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Kyritz Wilsnacker Glocke kommt ins Wegemuseum
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Wilsnacker Glocke kommt ins Wegemuseum
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16:20 08.05.2018
Klaus Ribbe (r.) und Jürgen Karl spannen am 9. Mai „Peter“ und „Mausi“ vor den Wagen mit der Nachbildung der Wilsnacker Glocke. Quelle: Wolfgang Hörmann
Wusterhausen

„Peter“ und „Mausi“ hatten dieser Tage ihren längst fälligen Fußpflegetermin. Dazu bekamen die beiden Braunen, deren Koppel am Stadtrand von Wusterhausen liegt, Besuch aus Michaelisbruch. Dennis Heidemann und sein Kollege Thomas Schmidbauer vom dortigen Schmiedeteam maßen dem Wallach mit der Blesse und seiner vierbeinigen Gefährtin neues „Schuhwerk“ an.

Das geschah unter freiem Himmel aus der mobilen Werkstatt heraus, interessiert beobachtet von Klaus Ribbe. Dem ist wichtig, dass seine beiden Zugtiere einen guten Lauf haben, wenn es am 9. Mai ans Pilgern geht. Gemeinsam mit Jürgen Karl wird der Fleischermeister im Ruhestand für eine ungewöhnliche Tour anspannen. In Barsikow beginnt eine Etappenfahrt mit „Peter“ und Mausi“ vor dem Planwagen, mit Begleitern auf Schusters Rappen – und mit einer Glocke.

Während eines Totengeläuts sprang die Glocke

Erstes Ziel ist das Wegemuseum in Wusterhausen. Was es mit der Ladung auf sich hat, verrät ein Flyer vom Förderverein der Wunderblutkirche Bad Wilsnack. Wir lesen da von einer im 15. Jahrhundert für den Ort gegossenen 3,6 Tonnen schweren Glocke und ihrer bewegten Geschichte. Nach dem Ende des Pilgerzeitalters in der heutigen Kur­stadt kam die klingende Bronze in den Berliner Dom, um hier die für Glocken üblich-lange Dienstzeit einzuläuten. Leider ohne ein glückliches Ende. Während des Totengeläuts 1921 für Auguste Victoria, der Ehefrau von Kaiser Wilhelm II., sprang die Glocke. Alle Versuche einer Reparatur scheiterten.

Christian Richter beim ersten Transport des imposanten Schaustücks. Quelle: Wolfgang Hörmann

Die „Wilsnacker“ verstummte und fand ihren Weg in das Märkische Museum der Hauptstadt, wo sie bis heute ausgestellt ist. Für die Feiern zum Reformationsjubiläum 2017 entstand ein nur gut 50 Kilogramm leichtes Duplikat, das in der Ausstellung „Reformation und Freiheit“ präsentiert wurde. Nach deren Ende erwarb der Förderverein der Wunderblutkirche die Abformung des imposantes Schaustücks. Nun macht sich die Replik – zunächst also ganz klassisch mit Pferdewagen und Pilgerbegleitgruppe – auf den Weg zurück nach Wilsnack.

Weiter in Richtung Kyritz und Berlitt

Von Wusterhausen aus geht die Etappenfahrt am Himmelfahrtstag weiter in Richtung Kyritz und Berlitt. Das „Wie“ ist noch nicht endgültig geklärt. Mit dem Schiff über den Untersee wird bisher als die Primär-Variante diskutiert, wobei die Pilger sich am Ufer in Richtung Stadt und weiter zum Dorf bewegen würden. „Ich bin da in einem guten Gespräch mit der Kyritzer ‚Insl’-Wirtin. Die will uns ein Bötchen leihen“, sagt Jochen Purps, Vorsitzender des Fördervereins Wunderblutkirche. Ansonsten hätte man einen altehrwürdigen Handwagen in petto.

Von Berlitt aus geht es am 11. Mai nach Groß Leppin, um am folgenden Tag Bad Wilsnack zu erreichen. „Jeder, der Interesse hat, ist eingeladen, diesen Treck ein Stück oder auch in Gänze zu begleiten“, heißt es in einem Flyer. Anmeldungen unter info@wegenachwilsnack.de oder 03879/1 27 21 sind willkommen, um die Unterwegs-Verpflegung besser planen können.

Die Replik kehrt noch einmal ins Wegemuseum zurück

Für Wusterhausen findet das „Glocken“-Kapitel vom Auftakt der Pilgerreise noch eine Fortsetzung. Denn die Replik kehrt noch einmal für länger in die Dossestadt zurück. Weil in der Heimat wegen laufender Bauarbeiten eine standesgemäße Aufstellung vorläufig nicht möglich ist, bot sich das Wegemuseum mit Erfolg als Alternative an. Dafür wird auf dem Hof ein hölzerner Pavillon errichtet. Die Gewerbegemeinschaft Wusterhausen hat dafür Geld aus dem Verfügungsfond „Stadtkern“ bewilligt bekommen. Der Unterstand soll perspektivisch zum Ufer des Klempowsees umziehen. Im Frühherbst, wenn die Glocke anlässlich des Brandenburgtages in Wittenberge Richtung Westprignitz endgültig „heimwandert“, könnte es damit soweit sein, vielleicht auch erst nach dem nächsten Winter.

Genaue Informationen zum Ablauf auf dem Pilgerpfad sind zu finden unter www.wegenachwilsnack.de

Von Wolfgang Hörmann

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