frank Fano, Lutz Pfitzner und Winfried Hebgen, versehen dort abwechselnd ihren verantwortungsvollen jeweils einwöchigen Dienst. Den Himmel über der Stadt haben sie dabei stets fest im Blick.

Diese Woche ist Lutz Pfitzner an der Reihe. Morgens um 9 Uhr öffnet der Flugplatz jeden Tag, auch am Wochenende und an den Feiertagen. Mindestens eine halbe Stunde vor Beginn des Flugbetriebes ist Flugleiter Pfitzner schon am Tower. Wenn das Wetter mitspielt, kommt er lieber mit dem Fahrrad, als mit dem Auto. So auch an diesem Tag. „Es ist ja nicht so weit von Kyritz-West bis hierher“, sagt der aus Sachsen stammende Lutz Pfitzner.

Heute bekommt Lutz Pfitzner überraschend Verstärkung von seinem Kollegen Winfried Hebgen. Der 67-Jährige hat nur eine „halbe“ Stelle und ist vorrangig auf dem Flugplatz, wenn sich der Tankwagen angesagt hat oder wieder Abrechnungen auf dem Plan stehen. Auch wenn es bei Großveranstaltungen eng am Himmel über Kyritz wird, steht Hebgen seinen Kollegen zur Seite. Während Lutz Pfitzner seine allmorgendliche Runde mit dem auffälligen karierten Dienstwagen über das Rollfeld macht, um dies nach Fremdkörpern abzusuchen, steht Winfried Hebgen schon an der Tankstelle bereit.

Nun ist der Tank mit dem Flugbenzin wieder voll. Quelle: André Reichel

Pünktlich rollt der Tanklaster heran, und schon werden mehr als 30 000 Liter Avgas-Flugbenzin in den unterirdischen 50 000-Liter-Tank gepumpt. Dieser war nach der Aktion wieder annähernd voll. Zweimal schiebt Winfried Hebgen einen Messstab in den Tank, um zu prüfen, wie viel Benzin geliefert wurde, gleich nach dem Befüllen und noch einmal, wenn sich das Benzin im Tank beruhigt hat. Bis zu fünf Mal pro Jahr kommt der Tanklaster nach Heinrischsfelde, um den Spritnachschub zu sichern. Pro Jahr tanken die kleinen motorisierten Flieger dort 160 000 Liter Avgas. Auch Hubschrauber der Polizei und von der ADAC-Luftrettung steuern zum Tanken Heinrichsfelde an. Diese brauchen jedoch Jet-Kraftstoff (Kerosin). Davon werden in Heinrichsfelde pro Jahr rund 40 000 Liter getankt.

Derweil hat Lutz Pfitzner längst auf dem Tower Position bezogen und die Technik startklar gemacht. Die Befeuerung der Landebahn und den Tankwagen hat er vordem schon kontrolliert. Nun prüft er die Wetterlage und entscheidet anhand der Windrichtung, aus welcher Richtung die Flugzeuge starten und landen sollen. Entsprechend wird das so genannte Lande-T ausgerichtet. Dabei handelt es sich um eine mehrere Meter große drehbare Aluminiumkonstruktion, die von der Luft aus gut zu sehen ist. Prinzipiell wird die Landerichtung aber per Funk durchgesagt. „Das Lande-T dient der Absicherung, falls die Technik einmal ausfallen sollte“, so Lutz Pfitzner. Noch wichtiger ist jedoch die Sichtweite am Platz. Die muss mindestens 1500 Meter betragen, sonst darf keiner starten oder landen.

Mit der vorherrschenden Windrichtung haben die Flugleiter so ihre Sorgen. Die Landebahn auf dem Platz in Heinrichsfelde ist etwa Nordwest-Südost ausgerichtet, und nicht selten herrscht Seitenwind. „Die meisten anderen Plätze sind jedoch Ost-West ausgerichtet und haben diese Probleme nicht“, erklärt Winfried Hebgen, der nach der Betankung mit im Tower sitzt.

Mehrere Flugzeuge der Flugschule sind gerade unterwegs und wollen wieder landen, andere setzen zum Start an. „Alles will gut koordiniert sein, denn Sicherheit geht hier auf dem Flugplatz über alles“, so Winfried Hebgen. Wiederholt wird die Wetterlage geprüft, Flieger melden sich an und ab und warten, bis das OK aus dem Tower kommt.

Gegen 19 Uhr ist dann Feierabend, und es wird ruhig auf dem Luftlandeplatz, wie die offizielle Bezeichnung des Heinrichsfelder Flugplatzes lautet.

Von André Reichel

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