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Kyritzer Altstadt bangt um Einzelhandel

Immer mehr leere Schaufenster Kyritzer Altstadt bangt um Einzelhandel

Die leeren Schaufenster in der Kyritzer Innenstadt fallen ins Auge, doch Experten halten die Situation noch für normal. Generell, so zeigt die Statistik, steht dem Kyritzer deutlich mehr Verkaufsfläche zur Verfügung als andernorts üblich – vieles davon befindet sich aber am Stadtrand.

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In der Hamburger Straße werden bald weitere Verkaufsräume frei. Andere stehen bereits seit Monaten oder Jahren leer.

Quelle: Alexander Beckmann

Kyritz. Die Kyritzer Innenstadt steht sicherlich nicht kurz davor, völlig zu verwaisen. Auffällig ist die wachsende Anzahl ungenutzter Ladengeschäfte aber schon. Ein Spaziergang über den Marktplatz, durch die Hamburger Straße, die Maxim-Gorki-Straße und die Johann-Sebastian-Bach-Straße offenbart rund ein Dutzend leerer Schaufenster. Manche der Läden stehen seit Jahren leer, andere erst seit relativ kurzer Zeit.

Beatrice Michalski beispielsweise hat ihr Modegeschäft in der Hamburger Straße erst dieser Tage geräumt – nur rund anderthalb Jahre nach der Eröffnung. Persönliche Gründe hatten nach Aussage der Händlerin ihren Anteil an der Entscheidung. Allerdings sei das Geschäft eben auch nicht so blendend gelaufen, dass die Fortsetzung wirklich lohnend erschien. Das habe sicherlich nicht allein an der Lage am Rande des Stadtzentrums gelegen. „In Kyritz fehlen einfach die Kaufkraft und die Laufkundschaft“, schätzt Beatrice Michalski inzwischen ein.

Unweit des ehemaligen Modegeschäfts erlebt ein anderer Laden seine letzten Tage. „Räumungsverkauf“ steht auf dem Plakat im Schaufenster von Renate Lemke. Im Mai 1991 hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann das „Sporthaus“ eröffnet. Das Paar sieht dem Ruhestand entgegen – ein wenig früher als manch andere. „Aber eines kommt zum anderen“, sagt die 60-Jährige. „Es hat wenig Sinn weiterzumachen.“ Trotz der Stammkunden, von denen nicht wenige dem Laden seit fast 25 Jahren die Treue hielten, habe sie das Verhältnis von persönlichem Aufwand und Nutzen dazu bewogen, einen Schlussstrich zu ziehen.

In der Kyritzer Altstadt weisen heruntergelassene Rollläden auf Leerstand hin

In der Kyritzer Altstadt weisen heruntergelassene Rollläden auf Leerstand hin.

Quelle: Alexander Beckmann

Einige weitere Einzelhändler in der Innenstadt haben ihren Ausstieg angekündigt. Sogar der Supermarkt in der Johann-Sebastian-Bach-Straße steht offenbar zur Disposition.

„Das ist bei uns natürlich ständig ein Thema“, sagt der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Kyritzer Gewerbe (AKG) Andreas Heine. Trotz der aktuell spürbaren Häufung von Schließungen schätzt Andreas Heine ein: „Wir sind momentan auf einem ganz guten Stand. Die Entwicklung kann zu einem Problem werden, aber wir versuchen gegenzusteuern.“ Ihren Mitgliedern biete die AKG beispielsweise Unterstützung bei Fragen der Geschäftsnachfolge an. Zudem werbe man so weit wie möglich für leer stehende Verkaufsflächen in der Innenstadt – beispielsweise auch bei den im Prignitz-Center ansässigen Händlern. Einen fundierten Überblick über die Situation erhoffe man sich vom gerade entstehenden Einzelhandelskonzept der Stadt, so An­dreas Heine.

In vielen Kyritzer Straßen sind Geschäfts- und Gewerberäume zu vermieten

In vielen Kyritzer Straßen sind Geschäfts- und Gewerberäume zu vermieten.

Quelle: Alexander Beckmann

Am vergangenen Donnerstag hatte die Stadtverwaltung den AKG-Mitgliedern Zwischenergebnisse aus der Arbeit an dem Konzept vorgestellt. Demnach ist die Leerstandsquote in der Innenstadt mit aktuell rund 10 Prozent als recht niedrig einzustufen. Die Situation wird als stabil eingeschätzt. 62 Prozent aller Einzelhandelsbetriebe befinden sich in der Innenstadt. Allerdings umfassen die meist kleinen Läden nur zirka 20 Prozent der gesamten Kyritzer Verkaufsfläche. Vor allem aber kommen die mit dem Konzept befassten Fachleute zu dem Schluss, dass Kyritz mit gut 2,8 Quadratmetern Verkaufsfläche pro Einwohner nicht nur in der Region, sondern auch bundesweit ganz weit oben liegt. Neuruppin bringt es beispielsweise nur auf 1,74 Quadratmeter je Einwohner. Außerdem ist die Lebensmittelbranche mit drei Supermärkten, drei Discountern, drei Getränkemärkten und weiteren Läden überdurchschnittlich stark repräsentiert. Die Experten empfehlen, die weitere Einzelhandelsentwicklung noch stärker auf die Innenstadt auszurichten.

Darauf verweist auch die für Stadtmarketing und Einzelhandel zuständige Mitarbeiterin des Kyritzer Rathauses, Doreen Wolf: „Gegenwärtige Investitions-Projekte zur Funktionsstärkung in der Altstadt, wie der Bau der neuen Kita und die Umgestaltung des Klosterviertels zum Kulturstandort, haben das Ziel, die Altstadt zu beleben und so auch den Einzelhandel hier zu stärken.“ Auch die Sanierung von Gebäuden und weiteren Altstadtstraßen führe in diese Richtung. „Selbstverständlich gilt es, bei der Planung der Baumaßnahmen die Interessen der an- und umliegenden Einzelhändler zu berücksichtigen.“ Daher lade man auch alle Geschäftsinhaber zu der Informationsveranstaltung zur Sanierung der Johann-Sebastian-Bach-Straße für kommenden Dienstag, 15. Dezember, um 18.30 Uhr ins Rathaus ein. „Zudem wird der Fokus von Kultur- und Marketingaktivitäten der Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit der AKG und dem Tourismusverein bereits seit einiger Zeit und in Zukunft noch stärker auf die Einbeziehung der Geschäfte und Geschäftsstraßen gelegt.“

Von Alexander Beckmann

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