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Kyritz Wohngebiet „Alt und Jung“ in Kyritz-Ost wird 25
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19:13 08.08.2018
Im Luftbild sieht man, dass es im Wohngebiet Alt und Jung kaum noch Baulücken gibt. Quelle: André Reichel
Kyritz

Das Wohngebiet in Kyritz-Ost besteht seit 25 Jahren. Zog sich die Bebauung des Areals mit Eigenheimen in den ersten Jahren eher schleppend dahin, gab es später einen regelrechten Bauboom.

Erst ging die Bebauung im Kyritzer Wohngebiet Alt und Jung nur schleppend voran, doch inzwischen gibt es kaum noch Baulücken. Das Wohngebiet ist jetzt 25 Jahre alt – Einblick in die Entstehungsgeschichte bieten Fotos von Stadthistoriker Herbert Brandt.

Jetzt, im Jubiläumsjahr, sind so gut wie alle Baugrundstücke vergeben und bebaut. Wer künftig in der Knatterstadt ein Eigenheim bauen will, wird dies nur tun können, wenn weitere Gebiete zur Bebauung freigegeben und erschlossen werden.

Jahrhundertelang spielte sich das Leben in der Stadt Kyritz nur innerhalb des schützenden Stadtmauerringes ab. Einzige Ausnahmen bildeten die Scharfrichterei, die niemand in der Nachbarschaft haben wollte, und die Mühlen an der Jäglitz.

Kyritz wuchs erst im 19. Jahrhundert

Erst im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt über ihre mittelalterlichen Grenzen hinaus. Es entstanden ganze Straßenzüge, wie die Wilsnacker Straße, die Bahnhofstraße und die Perleberger Straße.

Im 20. Jahrhundert wurden im Zuge mehrerer Siedlungswellen ganze Viertel aus dem Boden gestampft. Beispielhaft hierfür sind die Egedi-Siedlung im Osten der Stadt aus den 1920er Jahren und die fast zeitgleich entstandenen Häuserzeilen in der Kettinstraße, der Feldsiedlung und Wolfswinkel mit Ausnahme eines Hauses, das bereits stand.

In den 1930er Jahren entstanden Häuser in der Schönermarkstraße, am Plotho-Platz und in der Hermann-Löns-Straße.

Stadtchronist Herbert Brandt mit Zeitungsartikeln über das Wohngebiet, das auch sein Zuhause ist. Quelle: André Reichel

Wohnraum wurde auch in der DDR dringend benötigt. So entstanden seit den 1950er Jahren die Wohnbauten im Stadtgebiet Kyritz-West, wie zum Beispiel in der Robestraße, der Friedensstraße und im Rehfelder Weg. Doch auch in Kyritz-Ost entstanden viele neue Häuser. Es waren alles Einfamilienhäuser in der Clara-Zetkin-Straße und in der Karl-Liebknecht-Straße.

Auch nach der Wende wurde kräftig gebaut. Am Südende der Straße der Jugend entstanden die besonders bei Senioren begehrten rot geklinkerten „Würfelblöcke“, weil diese mit Fahrstühlen ausgestattet sind, und eine Tankstelle.

Schon 1991 wurde das Projekt Alt und Jung vorgestellt

Jedoch richteten die Stadtplaner ihr Augenmerk genauso auf den Eigenheimbau. Hierfür entwickelte die Stadt ein Konzept und hatte dabei das unbebaute Areal nördlich der Seestraße und östlich der Karl-Liebknecht-Straße im Auge.

Schon im Juni 1991 wurde das Projekt Alt und Jung in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt. Einen Monat später gab es im Stadtparlament schließlich ein Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes sowie zu dessen öffentlicher Auslegung.

Einer überarbeiteten Variante stimmten die Stadtverordneten am 11. September 1991 zu. Bürger konnten dazu auch Bedenken äußern. Nach einer zweiten öffentlichen Auslegung das Bebauungsplanes im Februar 1992 ging es in die entscheidende Phase. Nachdem alle Genehmigungen für das Projekt auch auf kreislicher Ebene vorlagen, wurde ab 1993 gebaut.

Die Kita „Hundert Sterne“ gehörte zu den ersten Bauten

Als allererstes entstanden im Eichenweg der Seniorenwohnpark, der im September das 25-jährige Bestehen feiert, und die Kita „Hundert Sterne“ gleich nebenan. 1993 machte man sich auch über die Straßennamen im entstehenden Wohngebiet Gedanken.

„Außer der Stauffenbergstraße bekamen alle anderen Namen von Bäumen, wie Rotdornweg, Vogelkirschenweg, Feldahornweg, Ebereschenweg, Haselweg, Blumeneschenweg und nicht zu vergessen, der Eichenweg“, berichtet Stadthistoriker Herbert Brandt. In jeder Straße wurden dann auch die entsprechenden Bäume gepflanzt.

„Ob das in allen Fällen eine gute Idee war, da bin ich mit nicht so sicher, denn die Straßen sind schmal und einige Baumarten bilden recht ausladende Kronen aus“, meint Herbert Brandt.

Ursprünglich waren 148 Bauplätze vorgesehen – es wurden mehr

Nach dem ursprünglichen Bebauungsplan waren 148 Bauplätze vorgesehen. Die meisten Einfamilienhäuser, aber auch einige Doppel- und Reihenhäuser. Die Grundstücksgrößen variierten zwischen 400 bis 500 Quadratmeter, aber auch 700 bis 1000 Quadratmeter große Parzellen gab es.

Einige wenige Grundstücke waren aber mit einer Fläche von bis zu 1350 Quadratmetern um einiges größer. „Diese Grundstücke wurden später geteilt, weil sich dafür kein Käufer fand“, erzählt Herbert Brandt. Dadurch erhöhte sich die Anzahl der Häuser im Wohngebiet noch einmal.

Doch selbst der Verkauf und die Bebauung der kleineren Grundstücke lief viele Jahre lang nur sehr schleppend. Um die Jahrtausendwende herum war kaum die Hälfte der Grundstücke bebaut.

Chronist Herbert Brandt gehörte zu den ersten Bewohnern

Der heute 75-jährige Herbert Brandt gehörte zu den ersten, die im Wohngebiet bauten. „Unser Haus war das zehnte, das gebaut wurde, jedoch waren wir schneller als andere fertig, so dass wir die achte Familie waren, die einzog“, erzählt er.

Baubeginn war im November 1995; am 9. Juni 1996 zog Familie Brandt in ihr neues Haus im Kirschenweg ein, in dem zu dem Zeitpunkt noch kein weiteres Haus stand.

Stapelweise MAZ-Artikel über die Siedlung

Als einstiger stellvertretender Bürgermeister hatte Brandt Einblicke in die Planungsgeschichte und als Stadthistoriker sammelte Herbert Brandt alle weiteren Informationen, die zum Wohngebiet veröffentlicht wurden, beispielsweise in der MAZ.

Stapelweise holt Herbert Brandt die alten Ausgaben des Kyritzer Tageblattes hervor. Thema über die Jahre hinweg waren immer wieder die beiden „Teiche“ im Wohngebiet. Diese verkrauten in den Sommermonaten regelmäßig.

Ein geplanter und gebauter Zulauf sollte von der Jäglitz Wasser heranführen. „Seine Funktion kann er nicht erfüllen, denn die Jäglitz liegt dafür 70 Zentimeter zu tief, da ist wohl in der Planung einiges schief gegangen“, mutmaßt Herbert Brandt.

Bewohner fühlen sich dort pudelwohl

Brandt hat eine Reihe von Fotos gemacht, die zeigen, was sich in den Jahren getan hat. War die Bebauung rund um Herbert Brandts Haus und im ganzen Gebiet sehr spärlich, ist inzwischen fast keine Baulücke mehr zu erkennen und selbst die wenigen noch nicht bebauten Grundstücke sind inzwischen laut Stadtverwaltung alle verkauft.

Herbert Brandt und seine Frau fühlen sich in ihrem Wohngebiet jedenfalls pudelwohl. „Wir haben rundum tolle Nachbarn, mit denen wir uns gut verstehen“, sagt Herbert Brandt.

Von André Reichel

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