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Kyritz Dieser Zug endet hier
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Dieser Zug endet hier
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11:06 26.07.2013
Dereinstigezentrale Warenumschlagplatzder ganzen Regionum Kyritz wirdmehr undmehr zurWildnis.Nur ganz seltennoch werden an den Gleisen des Güterbahnhofs Züge be- oder entladen. Quelle: Reichel
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Kyritz

Dass die Bahnstrecke zwischen Neustadt und Pritzwalk eher düstere Zukunftsaussichten hat, überrascht Herbert Brandt kaum: „Wenn ich am Bahnübergang stehe, dann sehe ich oft Züge, in denen kein Mensch sitzt. Aber das Land muss dafür bezahlen.“ Dennoch trauert der Kyritzer der großen Zeit der Eisenbahn in der Region nach – nicht zuletzt, weil er sich intensiv für die Bewahrung der Regionalgeschichte einsetzt. Gemeinsam mit zwei Bekannten aus der Stadt trug Brandt jetzt für die MAZ Erinnerungen aus der Blütezeit des Bahnverkehrs in Kyritz zusammen.

Blick vom Kyritzer Bahnhofsgelände in Richtung Perleberger Straße in den 1920er Jahren: Über ein halbes Dutzend Gleise lagen dicht an dicht. Schmal- und Normalspurstrecke trafen aufeinander. Der Bahnhof war der Warenumschlagplatz der Stadt. Quelle: Archiv Herbert Brandt

„Es gab sogar mal einen D-Zug von Berlin nach Rostock mit Halt in Kyritz“, weiß Brandt. So bedeutsam war die Nebenstrecke mal. Sein Bekannter, der seit Jahrzehnten am Bahnhof wohnt (seinen Namen wollte er nicht in der Zeitung sehen) winkt ab: Wichtig sei vor allem der Güterverkehr gewesen. Was sei am Bahnhof nicht alles auf die Schiene gekommen: Getreide, Kartoffeln und Rüben. „Und Vieh“, erinnert Brandt. In seiner Jugend sei Rudi Dressler für die Verladung zuständig gewesen. „Mal hieß er Schweine-Rudi, mal Hossa – weil er die Bullen immer mit ,Hossa’ angetrieben hat. Das Geschrei morgens höre ich immer noch. Da hast du im Bett gestanden.“ Bis nach Westdeutschland und Österreich seien die Transporte gegangen. „Da standen immer drei Mann in weißen Kitteln und haben jedes Tier begutachtet.“

Herbert Brandt (l.) und Günther Schacht teilen viele Erinnerungen zur Eisenbahngeschichte. Quelle: Beckmann

Günther Schacht hat über Jahrzehnte für den Staatlichen Forstbetrieb in Karnzow gearbeitet. Holz sei ein ganz wichtiges Kyritzer „Exportgut“ gewesen. Von Anfang der 1950er Jahre bis Mitte der 1960er habe es nahe des Bahnübergangs am Rehfelder Weg extra dafür einen Holzplatz gegeben. 1978 wurde ein Gebäude für den Fuhrpark des Forstbetriebes und die Wildannahme errichtet. Aus dem ganzen Altkreis Kyritz kam das Holz. Es wurde zum Teil direkt vor dem Transport abgelängt. „Für den Grubenausbau überwiegend in der Wismut“, weiß Schacht. Dort ganz im Süden der DDR wurde damals Uranbergbau betrieben. Viel Holz sei vom Bahnhof aus auch „in den Westen“ gegangen: „Tausende von Festmetern im Jahr.“ 25 Kraftfahrer habe der Forstbetrieb beschäftigt. Schacht war bis Anfang der 1990er einer davon. „Am Anfang waren wir noch mit Treckern unterwegs. Die fuhren ja nur 15 Stundenkilometer oder so. Da hat man noch auf jeden Kilometer geguckt“, erzählt er. Heute sei das ja nicht mehr so.
Kyritz lieferte nicht nur per Bahn – es wurde auch beliefert. Fast sämtliche Handelsgüter erreichten die Stadt auf der Schiene. Die Rampe, die noch heute neben dem Bahnhof zu erkennen ist, wurde eigens zum Abladen von Landmaschinen errichtet. Kartoffeln für die Stärkefabrik, Dünger und Futtermittel wurden umgeschlagen. „Wenn es geregnet hatte, dann konnten die Frauen die Kleie mit dem Spachtel von den Fenstern holen“, berichtet der Mann aus der direkten Nachbarschaft des Bahnhofs von dem regen Betrieb. Der Brennstoffhandel in der Poststraße habe eine eigene Entladestelle gehabt. Er sei noch selbst dabei gewesen, wie die Kohlen von Hand ausgeladen wurden: „Ich war schwarz wie die Nacht.“
Günther Schacht erinnert an die „Ausladebrigade“ und damit an Männer wie Paul Külzow, Richard Schwabe oder Bruno Laufing, die ständig bereitstanden, wenn es auf dem Bahnhofsgelände etwas aus- oder einzuladen galt. „Die haben ihre Familien davon ernährt.“

Das Bahnhofsgelände, das sich einst vom Bereich Poststraße bis an den Rehfelder Weg erstreckte und bis Ende der 1960er Jahre auch die Anlagen der Kleinbahn „Pollo“ umfasste, war der zentrale Warenumschlagplatz für den gesamten damaligen Kreis Kyritz. Aber die Eisenbahn reichte in der Stadt noch viel weiter. Eine ganze Reihe von Produktionsbetrieben verfügte über eigene Anschlussgleise. Bis Mitte der 1950er Jahre führte beispielsweise ein Gleis auf das Gelände der Alten Molkerei an der Hagenstraße, weiß Herbert Brandt. Und die Überreste des Gleisanschlusses der Stärkefabrik sind noch heute auf der Kreuzung von Perleberger und Pritzwalker Straße zu sehen. Über eine Drehscheibe am Bahnhof, so Brandt, seien die Waggons auf das Nebengleis durch die Wilsnacker Straße gekommen. Auch die Kartoffelwagen des „Pollo“ wurden zu seiner Zeit auf sogenannten Hunten (flachen Transportwagen) auf diesem Weg zur Fabrik weitergeleitet.

Anfang der 1960er erhielt das damals nagelneue Kyritzer Getreidesilo ein eigenes Gleis. „1967 wurde noch eines gebaut, als das Kühlhaus entstand“, so Brandt. Und schließlich zweigte ein Schienenweg hinter dem heutigen Mehrgenerationenhaus an Lager- und Handelseinrichtungen vorbei in Richtung Heizhaus der Stärkefabrik ab. Die letzten Schienenmeter liegen heute in der Pritzwalker Straße direkt am Kyritzer Ortseingang – noch: Nächste Woche soll die Demontage beginnen.
Die Brache, die von der einstigen Geschäftigkeit am Kyritzer Bahnhof übriggeblieben ist, sehen die drei alten Kyritzer mit gemischten Gefühlen. Immerhin: Letztens sei sogar mal wieder Holz verladen worden. „Der Güterverkehr hat wieder ein bisschen zugenommen“, meint der, der am Bahnhof wohnt. „Ich kann nicht sagen, wie oft sie fahren, aber sie fahren.“ Ein wenig Hoffnung für den historischen Verkehrsweg gibt es also vielleicht doch noch.

Von Alexander Beckmann

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