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Kyritz Hohenofener Papierfabrik feiert 175 Jahre
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Hohenofener Papierfabrik feiert 175 Jahre
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09:39 15.07.2013
Bewegte sich im Kleid aus Papier wie in Zeitlupe: Janine Schneider zeigte im Papiersaal eine Tanzperformance. Quelle: Axel Knopf
Hohenofen

Mit den bis zu 170 Beschäftigten zählte die Hohenofener Papierfabrik zu DDR-Zeiten zu den größten Arbeitgebern der Region. Ab 1968 wurde dort ausschließlich Transparent-Zeichenpapier hergestellt. „50 Prozent unserer Jahresproduktion deckten den gesamten Bedarf in der DDR“, erinnerte sich am Sonnabend Hans-Ulrich Bein (87). Das restliche Papier ging in den Export, vorwiegend in sozialistische Länder, berichtete der ehemalige Produktionsleiter und stellvertretende Werkleiter am Rande der Ausstellungseröffnung „Jacke wie Hose – Kleider aus Papier“ in dem technischen Denkmal.

Aus Anlass des 175. Geburtstages der Fabrik lud der Verein Patent-Papierfabrik Hohenofen zu der Schau ein. Die Papierproduktion war in dem ehemaligen Hüttenwerk zur Eisen- und Silbergewinnung am 1. Juli 1838 aufgenommen worden. Bis zum 30. September 1990 wurde dort Papier hergestellt. Die ineinander geschachtelten Gebäude gelten heute als Kleinod der Technikgeschichte und sind zugleich „ein ganz früher Standort der Industrialisierung in der Region“, wie Vize-Landrat Werner Nüse sagte.

Besuchten die Ausstellung: der frühere Produktionsleiter Hans-Ulrich Bein (87) und die ehemalige Chefsekretärin Christa Geisler (78). Quelle: Axel Knopf

Nach dem Ende der Ausstellung solle am 9. September mit der Sanierung eines Teils des Dachs begonnen werden, sagte Projektleiterin Ute Fürstenberg. Wegen der Ausschreibungsfristen sei dies nicht wie geplant bis zum Sommer zu schaffen gewesen. 80 Prozent der Bausumme von 50 000 Euro werden mit Fördergeldern abgedeckt. Der Bund gibt 25 000 Euro aus einem Denkmalprogramm, weitere 15 000 Euro hat das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes bewilligt. 10 000 Euro werden als Eigenmittel erbracht, was für den Verein eine Menge Geld ist. „Wir können nur die Schritte machen, die wir schaffen“, so Ute Fürstenberg. Eigentlich sei eine viel größere Dachfläche sanierungsbedürftig. Auf seiner Internetseite hat der Verein Patent-Papierfabrik Hohenofen ein Spendenportal eingerichtet, um Geld für weitere Instandsetzungen zu sammeln.

Als vor 175 Jahren die Fabrik ihre Produktion aufnahm, wurde Papier fast ausschließlich aus Leinen-Lumpen hergestellt. Das Lumpenhaus auf dem Gelände, in dem die Lumpen angeliefert, sortiert und aufbereitet wurden, erinnert noch an diese Zeit. Auf dieser historischen Grundlage haben sich vier Künstlerinnen und Künstler intensiv mit dem Thema „Kleider aus Papier“ auseinandergesetzt. Eva-Maria Schön aus Berlin, Antje Scholz aus dem Oderbruch und
Petra Walter-Moll und TO Helbig aus Mecklenburg-Vorpommern arbeiten ausschließlich oder vorzugsweise mit dem Material Papier. Ihre Bilder, Collagen, Figuren und Objekte sind in verschiedenen Räumen ausgestellt, beispielsweise dort, wo mit der Papiermaschine das Herzstück der Fabrik steht. Die Eröffnungsrede hielt der Übersetzer und Moderator Bernhard Robben aus Brunne, der dieses Jahr den Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt Preis erhält, so etwas wie der Oscar für Übersetzer (siehe Seite 14).

Beim Gang durch die Hallen und über das Gelände fühlte sich Hans-Ulrich Bein sehr wohl. „Das war hier früher ein sehr schönes Arbeiten“, sagte Christa Geisler (78). Die ehemalige Chefsekretärin begleitete ihn zur Ausstellungseröffnung, der mehr als 50 Gäste beiwohnten. Die Schau „Jacke wie Hose – Kleider aus Papier“ läuft bis zum 8. September.

Von Axel Knopf

Informationen zur Fabrik

Die Papierfabrik ist bis zum 8. September immer samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Weitere Infos: www.papierfabrik-hohenofen.de

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