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Kyritz Projekt „Schwester Agnes“ hat sich etabliert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Projekt „Schwester Agnes“ hat sich etabliert
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00:21 02.07.2018
Sabine Kruc – hier bei einem Vortrag – ist die neue "Schwester Agnes" rund um Kyritz" Quelle: Matthias Anke
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Kyritz

Zeiten ändern sich. Die Erinnerung bleibt. Sie blieb in Brandenburg auch mit Blick auf die Gemeindeschwestern, die überall in der DDR nach der Berliner Schauspielerin Agnes Kraus benannt wurden. Als „Schwester Agnes” flimmerte die seit 1975 über den Bildschirm. Nicht ohne ihre legendäre Schwalbe, das Moped, mit dem sie in die Dörfer fuhr, um Bewohnern Spritzen zu geben, Medikamente zu bringen, Verbände zu wechseln.

Längst aber ist aus der Schwalbe ein hochmoderner Skoda geworden, aus einem Ledertäschchen mit Notizbuch ein Notebook. Und die Telefonzelle wich dem Handy. Im Kern jedoch ist die Aufgabe geblieben, der „Schwester Agnes“ nachgeht: Heute wie auch vor Jahrzehnten schon ist sie der Vorposten der medizinischen Versorgung auf dem Lande. Die Gemeindeschwester von damals, im Volksmund eben Agnes genannt, ist wieder eine Institution. Sie hat sich erneut etabliert.

„Die Patienten sind sehr zufrieden, dass es dieses Angebot gibt“, sagt Sabine Kruc. Sechs Jahre sind vergangen, seitdem sich die Frau aus dem Wusterhausener Dorf Barsikow im Agnes-2-Programm fortbilden ließ. Schon vor über einem Jahrzehnt war die Rede davon, in Brandenburg diese mobile Krankenschwester wieder einzuführen. 2011/12 erst sollte es tatsächlich so weit sein. Und Sabine Kruc, die Krankenschwester aus der Kyritzer Praxis von Edda Rinno, gehörte zu den ersten sechs im Land, die mitmachten.

Die Schwalbe wurde zum Skoda – die Aufgaben sind gleich geblieben

Die Region war da gerade erst als sogenanntes unterversorgtes Gebiet eingestuft worden. Aus diesem Grund wurde die Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung erteilt, diese Leistungen gegenüber der Krankenkasse abzurechnen. Der Einsatz in Ballungszentren gestaltet sich für den Hausarzt etwas schwieriger, da bestimmte Auflagen in den Praxen bezüglich der Patientenzahl und auch der Altersstruktur erfüllt sein müssen für diese Genehmigung. Die Agnes-2-Fachkraft kann aber auch in Facharztpraxen angestellt sein.

Was vor sechs Jahren also noch so neu klang, ist heute Arbeitsalltag. Als es damit losging, wurde auch Sabine Kruc einen Tag lang von der Presse begleitet. „Was ich mache, ist aber kein Ersatz für die häusliche Krankenpflege“, erklärte sie seinerzeit. Viel Skepsis äußerten schließlich private Pflegedienste, sahen sie in der Agnes doch eine vermeintliche Konkurrentin.

Nach der Modellphase von einst ist Sabine Kruc längst nicht mehr die einzige „Agnes 2“ in der Region. Und landesweit gibt es heute gut 120 derart ausgebildete Schwestern. Etwa 30 kommen gerade wieder hinzu.

Noch immer sind es die AOK, die Barmer und die Techniker Krankenkasse, die hinter dem Projekt stehen. Und auch die Qualität der Arbeit entwickele sich mit. „Wir treffen uns zwei Mal im Jahr zum Erfahrungsaustausch und nehmen zudem an einer großen Fortbildungsrunde teil“, sagt Sabine Kruc.

„Qualitätskollegium“ nennt sich dieser Kreis. Es werden Fachvorträge zum Beispiel durch Apotheker durchgeführt. Sie informieren bei den Treffen in den Räumen der Kassenärztlichen Vereinigung in der Landeshauptstadt zum Beispiel über die Wechselwirkungen bestimmter Medikamente. Oder es finden zu anderen aktuellen Themen Fachvorträge und Erfahrungsaustausch statt.

Gemeindeschwester Sabine Kruc entlastet Ärzte, die im ländlichen Raum rar sind

Es ist Wissen, das Sabine Kruc „hier draußen in Kyritz“ an die Menschen weitergibt. Schon zwei Mal referierte die 44-Jährige vor Mitgliedern der Kyritzer Selbsthilfegruppe Diabetes. Einmal stellte sie sich und das Agnes-2-Projekt vor. Ein andermal erklärte sie die Vorteile des neuen, bundeseinheitlichen Medikamentenplans.

„Es ist toll, dass es Leute wie sie gibt“, sagt Merita Friese. Die 73-Jährige leitet die Gruppe seit vielen Jahren. Sie, aber auch Teilnehmer wie der 79-Jährige Manfred Teske, kennen die Gemeindeschwester noch aus den alten Zeiten.

„Beratend und unterstützend“, sagt Sabine Kruc, ist sie vor allem tätig. Ihren Radius um Kyritz zieht sie von Gumtow über Blumenthal, Rosenwinkel, Wusterhausen, Dabergotz und Neustadt. Auch in Rehfeld und Demerthin werden Hausbesuche gefahren. In der Praxis gehe es dann oft um Reha-Anträge, Kuren, Renten.

„Es gibt so vieles, was ich machen kann und den Arzt entlastet“, sagt sie und betont dabei den Aspekt der „sozialmedizinischen Betreuung“. Über diese Spezialisierung verfügen die sogenannten nichtärztlichen Praxisassistenten, die es zugleich auch noch gibt, nicht. Diese sind zudem nach bundeseinheitlichen Regeln unterwegs, dürfen im Gegensatz zur Agnes 2 nur Hausbesuche „mit delegationsfähigen Leistungen des Arztes“ erledigen und die Patienten aber nicht auch noch in einer Praxis betreuen im Sinne einer sozialmedizinischen Betreuung.

Brandenburg ist Erprobungsland für das Projekt „Agnes 2“

Agnes indes ist landesspezifisch geregelt. So heißt diese Landschwester nur in Brandenburg. Als bundeseinheitliches Projekt gibt es die „Verah“, in Niedersachsen ist es die „Moni“. Doch es sind nur augenscheinlich Frauennamen. Sie kürzen die Projekttitel ab: Moni ist das „Modell Niedersachsen“, hinter Verah steckt die „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“ und die „Arztentlastende, gemeindenahe, E-Health-gestützte, systemische Intervention“ ist die Agnes.

Für letztere hatte die Bundesärztekammer vor gut zwei Jahren auf Initiative der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg eine bundesweit gültige Fortbildung ausgearbeitet. „Wir sind mit Agnes zwei sozusagen das Erprobungsland, weil die Probleme hier am drängendsten sind“, sagte der Vorsitzende der KV Brandenburg, Hans-Joachim Helming, seinerzeit dieser Zeitung: „Wir hatten ,Agnes Zwei’ entwickelt, weil die bisherigen Unterstützungsmodelle nicht ausreichen.“ Die Zeiten änderten sich eben – mal wieder.

Von Matthias Anke

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