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Skelette unter den Füßen

Manfred Teske präsentierte in Berlitt Erkenntnisse über die Anfänge des Dorfes Skelette unter den Füßen

Keinen gewöhnlichen Kaffee- und Kuchenvortrag erlebten die Gäste im Schloss Berlitt, als der seit Jahrzehnten in der Region bekannte ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Manfred Teske über die Besiedlungsgeschichte von Berlitt sprach. Dabei wurde auch so mancher historische Fauxpas aufgedeckt.

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Ein Germane, konserviert im Moor.

Quelle: Manfred Teske

Berlitt. Drei Kuchenbleche flugs leergefuttert, die Kaffeemaschine unentwegt glucksend, die Stühle restlos besetzt. Und Harald Backhaus „total erschlagen“. Der Ortsvorsteher von Berlitt konnte am Samstagnachmittag fast 80 Gäste zu einem geschichtlichen Vortrag im Schloss begrüßen. Mit so viel Zuspruch hatte keiner gerechnet, weder er und die Ortsbeiratsmitglieder noch die Frauen von der Volkssolidarität, die sich um die Versorgung kümmerten. „Ich bin positiv überrascht“, sagte Backhaus.

Es war eben kein gewöhnlicher Kaffee- und Kuchenvortrag, sondern der seit Jahrzehnten in der Region bekannte ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Manfred Teske sprach über die Besiedlungsgeschichte von Berlitt und damit der Region. So zog es neben Berlittern auch Geschichtsinteressierte von weiter her an.

Sie erfuhren, dass das 1440 erstmals erwähnte Dorf im nächsten Jahr 575 Jahre alt wird und man irrtümlicherweise dachte, es wäre schon dieses Jahr soweit, und weiter, dass Manfred Teske einige passende Infos zur Dorfhistorie vor über zehn Jahren aus „erster Hand“ erfuhr. Damals wurde die Wasserleitung durchs Dorf erneuert. Teske begleitete die Arbeiten und machte erstaunliche Entdeckungen.

Bekannt war schon von früheren Funden her, etwa einem Kettenpanzerhemd, dass dort weit vor dem Jahr 1440 Slawen siedelten und noch weiter vor ihnen auch Germanen. „Dass im Dorfbereich von Berlitt einst Germanen siedelten und begraben wurden, erfahren wir spätestens 1929 aus der ,Urgeschichte des Kreises Ostprignitz’ vom Verfasser Walter Mattes und durch den Fund eines Urnengrabes eines Kriegers, den Baggerfahrer Tödte um 1972 fand, sowie auch durch Schachtungen einer Abwasserleitung im Dorf im Jahre 2000.“ Sie siedelten demnach entlang der Dorfstraße, die der Bagger nun aufriss.

Schwarze Erdschichten weisen auf alte Vorratsgruben hin mit Resten grob gearbeiteter Gebrauchskeramik. „Das hatte den Frauen damals gereicht“, scherzte Teske. Darüber erscheint eine Schlemmsandschicht. „Nach 400 verschwanden die Germanen Richtung Süden. Es hatte sich wohl das Klima verschlechtert.“ Die nächste Schicht deutet auf Vegetation hin, dann wieder eine Trampelschicht, wieder Vegetation. Alles darunter wurde konserviert. „Oder hatten die Slawen hier noch etwas vorgefunden?“, fragt sich Teske. Sie kamen Jahrhunderte später und siedelten wohl nicht direkt auf den Stellen alter Germanenbehausungen. Ihre Spuren finden sich vielmehr abseits. Die Slawensiedlung konzentrierte sich dort, wo sich heute der Park befindet. Auch anhand von bedeutenden Funden aus der umgebenden Prignitz erläuterte Teske die Besiedlungsgeschichte.

In Berlitt bot zuletzt nur das weitere Anhaltspunkte, was durchgebaggert wurde. Der Rest der Dorfgeschichte schlummert noch immer unter der Erdoberfläche. Einiges kommt aber bei so mancher Gartenarbeit in Form von Scherben ans Tageslicht, bei Karl-Heinz Krautz in Berlitt sogar eimerweise.

Von Matthias Anke

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