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Kyritz Kyritzer Obersee in kritischem Zustand – noch kein Badeverbot
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Kyritzer Obersee in kritischem Zustand – noch kein Badeverbot
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00:22 27.07.2018
Wie viel Wasser fehlt, ist rund um den Obersee deutlich zu erkennen. Es wurde bewusst abgelassen. Doch die Hitzeperiode lässt dort nun seit Tagen Algen wachsen. Quelle: Matthias Anke
Kyritz

Großflächige Algenteppiche säumen das Ufer des Kyritzer Obersees. Das Wasser leuchtet grün, teils türkis, und es schlägt Blasen. Selbst für Laien ist klar: Hier stimmt mit der Wasserqualität etwas nicht mehr. Betroffen ist vor allem das gesamte Westufer und damit auch die beliebte Badestelle in Bork. Doch eine offizielle Analyse samt Warnung vor den offensichtlichen Blaualgen gibt es bislang nicht. Noch nicht. „Am Mittwoch oder Donnerstag wird das Wasser beprobt. Anfang der nächsten Woche liegt dann der neue Bericht vor“, sagt Kerstin Müller vom Landratsbüro in Neuruppin auf MAZ-Nachfrage.

Zustand des Kyritzer Obersees wird täglich problematischer. Hier: Blick auf das Wasser bei Bork von Norden aus. Quelle: Matthias Anke

Aufgrund der Brandenburgischen Badegewässerverordnung ausgewiesene Badestellen werden nach europäischen Kriterien überwacht. Im Landkreis betrifft das 24 EU-Badestellen. Hinzu kommen 15 Stellen, die das Gesundheitsamt vorsorglich mit überprüft. Kontrolliert wird von Mitte Mai bis Mitte September monatlich, an EU-Badestellen 14-tägig. Im Zuge solcher Kontrollen fielen Ende voriger Woche die Badestelle in Bantikow sowie das Strandbad in Wusterhausen auf. Zwar wurden weder die berüchtigten Escherichia Coli noch Enterokokken nachgewiesen, aber eben Blaualgen.

Blaualgen sorgen für Übelkeit, Atemnot, Hautreizungen

Den jeweils vor Ort befestigten amtlichen Schreiben ist seither zu entnehmen, was diese Cyanobakterien auslösen. So könnten, sollte Wasser verschluckt worden sein, Beschwerden auftreten wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Atemnot, Hautreizungen oder Quaddeln. In solchem Fall heißt es: „Suchen Sie einen Arzt auf und melden Sie dies dem zuständigen Gesundheitsamt.“ Kleinkinder gelten als besonders gefährdet. Auch für Hunde können Blaualgen gefährlich werden.

Zustand des Kyritzer Obersees wird täglich problematischer Quelle: Matthias Anke

Hinsichtlich des sich nördlich an den Untersee anschließenden Obersees hätten dem Gesundheitsamt bisher keine Hinweise vorgelegen, die zusätzliche Kontrollen erfordert hätten. Seitens der Kreisverwaltung wird zudem darauf verwiesen, dass sich Algenteppiche binnen Stunden verändern können.

Untersuchung im Kyritzer Strandbad lässt auf sich warten

Für das Kyritzer Strandbad indes lag bis Dienstag keine Blaualgenwarnung vor. Dabei befindet es sich in Sichtweite zur Bantikower Badestelle. Wie die Beschäftigten sagten, warten sie derzeit auf die Untersuchung auch ihrer Uferseite.

Derweil zeigen sich die meisten Badegäste unbeirrt. Zudem wird im Strandbad auf die Duschen verwiesen.

Dass es zur Belastung mit Blaualgen entlang der Seenkette kommen kann, ist nicht neu. Ein größeres Ausmaß zeigte sich zuletzt 2015. Aber auch schon 2001 gab es einen extremen Höhepunkt. Damals engagierte sich noch eine Kyritzer Bürgerinitiative namens „Rettet unseren See”. Sie hielt Kontakt zum Landesumweltamt. Dieses bewertete den Ober- und Untersee als „hocheutroph“. Bedeutet: übermäßige Anreicherung von Nährstoffen, die ein starkes Wachstum besonders der Blaualgen bewirken, und das bei hohem Sauerstoffverbrauch.

Nur bei einem so niedrigen Wasserstand wie aktuell wird die alte Straße nach Bork sichtbar. Quelle: Matthias Anke

Alle paar Jahre waren die Cyanobakterien besonders im Obersee zu verzeichnen, meist bei niedrigem Wasserstand und geringem Durchfluss in diesem Speicher, in den Wasser aus der Dosse eingeleitet und gehalten wird. Zu DDR-Zeiten geschah das maßgeblich zur Versorgung der Landwirtschaft in trockenen Zeiten.

Auch bewusster Abfluss des Wassers hat Anteil an der Entwicklung

Heute ist das nicht mehr so einfach. Dennoch durften seit Mitte Juni aus dem Speicher nicht nur ein, sondern zwei Kubikmeter Wasser je Sekunde entnommen werden. Die Untere Wasserbehörde sowie das Landesumweltamt reagierten damit auf einen Antrag des Wasser- und Bodenverbandes wegen der extremen Trockenheit und auch nur bis zu einem Wasserstand von 39 Metern über Normalhöhennull (NHN).

Gegenwärtig aber liegt laut der Behörde bei 38,45 Metern NHN und damit knapp unter der eigentlichen „Absenkgrenze“ – was nicht allein am Klima liegt: Erlaubt wurde von der Unteren Wasserbehörde sogar ein Absenken auf 38 Meter, und zwar auf Antrag des Landes Brandenburg. Als Grund werden „dringende Sanierungsarbeiten an der Dammfußdränage des Staudamms“ am Südende des Sees bei Stolpe genannt. Sie sollen von September bis Dezember erfolgen.

Von Matthias Anke

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