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Kyritz Fünf Fragen an die Kandidatinnen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Fünf Fragen an die Kandidatinnen
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00:23 01.11.2018
Drei Frauen stehen in Kyritz zur Wahl (v.l.n.r.): Kathrin Boleslawsky, Nora Görke und Denise-Verena Ladewig-Hoffmann. Quelle: Matthias Anke
Kyritz

Am kommenden Sonntag, 4. November, ist Bürgermeisterin-Wahl in der Knatterstadt. Drei Frauen kandidieren. Sie haben sich neben ihren jeweils eigenen Wahlkampfterminen auch gemeinsam auf einem Forum in Lellichow den Bürgerfragen gestellt sowie beim großen, zusammen mit der Aktionsgemeinschaft Kyritzer Gewerbe organisierten MAZ-Talk in Kyritz.

Alle drei Bewerberinnen, Amtsinhaberin Nora Görke (parteilos, Kandidatin der SPD mit Unterstützung der Bündnisgrünen), Kathrin Boleslawsky (parteilos, Kandidatin der Linken) und Denise-Verena Ladewig-Hoffmann (CDU) beantworten nun auch an dieser Stelle fünf Fragen der MAZ zur Kommunalpolitik in Kyritz.

Welche sind Ihrer Meinung nach die drängendsten Probleme in Kyritz?

Kathrin Boleslawsky: Durch Gespräche mit den Bürgern von Kyritz hat sich mein Eindruck von Themen, die hier nicht optimal behandelt wurden, verstärkt: weggefallene Einkaufsmöglichkeiten, Ortsteile, die sich abgehängt fühlen oder es vielleicht auch sind, fehlende Kita- und Hortplätze, nicht vorhandene Radwege sowie der hohe Anteil von sozial Schwachen in unserer Stadt.

„Hier lebt es sich gut“ kann für einen großen Teil der Einwohner nicht ernst gemeint sein. Am schlimmsten ist meiner Meinung nach aber die vernachlässigte und deshalb weit zurückgebliebene Entwicklung der lokalen Wirtschaft einschließlich Infrastruktur (Bahn-Halt Gewerbegebiet, Radwege, schnelles Internet) und des Tourismus als wichtiger Teil der Wirtschaft in unserer Region.

Nora Görke: Die Stadt Kyritz hat spürbar an Attraktivität gewonnen. Ich möchte das Angebot an senioren- und familiengerechtem Wohnraum erweitern. In der Innenstadt muss auf der Fläche der alten Kaufhalle eine Verkaufseinrichtung für Lebensmittel entstehen. Der großen Nachfrage an Bauland möchte ich durch Ausweisung neuer Flächen begegnen. Durch die steigende Zahl junger Familien ist der Aus- und Neubau von Kitas und die Erweiterung unserer Grund- und Oberschule notwendig.

In Kyritz West möchte ich die Straße der Jugend ausbauen und das Wohnumfeld aufwerten. Dazu gehören Spielplätze wie das geplante Spielband. Das geplante Nachbarschaftshaus wird mit sozialen Angeboten und öffentlichem Mittagstisch Treffpunkt für Jung und Alt.

Denise-Verena Ladewig-Hoffmann: Bezüglich der unbefriedigenden Versorgungssituation in der Innenstadt und den Ortsteilen sehe ich großen Handlungsbedarf, ebenso in dem Stadtteil Kyritz West, in dem ich mich für den sofortigen Beginn der Sanierungsmaßnahmen einsetzen möchte.

Die Unterstützung der GAB liegt mir sehr am Herzen. Eine solche Unterstützung müssen auch dringend die örtlichen Feuerwehren erfahren, die in den letzten acht Jahren unter einzelnen Schließungen gelitten haben. Weiterhin muss der Kulturstandort Klostergarten ausgenutzt werden, um die Kyritzer jeden Alters wieder näher zusammenzubringen und Kyritz auf kultureller Ebene mehr zu beleben. Hiermit könnte man auch jungen Menschen eine Plattform geben, um sich als Teil des Kleinstadtlebens zu fühlen.

Was kann man tun, um Gewerbe anzusiedeln und Arbeitsplätze in Kyritz zu schaffen?

Kathrin Boleslawsky: Kyritz muss nach dem Wegfall der Fördermittel in den nächsten Jahren wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen können. Arbeitsplätze schaffen können aber nur die Unternehmen, die sich hier neu ansiedeln oder ihr Geschäft oder ihre Produktion ausbauen. Politik und Verwaltung schaffen die Rahmenbedingungen dafür: Infrastruktur, schnelles Internet, Fachkräfte, die auch in Kyritz wohnen wollen.

Außerdem sind die Verbesserung der Arbeit der Kyritzer Wirtschaftsförderung und die Kontrolle der beim Landkreis OPR angesiedelten Wirtschaftsfördergesellschaft REG dringend notwendig. Die Wirtschaftsförderung ist Chefsache und es wird Zeit, dass diese endlich wieder in Gange kommt und konkret wird.

Nora Görke: Noch nie gab es nach der Wende so viele Arbeitsplätze in Kyritz. Ich habe 22 Millionen Euro Fördermittel nach Kyritz geholt. Die Stadt ist ein großer Auftraggeber.

Ich setze mich für gute Straßen, einen zusätzlichen Haltepunkt der Bahn Am Bürgerpark für KMG, Schulen und Finanzamt ein. Durch gute Bauleitplanung, wie für die Emslandstärke, können sich Unternehmen entwickeln. Ich möchte vergünstigte Baulandpreise für Gewerbeansiedlungen anbieten. Die „Lange Nacht der Wirtschaft“ wird weiter ausgebaut.

Als weiche Standortfaktoren werden die Kitas und Schulen ausgebaut und attraktive Freizeitmöglichkeiten geschaffen. Beispiele sind die Kita Mitte und das Seeumfeld. Die Stadt wird gute Bedingungen für Gewerbe und Fachkräfte bieten.

Denise-Verena Ladewig-Hoffmann: Ich denke, dass vergangene Maßnahmen innerhalb des Haushaltsicherungskonzeptes auf ihre Aktualität geprüft und gegebenenfalls angepasst werden müssen. Ebenfalls muss die Wirtschaftsförderung einer Kontrolle, betreffend ihrer Stellenbeschreibung, unterzogen werden, um ihre Effektivität für ansässige Unternehmen und Gewerbe zu sichern und zu steigern.

Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der lokale Einkauf im örtlichen Handel deutlich zunimmt. Hier muss die Stadt Kyritz eine unbedingte Vorbildfunktion erfüllen. Dass beispielsweise Lehrmaterialien von der Grundschule online geordert werden, während wir eine Bücherei in Kyritz haben, halte ich für ein nicht ausgenutztes Potenzial.

Was wollen Sie für die Dörfer tun? Wie können die Ortsteile eingebunden werden?

Kathrin Boleslawsky: Die ehrenamtlich Tätigen in den zehn Ortsteilen brauchen unbürokratische Unterstützung des Kyritzer Rathauses. Die Schaffung von „Ortsteil-Verantwortlichen“ und Sitzungen der Gremien in den Dörfern wären Möglichkeiten, die Kommunikation zu verbessern. Ortsteilbudgets, die um ein Vielfaches höher sein müssen, als die 250 Euro, die der aktuelle Haushalt vorsieht, würden dafür sorgen, dass die Einwohner der Dörfer verlässlich planen und auch mittel- oder langfristige Projekte umsetzen können.

Angelegenheiten, die ausschließlich einen Ortsteil betreffen, sollten durch den jeweiligen Ortsbeirat entschieden werden. Dazu ist eine Änderung der Kyritzer Hauptsatzung notwendig, die den Ortsbeiräten mehr Rechte einräumt.

Nora Görke: Die Ortsteile der Stadt Kyritz haben sich gut entwickelt. Seit meiner Amtszeit gibt es in den Ortsteilen Gemeindearbeiter. Die Ortsbeiräte werden durch „Dorfpaten“ unterstützen.

Jeder Ortsteil erhält ein Jahresbudget zur freien Verfügung, zusätzlich wird weiterhin die Kulturpauschale gezahlt. Die Gemeindehäuser sollten in die freie Verwaltung der Ortsteile übergeben werden. In Teetz und Mechow sollen neue Gemeindehäuser entstehen. In Drewen möchte ich eine Lösung für ein Gemeindehaus gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern entwickeln.

In den Orten gibt es attraktive Spielplätze. In Rehfeld und Heinrichsfelde entstehen 2019 neue Spielplätze. Es soll nach Bedarf weiteres Bauland ausgewiesen werden.

Denise-Verena Ladewig-Hoffmann: Ich stehe für Bürgernähe und Transparenz. Mit regelmäßigen Bürgersprechstunden in allen Ortsteilen möchte ich jeden einzelnen Kyritzer einbeziehen.

Jeder Ortsteil soll zudem ein festes jährliches Budget erhalten, über das er selbst verfügen kann. Durch die zusätzliche Einführung eines Bürgerhaushaltes in Kyritz sollen künftig alle Bürger ab einem Alter von 14 Jahren über bestimmte Ausgaben mitentscheiden können.

Für die Erledigung von Verwaltungsangelegenheiten möchte ich ein mobiles Bürgerbüro einrichten, das regelmäßig in den Ortsteilen die gleichen Serviceangebote bereithält, ähnlich der Verwaltung in der Kernstadt. Dies spart Wege und Zeit.

Was würden Sie gegen den Leerstand in der Kyritzer Innenstadt tun?

Kathrin Boleslawsky: Leerstand fällt besonders in den Einkaufsstraßen der Kyritzer Innenstadt auf. Viele Händler haben bereits aufgegeben. Sie wurden in den letzten Jahren während der ständigen Nicht-Erreichbarkeit ihrer Läden durch Baumaßnahmen wirklich hart auf die Probe gestellt. Ein Ende ist nicht absehbar: demnächst werden weitere Angebote wegfallen, weil Läden ohne Nachfolger schließen. Wir brauchen die konsequente Umsetzung des „Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes“.

Händler und Gewerbetreibende benötigen Unterstützung aus dem Rathaus: bei der Gründung ihrer Unternehmen, aber auch, wenn sie von existenziellen Problemen bedroht werden. Ein weiterer Beitrag gegen Leerstand wäre die Umwandlung der Kaufhalle Mitte in eine Markthalle.

Nora Görke: Die Innenstadt braucht Publikumsmagnete, wie die ehemaligen Kaufhalle Mitte. Durch den Ausbau des Klosterviertels zum Kulturstandort mit Bibliothek und Museum wird die Innenstadt belebt.

Die Kyritzer Innenstadt verfügt über attraktive Geschäfte. Mit der AKG und den Eigentümern möchte ich Konzepte gegen den Leerstand entwickeln. Dazu ist ein starkes Stadtmarketing notwendig. Möglich sind Starthilfen für Einzelhandel und Gewerbe in Form von Mietzuschüssen. Ein Werbeträger für unsere Stadt ist die Stadtbepflanzung, die in den nächsten Jahren noch attraktiver wird.

Die Bekämpfung des Leerstandes ist durch die Konkurrenz des Internethandels eine große Herausforderung, bei der es keine kurzfristigen Erfolge geben wird.

Denise-Verena Ladewig-Hoffmann: Da sich bereits engagierte Menschen mit dem Thema beschäftigt haben, werde ich zunächst Informationen sammeln. Den lokalen Einkauf der Stadt im örtlichen Gewerbe möchte ich auch an dieser Stelle betonen.

Eine intensive Zusammenarbeit mit der AKG ist dringend notwendig, um etwa Sorgen von Gewerbetreibenden durch geplante Sanierungsarbeiten frühzeitig zu erkennen und zu vermindern. Stadt, Händler und Eigentümer müssen an einem Strang ziehen. Wenn sich kurzfristig keine gewerblichen Lösungen ergeben, sind Zwischennutzungskonzepte zu prüfen. Denkbar sind dabei auch Ansiedlungen von sozialen Einrichtungen oder Anbietern von Freizeitangeboten. Ich möchte, dass der Kreativität in Sachen Neueröffnungen keine Grenzen gesetzt sind.

Warum wären Sie die beste Bürgermeisterin für Kyritz?

Kathrin Boleslawsky: Ich denke, dass ich viele Charaktereigenschaften besitze, die mir bei der Amtsführung behilflich sein werden: Ehrlichkeit, Fleiß, Teamfähigkeit, Belastbarkeit. Ich bin in der Lage, mit Kampfgeist und Beharrlichkeit die Interessen unserer Stadt und ihrer Bürger nach außen zu vertreten.

Aus den Fehlern früherer Bürgermeister will ich lernen: Rechenschaft wird nicht erst nach acht Jahren abgelegt, sondern laufend: durch einen offenen Umgang mit den Stadtverordneten und den Bürgern und das faire Einbeziehen in Entscheidungen.

Die Stadt hat in den letzten Jahren viele Chancen nicht genutzt – es ist jetzt an der Zeit, das zu ändern.

Nora Görke: Meine Arbeit für die Stadt Kyritz und ihre Menschen ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich bin Diplomingenieurin für Bauwesen und Master für öffentliches Dienstleistungsmanagement im Fachbereich Wirtschaft, Verwaltung und Recht. Das ist eine gute Grundlage für die Umsetzung der großen Baumaßnahmen zur Entwicklung der Infrastruktur der Stadt und für die Führung einer dienstleistungsorientierten Verwaltung. Die Ergebnisse sind im Kyritzer Stadtbild sichtbar.

Ich bin kreativ und möchte für Kyritz stets die beste Lösung erreichen. Ich scheue keine Diskussion und halte die Bürgerbeteiligung für einen entscheidenden Faktor bei er Entwicklung der Stadt Kyritz.

Ich führe eine kompetente, bürgerfreundliche Verwaltung.

Denise-Verena Ladewig-Hoffmann: Ich kenne die Menschen dieser Stadt gut und möchte mit ihnen und nicht gegen sie arbeiten. Dazu gehören für mich regelmäßig stattfindende Bürgersprechstunden und die Umsetzung der Anregungen der Menschen.

Unsere Vereine will ich nach besten Mitteln unterstützen, das Ehrenamt fördern und nicht wie in der Vergangenheit durch Klagen behindern, denn ich sehe das Engagement der Kyritzer und schätze es sehr.

Mich zeichnet weiterhin meine branchenübergreifende berufliche Vergangenheit aus. Bedeutet: Ich kann sowohl sozial, als auch verwaltend.

Kyritz verdient es, so vertreten zu werden, dass jeder Einwohner das Gefühl bekommt, in dieser Stadt einen Platz und ein Mitbestimmungsrecht zu haben.

Von Matthias Anke

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