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Kyritz Musikerlegende wird 90
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Musikerlegende wird 90
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00:24 11.02.2019
Auch mit 90 setzt sich Siegfried Feul nahezu täglich an sein Keyboard. „Das hält die Finger beweglich“, sagt er. Quelle: Alexander Beckmann
Kyritz

Die populäre Musik in Kyritz feiert am Sonnabend so etwas wie ein kleines Jubiläum: Siegfried Feul wird 90. Als Musiker und Musiklehrer hat er in der Stadt wirklich Geschichte geschrieben.

Auch wenn er inzwischen manchen persönlichen Schlag einstecken musste – die Musik hat Feul bis heute nicht losgelassen. Noch immer setzt er sich zu Hause regelmäßig an sein Keyboard. „Mir kommen jeden Tag Melodien in den Sinn, die ich dann spiele.“ Ein wenig Pragmatismus steckt mit dahinter: „Das hält die Finger beweglich“, meint Feul.

Von der Familie geprägt

Dass sein ganzes Leben von Musik bestimmt wurde, war kein Zufall. „Mein Vater war ja auch Musiker und hat an der Musikschule unterrichtet“, erzählt der Kyritzer. „Aber dann hat er auf Ofensetzer umgeschult.“ Die Familie wollte schließlich ernährt sein.

Siegfried Feul lernte schon als Kind Klavier und ging den Musikerberuf ganz zielstrebig an. Damals in den 40er Jahren schien das auf eine Karriere als Militärmusiker hinauszulaufen. Im mecklenburgischen Malchow erhielt Feul von 1943 bis 1945 seine praktische Ausbildung an Trompete und Klavier. Nebenher besuchte er das Konservatorium in Schwerin.

Unterhaltung war gefragt

In den 50er Jahren sorgte die Orchestervereinigung Kyritz für Unterhaltung. Siegfried Feul (hinten Mitte) war an der Trompete mit dabei. Quelle: privat

Mit dem Kriegsende platzten diese Träume. Feul blieb der Musik trotzdem treu, holte 1948 seine Abschlussprüfungen nach und arbeitete als freischaffender Musiker. Die Unterhaltungsbranche sei damals eine Goldgrube gewesen, schätzt er ein. „Die Leute waren nach dem Krieg ausgehungert. Fast jeden Tag wurde irgendwo gefeiert.“ Kapellen zogen von Saal zu Saal, von Dorffest zu Dorffest, um zwischen Mecklenburg und den Berliner Randgebieten zum Tanz aufzuspielen. Siegfried Feul war immer mit dabei, sechs und manchmal sogar sieben Tage in der Woche.

In den 1950er Jahren war er Mitglied der populären „Orchestervereinigung Kyritz“, aus der im Laufe der Zeit diverse erfolgreiche Ensembles hervorgingen. 1961 gründete Feul gemeinsam mit Heinz Rillcke schließlich die „Siegfried-Heinz-Combo“, die nach Rillckes Ausscheiden noch bis 1991 als „Siegfried-Feul-Combo“ durch die Region tourte.

Ab 1961 tourte die Siegfried-Heinz- oder später Siegfried-Feul-Combo durch die Region. 30 Jahre lang bediente der Namensgeber (r.) die Tasten. Quelle: privat

Aus der Praxis in die Lehre

Ende der 1970er Jahre absolvierte Siegfried Feul – damals schon an die 50 – berufsbegleitend ein Studium der Musikerziehung und stellte damit seine bereits mehrjährige Arbeit als Leiter des Kyritzer Musikunterrichtskabinetts MUK auf eine pädagogische Basis. Die Einrichtung wurde 1984 Außenstelle der Musikschule Neuruppin und zählte bis zu 600 Schüler. Bis 1991 blieb Feul ihr Leiter und wirkte danach noch bis zum Rentenalter als Fachlehrer mit.

Einige hundert Schüler dürfte er selbst im Laufe der Jahrzehnte beim Erlernen von Klavier und Trompete unterstützt haben. „Ich habe ungefähr 40 Eigenkompositionen geschrieben – vor allem für den Unterricht mit den verschiedenen Bläserbesetzungen“, erzählt er stolz. Die Kyritzer Musikschulkonzerte waren einst wichtiger Bestandteil des städtischen Kulturlebens.

Für Kyritzer ein Begriff

Eines von Feuls Werken hat es in seiner Heimatstadt zu besonderer Popularität gebracht: das Kyritz-Lied. „Das wurde vom Stadtchor gesungen“, erinnert sich der Komponist und Texter. „Kyritz, du schönste Stadt im ganzen Prignitzland, du hast unsre Liebe, unser Herz und unsre Hand“, heißt es in dieser Hymne auf die Knatterstadt.

Das Kyritz-Lied von Siegfried Feul

1. Strophe: Nun lasst und heute singen von unsrer Heimatstadt, von all den vielen Dingen, die sie zu bieten hat. Der Markt mit seiner Eiche lädt zum Verweilen ein. Es grüßen Fachwerkhäuser. Wo kann es schöner sein?

Refrain: Kyritz, du unsre Stadt im schönen Prignitzland. Stadt der Seen und Wälder, so wirst du genannt. Kyritz, du schönste Stadt im ganzen Prignitzland, du hast unsre Liebe, unser Herz und unsre Hand.

2. Strophe: Vor Bassewitz, dem Ritter, man bangte viele Jahr, bis es mit seinem Raubzug ganz schnell zu Ende war. Die tapfren Ackerbürger, sie griffen zu einer List. Man fing ihn ein mit Grütze. Sein Schwert man ihm entriss.

3. Strophe: Als Kyritz an der Knatter bekannt ist unsre Stadt. Geknattert haben Mühlen mit ihrem Wasserrad. Seit Jahren steh’n sie stille, doch nicht der Jäglitz Lauf. Sie plätschert munter weiter. Drum, Leute, höret drauf!

4. Strophe: Viel Neues ist entstanden in Kyritz Ost und West, verkündet nun vom Wachsen, das Hoffnung keimen lässt. Ihr Gäste, seid willkommen. Dies Lied für Euch erklingt. Die Stadt mit ihren Türmen von Sankt Marien Euch winkt.

Siegfried Feul blieb auch im Rentenalter als Musiker aktiv und spielte als Alleinunterhalter und in kleineren Formationen bei den verschiedensten Gelegenheiten. „Bis ich 75 wurde. Dann habe ich aufgehört“, sagt er. Aber natürlich verzichtete er nicht ganz auf die Musik.

„Unser jüngster Enkel bekommt vom Uropa Gitarrenunterricht“, erzählt Feuls Tochter Christiane Helm. Ihr Vater lasse sich nicht unterkriegen. „Die Leidenschaft ist ihm geblieben. Ich glaube, das hält ihn jung.“ Bestimmt gibt es am Sonnabend bei der Geburtstagsfeier auch Musik.

Von Alexander Beckmann

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