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Kyritz Massentierhaltung nicht pauschal verdammen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Massentierhaltung nicht pauschal verdammen
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00:32 01.06.2018
Die Landsenioren unterstützen alle Aktivitäten des Bauernverbandes, natürlich auch die Landpartie. Quelle: Wolfgang Hörmann
Kyritz

Edgar Dumke war Zeit seines Lebens mit der Landwirtschaft verbunden. Als er in Rente ging, fühlte er sich noch zu fit fürs Nichtstun und wurde so vor 20 Jahren Mitbegründer der Landsenioren.

Frage: Herr Dumke, sind Sie ein bodenständiger Mensch?

Edgar Dumke: Ich glaube, dass kann man sagen – in mehrfacher Bedeutung.

Gibt es denn dafür Doppeldeutungen?

Aber ja. Also erst mal das Territoriale. Ich bin bald 80 Jahre alt und habe die meiste Zeit meines Lebens in der Kyritzer Region verbracht. Und dann hatte ich seit meiner Jugendzeit tatsächlich immer mit Grund und Boden zu tun.

Wie das?

Da muss ich etwas tiefer graben. Mein Vater Willi war mit Leib und Seele Bauer. Als er 1949 aus der Kriegsgefangenschaft heimkam – Mutter wohnte mit uns Kindern in einem Dorf bei Pritzwalk – da wollte er wieder Bauer sein. Die Bodenreform war gelaufen, also ging er daran, einen Hof zu pachten. Das klappte, ging aber nicht ohne Umzug.

Beim Ausmisten und Melken mussten alle ran, auch die Kinder

Der Ortswechsel brachte uns 1950 nach Bantikow. Vater und Mutter bewirtschafteten hier nun rund 27 Hektar Land. Wir hatten zehn Kühe im Stall, Federvieh und was sonst auf einen Bauernhof gehörte. Beim Ausmisten, Füttern und Melken mussten alle ran. Ich auch.

Können Sie das heute noch?

Melken? Wenn ich muss, klar. Es ist wie Rad fahren. Einmal gelernt – nie vergessen.

Da war der Berufsweg ja wohl schon vorgezeichnet?

Genau. Ich lernte auf unserem Hof bei Vater Willi und wurde wie er Landwirt. Dass es kein leichter Beruf sein würde, wusste ich da ja schon. Bald musste ich auch mit Pferden vor dem Pflug auf den Acker. Und wenn sich andere im Sommer in der Sonne aalten, saß ich, den Strohhut auf dem Kopf, zwischen anderen, um die Rüben zu verziehen. Das war schon hart.

Sie hätten ja auch etwas anderes anfangen können ...

Ja. vielleicht, wollte ich aber nie. Irgendwie hing ich an der Scholle. Das Ländliche blieb mein Ding.

Manchmal schlägt die Praxis das Schulwissen

Nach dem Besuch der Fachschule für Landwirtschaft in Eisenach war ich staatlich geprüfter Landwirt. Es verschlug mich zur Maschinen-Traktoren-Station (MTS) nach Passow in Mecklenburg-Vorpommern. Dann ging es 1964 für vier Jahre zum Hochschulstudium nach Bernburg.

Eine ganz schöne Karriere für einen ohne Abitur ...

Manchmal schlägt eben auch Praxis das reine Schulwissen. Mein Abschluss als Diplom-Agraringenieur hat mir jedenfalls neue Türen geöffnet.

Und wohin?

Zum Beispiel ins Wissenschaftlich-technische Zentrum (WTZ) nach Potsdam. Das versprach den Blick ins Weite und Große. Mit meinen Kollegen war ich an der Entwicklung des havelländischen Obstanbaugebietes bei Werder sowie der Melioration im Bereich Untere Havel und Dosse beteiligt, deren Ergebnis übrigens der Flachlandspeicher in Stolpe bei Kyritz ist. Später hatte ich in den Fachabteilungen der Landkreise Kyritz und Ostprignitz-Ruppin meinen Arbeitsplatz. Bis 1998.

Nach dem Renteneintritt die Landsenioren gegründet

Da gingen Sie in Rente?

Genau. Und mit mir etliche Frauen und Männer, die sich fürs Däumchen drehen einfach noch zu fit fühlten. Wir wollten nicht jetzt schon aufs Altenteil geschoben werden. Als eine Konsequenz entstand die Gruppe der Landsenioren im Bauernverband, zunächst in den Regionen Wittstock und Kyritz, ab 1999 mit dem Altkreis Neuruppin vereint.

Kürzlich haben die Landsenioren den 20. Geburtstag in Stüdenitz gefeiert. Es gab sehr viele lobende Worte. Dabei sind sie doch auch ein Einmischer, oder?

Das Lob möchte ich gern an Vorstand und Geschäftsführung unseres Verbandes zurück geben. Sie unterstützen uns „Alte“ vorbildlich. Was das Einmischen betrifft, hat es in erster Linie das Ziel, dass wir Werber für unsere Berufsgruppe sein wollen.

Über die wird vielfach unbedacht oder absichtlich sehr viel krudes Zeug geredet. Wir verstehen uns als Multiplikatoren, als Insider, die mit unseren Nachbarn darüber reden, wie es jetzt auf den Feldern und in den Ställen zugeht. So lassen sich Missverständnisse am besten beseitigen. Dazu kommt die Pflege der bäuerlichen Traditionen und dass wir das dörfliche Leben unterstützen, wo wir können.

Viele Diskussionen drehen sich um die Massentierhaltung. Wie stehen Sie dazu?

Auf alle Fälle ist sie nicht in Bausch und Bogen zu verdammen. Masse schließt ja Klasse nicht aus. Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel. Bei einer unserer vielen Exkursionen haben wir einen 500er Kuhstall der Agrargenossenschaft Blesendorf besichtigt.

Ein halbes Tausend Kühe – das klingt gewaltig

Ein halbes Tausend Kühe – das klingt gewaltig und weckt beim Laien schnell Vorurteile. Die Praxis zeigte aber: Jedes der Tiere, keines angekettet, hatte einen eigenen sauberen Liegeplatz. Im Stall herrschte ein prima Klima. Massagebürsten boten zusätzlichen Service.

Zum Melken ging es für die Kühe auf ein Karussell. Ich dachte unwillkürlich an meine Jugendzeit und unseren von Vater Willi so gelobten stickigen Stall mit unseren zehn Rindern. Die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Das heißt nicht, dass wir Zwangshaltung von Sauen gutheißen, die sich kaum bewegen können.

Wir sind in unserem Gespräch vom Boden und dem Umgang damit ausgegangen. Wie sieht es denn derzeit ganz praktisch bei Ihnen aus?

Ich bin leidenschaftlicher Kleingärtner, baue vieles von dem an, was meine Frau und ich zum Leben brauchen. Blumen gehören auch dazu. Und wenn Sie mich so genau fragen: Ich bin auch behördlich vereidigter Bodenschätzer.

Das klingt nach „Schatz“...

Der Boden ist der Schatz. In einer größeren Gruppe gehöre ich zu jenen, die ihn untersuchen, um je nach Qualität seine richtige Nutzung zu beeinflussen. Dazu wird ein Bodenstock bis zu einem Meter in die Erde getrieben.

Behördlich vereidigter Bodenschätzer

Das Teil ist teilweise hohl. Beim Herausziehen des Steckens begutachten wir Körnung, Farbe und Konsistenz der Erdprobe, was sich später in Bodenwertzahlen ausdrückt. Das ist schweißtreibend. Und man kommt dabei ganz schön rum.

So haben wir hunderte Proben auf einem 2000 Meter breiten Korridor an der künftigen A 14 genommen, um spätere Ausgleichspflanzungen vorzubereiten. Jedes Loch lässt sich übrigens problemlos wiederfinden, mit Hilfe von GPS und drei Satelliten im All. Der Boden ist geblieben, was er ist – der Umgang mit ihm ändert sich ständig.

Von Wolfgang Hörmann

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