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Kyritz Kaffeetrinken wie zu Omas Zeiten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Kaffeetrinken wie zu Omas Zeiten
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00:22 15.12.2018
Angela Städeke (l.) und Manuela Bismark bewirteten die Kaffeegäste stilecht mit Schürzchen. Quelle: Sandra Bels
Kyritz

Auf dem grün-weißen Tropfenfänger an der Blümchenkanne sitzt ein Püppchen. Dass es so starke Emotionen auslöst, hatte Angela Städeke vom Kyritzer Heimatverein nicht gedacht. Bei einer Besucherin liefen gleich die Tränen, als sie die behäkelte Kanne sah. „Das kenne ich noch von früher“, sagte die Seniorin sie leise.

Angela Städeke und Manuela Bismark vom Kyritzer Heimatverein waren am Mittwoch Mamsellen mit vorgebundenen Schürzen. Sie hatten an die Kaffeetafel wie zu Omas Zeiten eingeladen. Es gab Stolle, Pflaumenkuchen und Gebäck, spendiert vom Azurit Seniorenzentrum und der Bäckerei Armster und aus den Küchen der Vereinsmitglieder. Nicht fehlen durften natürlich Sammeltassen, Kaffeekannen mit Blümchenmuster, Etageren und schicke Kuchenteller mit Goldrand.

Geschirr von einer Familie aus Wusterhausen

Einen Teil des Geschirrs hat der Heimatverein in seinem Fundus. Weitere Tassen gaben Vereinsmitglied Helmut Wagner, die Mutter von Manuela Bismark und eine Familie aus Wusterhausen. „Sie hatten in der Zeitung über unsere Aktion gelesen und die Dinge spontan vorbeigebracht“, erzählt Angela Städeke. Neben den Sammeltassen gehörten auch gehäkelte Deckchen und Weihnachtstischdecken zur Schenkung, eine Kaffeemaschine und eben die Kanne mit dem Tropfenfänger und der Püppi, die so viele Emotionen bei den Kaffeegästen ausgelöst hatte.

Ilse und Margarethe waren dabei

Mit an der Kaffeetafel saßen Ilse und Margarethe, die Prignitzer Originale und bekennenden Klatschbasen. Sie luden die Gäste zunächst auf eine Runde musikalische „Zuspäterziehung“ ein und sangen das Ilse-und-Margarethe-Lied. „Damit sind wir in’ne Tube“, stelle Margarethe fest. You Tube war gemeint. Aber den 1500 Freunden dort wollen die beiden Damen nun nicht mehr ihre Adresse geben. „Wenn die alle vorbeikommen, das wird uns dann zu viel“, sagten sie.

Ilse und Margarethe ließen sich die Kaffeetafel nicht entgehen. Quelle: Sandra Bels

Das Duo bot den Gästen ein Training für Geist und Körper an – Gehirnjogging und Pantomime. Mit typischen Handbewegungen und entsprechender Mimik forderten die beiden Damen die Gäste auf, ihre früheren Berufe zu erklären. „Heiteres Beruferaten wie im Fernsehen“, nannte sich das. So erfuhren die Besucher, dass Monika Warnke Planen für zehn Meter lange Lkw genäht hat und Dietrich Marx Klempner war.

Bäckersfrau aus der Nähe von Halle

Ilse Bedemann hatte auch viel zu erzählen. Stammt sie doch aus der Nähe von Halle, wo sie mit ihrem Mann einst die Bäckerei der Schwiegereltern übernommen hatte. „Wir fingen damals schon im September an, Stollen zu backen“, erzählte die Rentnerin, die im Azurit-Seniorenheim lebt. Nach Kyritz kam sie durch ihre Tochter. Sie holte die Mutter zu sich. „Wir haben die Stollen damals ja noch gut verpackt in den Westen geschickt“, erinnerte sich Ilse Bedemann.

Ilse und Margarethe animierten die Kaffeegäste anschließend, mit ihnen zusammen ein Gedicht über Kyritz zu verfassen. Verse wie: „Wir gingen um 9 zu den Enten, weil sie um 7 noch pennten“ oder „Im Kyritzer Kulturhaus da ist viel los, nur Ilse und Margarethe fehlen bloß“ und diesen „In der Kyritzer Heimatstube vergisst man die Hast, gelegentlich sind da auch Ilse und Margarethe zu Gast.“

Blick in den Kirchgarten

Mit dem Kaffeekränzchen wie zu Omas Zeiten beteiligte sich der Heimatverein an der Aktion „Dezemberhafte Schauplätzchen“ der „Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen“. Sie legt einen Blick auf besondere Orte. Für Angela Städeke ist das ohne Zweifel der Kirchgarten, der jahrelang im Verborgenen lag und erst mit der Eröffnung der Heimatstube wieder öffentlich zugänglich ist. Von der Kaffeetafel aus hatten die Gäste einen tollen Blick in den Garten. Ebenfalls gut zu sehen war das Nachbarhaus mit der Nummer 8. Es muss erst noch saniert werden, „wird dann aber ganz sicher ein Schmuckstück“ so Angela Städeke.

Liebevoll gestaltete Weihnachtsdekoration

Sie lieferte auch die liebevoll gestaltete Weihnachtsdekoration aus Papier und Holz. Marion Neumann, ebenfalls Mitglied im Heimatverein, las den Kaffeegästen – am Nachmittag wurde eine weitere Tafel eröffnet – Geschichten über Weihnachten vor. „Wir freuen uns, mit unserer Idee einen Nerv getroffen zu haben“, so Angela Städeke. Auch bei ihr und den anderen Vereinsmitgliedern sind bei Kaffee und Kuchen Erinnerungen wach geworden.

Alles wie früher, als Oma noch zum Kaffeeklatsch einlud. Quelle: Sandra Bels

Von Sandra Bels

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