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5000 Knöllchen im Jahr

Nach der Polizeireform: Ordnungsämter in der Region ausgelastet wie nie zuvor 5000 Knöllchen im Jahr

Seit der Polizeireform sind die Mitarbeiter der regionalen Ordnungsämter rund um Kyritz so ausgelastet wie nie zuvor. Ob illegale Müllberge, die Kontrolle der Hundehalter oder Falschparker vor Feuerwehrzufahrten - die Beamten haben alle Hände voll zu tun. Und selbst die schweren Fälle nehmen derzeit zu.

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Jährlich verteilen die Ordnungsamtsmitarbeiter 4000 bis 5000 Knöllchen.

Quelle: Matthias Anke

Kyritz. KY-OA 110 führt Gutes im Schilde. „Wir sind ja nicht da, um Leute zu ärgern“, sagt Raik Grützmacher. Vielmehr sind er und seine Kollegin Angela Krebelle da, um das zu schaffen, was auch die Aufschrift ihrer nachtblauen Jacken besagt: Ordnung. Dort, wo die beiden gerade aus ihrem schneeweißen Dienstwagen mit diesem Kennzeichen KY–OA 110 aussteigen, sieht es noch nicht danach aus. An den Garagen am Rehfelder Weg in Kyritz liegt ein großer Müllhaufen. „Wenn wir den nicht wegräumen lassen, wird der größer“, sagt Grützmacher. Und immer teurer für den Steuerzahler.

Immer größer wird unterdessen der Haufen Arbeit allgemein für die Leute vom Ordnungsamt. Die 110 am Nummernschild ist dafür bezeichnend. Denn sie werden zunehmend für weitere Einsätze gerufen als nur für solche Alltagsaufgaben, wie illegale Müllplätze festzustellen oder das Einhalten der Hundehalterverordnung zu überprüfen oder den ruhenden Verkehr zu kontrollieren, was jährlich 4000 bis 5000 Knöllchen zur Folge hat. „Die schweren Fälle werden mehr“, sagt Raik Grützmacher. Er meint damit alles, worum sich sonst vorrangig Zoll oder Polizei kümmern. Statt nun gleich sie bei Nachbarstreitigkeiten einzuschalten, versucht das Ordnungsamt, schlichtend einzugreifen. Es geht aber auch um verwirrte Personen oder Obdachlose, die durch die Region ziehen, und um Wohnungsdurchsuchungen, bei denen die Leute vom Ordnungsamt als Augenzeugen dabei sind. „Die Polizei braucht uns manchmal öfter, als wir sie um Unterstützung bitten müssen“, sagt Amtsleiterin Sigrid Schumacher.

Ursache ist der Mangel an Polizisten im ländlichen Raum im Zuge der Polizeireform. Zum einen werden dabei etliche Beamte noch bis zum Jahr 2020 eingespart. Zum anderen sind viele krank, und zwar mehr als in anderen Berufen. So schickt die Polizeidirektion Nord wochentags nur die Minimalzahl an Funkwagen auf Streife: pro Revier in der Regel einen, im Landkreis Ostprignitz-Ruppin demnach rund um Neuruppin, Rheinsberg, Kyritz und Wittstock, in der Prignitz in Perleberg, Pritzwalk und Wittenberge.

Der Einsatzwagen von Grützmacher und Krebelle, ein VW Caddy, umgangssprachlich Hundefänger, ist ein Zweisitzer. Oft sitzt darin auch Mario Ungewiß. Das Trio arbeitet erst seit wenigen Jahren im Außendienst zusammen und ist für Ordnungsamtsleiterin Sigrid Schumacher derzeit unersetzbar. Jeder gelernte Verwaltungsfachangestellte aus dem Rathaus könne sich zwar reinfuchsen, die Verwaltungsvorschriften pauken und sich für Konfliktsituationen schulen lassen. Aber diese Arbeit machen und auch machen zu wollen, sei dann doch etwas anderes. „Ich bewundere meine Kollegen“, sagt Sigrid Schumacher: „Sie müssen nicht nur rechtlich versiert sein, sondern vor allem eine hohe Sozialkompetenz haben, also mit allen Typen zurechtkommen. Und sie müssen Situationen erkennen und schnell entscheiden können.“

Angeblafft zu werden, ist schließlich Alltag. „Wer wütend ist, dem ist egal, wer vor ihm steht, ob Mann oder Frau“, sagt Angela Krebelle. Das sei in der Stadt nicht anders als in den zugehörigen Dörfern. In diese geht es mit dem Hundefänger meistens mittwochs auf Streife, wenn in der Innenstadt am wenigsten los ist. Dort gibt es dafür um den Monatswechsel herum und besonders an Montagen am meisten zu tun. Strafzettel zu verteilen, ist in der Innenstadt dann die Hauptaufgabe.

„Wir müssen dabei keine Quoten erfüllen“, stellt Mario Ungewiß klar. „Und wir lauern auch nicht hinter jeder Ecke oder haben Leute auf dem Kieker“, sagt Kollege Grützmacher und gibt damit nur einen Teil der Diskussionen wieder, die alle drei auch im Bekannten- und Verwandtenkreis regelmäßig führen. „Es ist eben unsere Arbeit“, sagt Angela Krebelle. Und von der haben sie mehr als genug, Tendenz steigend.

Von Matthias Anke

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