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Kyritz Nisthilfe für Fischadler
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Nisthilfe für Fischadler
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09:37 13.10.2018
Angeseilt und mit dem richtigen Schuhwerk ausgerüstet erklimmt Daniel Schmidt-Rothmund den Baum. Quelle: Cornelia Felsch
Bantikow

Der Waldweg führt in einen dichten, rund 100 Jahre alten Kiefernbestand bei Bantikow im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Unter den großen alten Bäumen sind bereits jüngere Laubbäume herangewachsen. In dem Waldabschnitt, der nur wenige Kilometer vom Kyritzer Obersee entfernt liegt, gibt es viel Altholz. Nestbetreuer Henry Lange kennt das Revier gut. Hier hat bereits vor drei Jahren ein Fischadlerpärchen gebrütet. Das alte Nest ist unbrauchbar geworden.

Gemeinsam mit Daniel Schmidt-Rothmund sucht er nun nach einem passenden Baum, auf dem ein neues Nest installiert werden soll. Ganz einfach ist die Suche nicht, besser wäre es, den Wald zu überfliegen, um alles aus der Sicht des Adlers betrachten zu können. Der Baum muss stabil genug und möglichst hoch sein, um eine gute Rundumsicht für den Fischadler zu ermöglichen. Fehlt diese, dann wird der Vogel dort nicht brüten und die ganze Arbeit war umsonst.

Brandenburg behauptet sich als das Bundesland mit der größten Fischadlerpopulation, obwohl die Bestände derzeit stagnieren. „Seit dem Jahr 2000 sind sie in unserem Gebiet wieder zurück gegangen“, sagt Henry Lange. „Das gilt allerdings nur für einige Gebiete, im Havelland und südöstlich von Berlin haben die Bestände weiter zugenommen“, fügt Daniel Schmidt-Rothmund hinzu.

Der Nist-Korb wird vorher vorbereitet. Quelle: Cornelia Felsch

Der Mitarbeiter des Naturschutzbundes Baden-Württemberg ist seit 25 Jahren deutschlandweit und auch in den Nachbarländern unterwegs, um auf den Bäumen Nisthilfen für die Greifvögel zu installieren. Für seinen Job als Baumkletterer hat er eine Ausbildung absolviert. „Schon früher im elterlichen Garten bin ich immer auf unseren Kirschbaum gestiegen“, sagt der drahtige 55-Jährige. Eine arbeitsmedizinische Untersuchung und Höhentauglichkeit sind Voraussetzungen für diesen Job.

Viele Fischadler brüten in Brandenburg auf Strommasten – nach Angaben des Umweltamtes sind es rund 60 Prozent der Greifvögel. Die stählernen Quartiere haben zwar mit dafür gesorgt, dass die Bestände sich in den vergangenen Jahren wieder positiv entwickelt haben, für Henry Lange sind es dennoch Notquartiere.

„Der Wald ist der eigentliche Lebensraum der Fischadlers, deshalb sind wir bemüht, den Baumbrüterbestand zu erhalten“, sagt Henry Lange. „Wir haben bundesweit die meisten Baumbrüter.“ In seinen Revieren bei Kyritz und Neuruppin betreute er in diesem Jahr 14 besetzte Fischadlerhorste. „Im Durchschnitt brachten die Paare zwei Junge zur Welt, aber es gab auch Nester mit drei Nachkommen.“ Henry Lange ist zufrieden, denn im vergangenen Jahr war es auf Grund der Nässe um den Nachwuchs wesentlich schlechter bestellt.

Brandenburg ist das Land der Fischadler

Der Fischadler wurde früher als Nahrungskonkurrent angesehen und stark verfolgt. Mittlerweile ist er mehr durch die Zerstörung seines Lebensraumes gefährdet.

Er reagiert empfindlich auf Störungen während der Brutzeit und verunreinigte Gewässer.

Der Fischadler ist nach Bundesnaturschutzgesetz und der europäischen Vogelschutzrichtlinie geschützt.

Wie der Name schon sagt, ernährt er sich von Fischen. Mit Anteilen bis zu 70 Prozent ist der Blei der Hauptnahrungsfisch. Der Fischadler stößt mit den Füßen voran ins Wasser und greift mit den Krallen die Beute.

Er ist ein Zugvogel, der ab September Richtung Westafrika zieht und ab Mitte März wieder bei uns ist.

Das Weibchen ist etwa 60 Zentimeter groß und wiegt circa 2 Kilogramm. Das Männchen ist etwa zehn Zentimeter kleiner und wiegt circa 1,7 Kilogramm. Seine Flügelspannweite beträgt etwa 1,50 Meter.

Nach näherer Betrachtung der in Frage kommenden Bäume ist die Entscheidung gefallen und Daniel Schmidt-Rothmund packt sein Equipment aus. Seile, Stangen, Schrauben und der Korb müssen zum Ort des Geschehens transportiert werden. Gut gesichert und mit dem notwendigen Schuhwerk ausgerüstet, erklimmt er den Baum und sägt zunächst die Spitze ab. Dann wird die stählerne Plattform festgeschraubt und mit den Eisenstreben gesichert, bevor der Weidenkorb befestigt werden kann. Diesen hat Henry Lange zuvor mit lockerem Astwerk und Moosplatten ausgepolstert.

„Die Fischadler setzen sich gern ins gemachte Nest“, sagt der Neuruppiner Horstbetreuer. „Die Jungvögel werden ja schon mit drei Jahren geschlechtsreif und wenn sie dann so ein Nest bauen müssen, sind sie oftmals überfordert.“ Nach getaner Arbeit können die beiden nur noch hoffen, dass sich im kommenden Jahr ein Fischadler-Pärchen findet, das den Nistplatz akzeptiert. Ende März wird Henry Lange seine ersten Kontrollausflüge machen, um zu sehen, wie erfolgreich die Arbeit war. Mitte März kehren die Fischadler aus ihren Winterquartieren zurück.

Von Cornelia Felsch

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