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Kyritzer Bürgerpark vor 12 Jahren angelegt

Grünanlage an Pritzwalker Straße Kyritzer Bürgerpark vor 12 Jahren angelegt

Vor zwölf Jahren ist in Kyritz ein Bürgerpark angelegt worden. Hans-Wilhelm Gondesen, Lehrer am Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium, trug maßgeblich dazu bei, dass dort die Bäume wachsen konnten. Noch heute ist er ein wachsamer Parkwächter, der sich um die Bäume kümmert.

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Ohne Hans-Wilhelm Gondesen hätte es den Bürgerpark nicht gegeben. Seine Liebe zur Natur, gepaart mit gutem Organisationstalent, überzeugten viele Mitmacher.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Kyritz. „Gestatten? Ha-We, alias Harwey, alias Mr. G.“ So könnte er sich vorstellen. Wer seit 60 Jahren „Hans-Wilhelm“ heißt, muss sich wohl oder übel dem Abkürzungsfimmel ergeben. Besonders, wenn er Lehrer ist von sehr erfinderischen Schülern. Die Kollegen von Hans-Wilhelm Gondesen pflegen ebenfalls die Sprachökonomie. Gondesen nimmt es mit nordischer Gelassenheit. Seit über 20 Jahren unterrichtet er am Kyritzer Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium Wirtschaft, Politik und Englisch. „Mittlerweile bin ich der Älteste hier“, rechnet er vor.

Der rote Klinkerbau der alten Jahn-Schule hat ihn von Anfang an fasziniert. Okay, die Umgebung kam ihm ein bisschen kahl vor. Aber das könnte man ja ändern. Harwey brachte dafür beste Voraussetzungen aus der alten Heimat mit. Das Leben hatte ihm da beruflich schon einiges angeboten. Aufgewachsen zwischen Feld, Wald und Vieh fiel bei einem Sohn vom Altbauern fast logisch der Apfel nicht weit vom Stamm. Praktisch war er schon fast Landwirt. Das belegt auch der Abschluss an der Fachhochschule für Landbau in Soest/Paderborn. Dass Theorie und Praxis dann doch keine Ehe eingingen, hatte mit den Bedingungen für Ackerbau und Viehzucht im Allgemeinen und mit der geringen Größe der eigenen Scholle im Besonderen zu tun. Hans-Wilhelm Gondesen sattelte um, bevor er richtig aufgesessen war. Er wurde Pädagoge. Eines ist ihm immer erhalten geblieben: die Faszination für Bäume. Da passte es, dass er vor dem Umzug gen Osten über zwei Jahre schwer vermittelbare Jugendliche in Husum bei Waldarbeiten betreute. So fuhr er nicht nur auf der pädagogischen Schiene, sondern konnte nebenher sein Steckenpferd reiten.

Blick in den Bürgerpark

Blick in den Bürgerpark.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Von all dem sollte Kyritz profitieren. An Ideen mangelte es Hans-Wilhelm Gondesen nicht. Irgendwann nahm ein Gedanke Gestalt an, wie das dröge Drumherum des schönen Schulgebäudes begrünt werden könnte. Erster Schritt. Die Abschlussjahrgänge sollten sich am Ende ihrer Schulzeit jeweils einen Baum pflanzen. An fünf Fingern ließ sich aber abzählen, dass es so mit einer grünen Oase bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag dauern würde. Lehrer Gondesen war außerdem aufgefallen: „Wenn ich mit Schülern in der Natur unterwegs war und nach dieser oder jener Baumart fragte, mussten die meisten passen.“ Die Idee, eine Aktion zu starten, schlug langsam Wurzeln. Der langweilige Rasen zwischen Kulturhaus und Gymnasium bot sich an, Kyritz einen Park zu schenken. Genauer gesagt: Die Städter sollten ihn sich selber spendieren. Der Plan: Wir pflanzen einen Bürgerpark. Der heißt deshalb so, weil jeder dabei mittun und Baumpate werden kann.

Marktforschung tat Not

Nach dem Motto: Wer die Idee hat, muss es machen, leistete H.-W. Gondesen die Kernarbeit. Er suchte nicht nur den Kontakt zum Landkreis und zur Stadt – schließlich hat man ja in Nachbars Garten nichts zu suchen – sondern er recherchierte. Wie viel Bäume brauchen wir? Welche Arten kommen infrage? Es sollten einheimische sein, die in Verträglichkeit, Wuchshöhe und Kronengröße weitestgehend übereinstimmten, so wie Stiel- und Roteiche, Hainbuche, Linde, Vogelbeere, Baumhasel, Feldahorn, Silberpappel, Mehlbeere, Kastanie und Ahorn. Dann ging es darum, was so ein Baum den Paten kosten darf. Die Preise lagen schließlich zwischen 30 und 80 Euro. Da tat Marktforschung not. Wo gab es Baumschulen, die den Bedarf decken konnten? Wer bot bezahlbare gute Ware? Und nicht zuletzt: Wer hilft bei der Organisation für einen groß angelegten Pflanztag? Letztere Frage beantwortete sich am einfachsten. Der Lehrer suchte und fand Freiwillige aus der Schülerschar. Der großen Rest ließ sich nur mit einer logistischen Meisterleistung stemmen. „Ohne die Zeitung wären wir aufgeschmissen gewesen. Und natürlich auch ohne die Spender.“ Gondesen staunt heute noch darüber, dass so viele den Aufrufen folgten. Das alles spielte sich in der ersten Jahreshälfte 2004 ab.

Als Erste trug sich die Kita „Feldmäuse“ in die Kaufliste ein. Es folgten Lehrer vom Gymnasium und Eltern, deren Sprösslinge dort lernen. In die Schar der potenziellen Pflanzer reihten sich der Seniorenchor der Volkssolidarität und das Reisebüro Globus ebenso ein wie die MAZ-Redaktion, die Bücherecke „John“, Landrat Christian Gilde, Bürgermeister Hans-Joachim Winter oder Dieter Voelk­ner, Günter Claus und Burkhard Rehfeld vom Freundeskreis der ehemaligen Jahn-Schüler. Handwerksfirmen zeigten Interesse, andere Kindertagesstätten und Schulen ebenso. An einem Sonnabend im Oktober des Jahres lagen 135 Bäume an vorbereiteten Pflanzlöchern, bereit, zu einem Wäldchen zu werden. Die Paten rückten mit Spaten, Harken und sehr viel gutem Willen an, die Anlage zu bepflanzen.

Wer pflanzt, muss auch gießen

Das sollte in den Monaten danach so bleiben. Mit den Patenschaften klappte es nämlich am Ende doch nicht ganz so, wie gewollt. Wer pflanzt, muss auch gießen, eigentlich jeder seinen Baum. So der Plan. Nicht alles schafft der Wettergott. Auf den vertrauten aber wohl die meisten. Besonders an heißen Sommertagen konnte man mehrmals in der Woche, fast immer nach dem Unterricht, einen Lehrer in kurzen Hosen und mit Baseballmütze sehen, der in Eimern und Kannen Wasser heranschleppte. Zum Glück hielten etliche seiner Schüler zur Stange. Oft genug blieb Gondesen aber Solist. Erst nach zwei Jahren konnten die Hobby-Gärtner eine extra gelegte Leitung nutzen.

Die Mühe hat sich ausgezahlt. Dennoch streift Hans-Wilhelm Gondesen immer noch regelmäßig durch die Reihen, die Baumschere in der Hand, um hier auszuästen, da Totholz abzuknipsen. Er ist der Parkwächter geblieben – ein wachsamer. So verhinderte er auch einen drohenden Flurschaden, als nebenan der neue Busbahnhof gebaut wurde.

Unweit der Bahnlinie nach Pritz­walk

Der Zipfel grüne Lunge unweit der Bahnlinie nach Pritz­walk ist kein Gondesen-Park geworden, nicht offiziell. Der Findling am Eingang, organisiert und herangekarrt aus der Kiesgrube Görike, kündet schlicht von bürgerlichem Engagement. „Gut so“, sagt sein Verwalter ohne öffentlichen Auftrag. Dass er auch dafür gesorgt hat, direkt am Schulhaus etliches zu pflanzen, was heute über anderthalb Meter groß ist, dass Plastiken umzogen und heute auf stabilen Fundamenten ruhen, muss man aus ihm herauskitzeln. Dabei zog der Lehrer auch hier die Strippen.

Immerhin ist das dem Landkreis aufgefallen. Beim Wettbewerb um den OPR-Umweltpreis vergab er den 3. Preis nach Kyritz. Und dazu ein höchstamtliches Schreiben. Wenn das nichts ist? „Harwey“ winkt bescheiden ab. Ihm reicht es, dass die Bäume und Sträucher wohl gediehen sind. Bürgerpark und Busbahnhof sind eine gute Nachbarschaft eingegangen.

Von Wolfgang Hörmann

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