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Kyritz Dem „Staatsfeind“ ganz nah
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Dem „Staatsfeind“ ganz nah
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00:38 01.06.2018
Der Zeitzeuge referierte in der Aula des Kyritzer Jahn-Gymnasiums über den „Unrechtsstaat DDR“. Quelle: Gina Wiesner
Kyritz

Einen besonderen Gast konnten die Zehnt- und Elftklässler des Kyritzer Jahn-Gymnasiums am Dienstagvormittag begrüßen: Wolfgang Welsch. Er erzählte von seiner Vergangenheit in der DDR. Und das war tatsächlich nicht einfach nur irgendeine Vergangenheit.

Der 1944 geborene Berliner war Schauspieler am Deutschen Theater und äußerte früh Kritik am System der DDR. Im Jahr 1964 wurde er dann wegen „Republikflucht“, „staatsgefährdender Hetze“ und „Hochverrat“ zu knapp zehn Jahren Haft verurteilt. Über seine Zeit im Gefängnis und die Verfolgung durch die Stasi veröffentlichte Welsch 2004 seine Autobiografie mit dem Titel „Ich war Staatsfeind Nummer 1“.

Dieses Buch las auch der momentan am Gymnasium als Referendar für Geschichte wirkende Julius Legde: „Ich habe das Buch im Urlaub gelesen und fand das total toll für die Schüler. Ich habe mich dann dran gemacht, Wolfgang Welsch ausfindig zu machen und an unsere Schule zu holen.“ Getragen wurde dieses Projekt unter anderem vom Verein Deutsche Gesellschaft, der am Montag vor Ort von Annett Ochmann vertreten wurde.

Wolfgang Welsch Quelle: Gina Wiesner

Der Vortrag, den Welsch vor den Schülern hielt, stand unter dem Titel „Unrechtsstaat DDR“. Dabei lag es dem Zeitzeugen besonders am Herzen, den Schülern klarzumachen, mit welcher Brutalität und Ungerechtigkeit dieser Staat den Bürgern gegenüber vorging, die sich gegen das System wendeten. „Ich bin der Einzige, der nachweisen kann, wie brutal die Diktatur damals wirklich war.

Der Geschichtsunterricht lässt in Sachen DDR bei diesem Thema teilweise sehr zu wünschen übrig. Aus diesem Grund freue ich mich, den Schülern das Thema näherbringen zu können“, sagte Wolfgang Welsch, der erst nach der Wende auch vor Gericht zu seinem Recht kam.

Die Schüler hingen während des Vortrages gebannt an den Lippen von Welsch und hörten aufmerksam zu, wie er von seiner Zeit im Gefängnis sprach. „Wir Gefangenen unterhielten uns durch die Rohre der Toiletten“, erinnerte sich Welsch, „so fand ich zum Beispiel heraus, dass eine Mitgefangene schwanger war.

Irgendwann verschwand sie plötzlich, und als sie wiederkam, erzählte sie uns, dass die Stasi ihre Schwangerschaft wohl abbrechen musste. Das stimmte natürlich nicht, sie wollten sie nur nicht aus dem Gefängnis lassen.“ In der DDR galt nämlich das Gesetz, dass Schwangere, die den fünften Schwangerschaftsmonat erreichten, entlassen werden mussten, um sich um ihr Kind zu kümmern.

Die Stasi hatte Welsch zum ,Staatsfeind Nummer 1’ erklärt

Im zweiten Teil seines Vortrages berichtete Welsch noch von seiner Zeit nach der Gefangenschaft, in der er sich als Fluchthelfer engagierte: „Ich habe damals vielen Leuten auf verschiedenen Wegen geholfen, und diese Aktionen haben funktioniert. Als die Stasi das mitbekommen hat, haben sie mich zum ,Staatsfeind Nummer 1’ erklärt und fingen an mir nachzusetzen“, erzählte Welsch: „Da ich auch im Ausland unterwegs war, fingen sie an, Mordanschläge auf mich auszuüben.“ Den schlimmsten Anschlag habe er in Israel erfahren, dort wurde er vergiftet.

Aber auch diese schlimme Zeit hat Welsch überlebt. Trotzdem litt er viele Jahre danach unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und konnte lange nicht über die schwere Zeit reden. Doch heute freut er sich, den Menschen das Leben in der DDR näherzubringen.

Auch die Schüler waren begeistert, so sagte zum Beispiel Max Schröder, Schüler der elften Klasse: „Das hat mir richtig gut gefallen, der Vortrag war eine Bereicherung für den Geschichtsunterricht.“ Und auch Schuldirektor Stefan Mordig gab ein positives Feedback: „Was in diesem Forum erzählt wurde, ist von Geschichtsbüchern nicht zu ersetzen.“

Von Gina Wiesner

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