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Kyritzer Dosse-Talsperre erreicht Minimalpegel

Wasserreserve und Hochwasserschutz Kyritzer Dosse-Talsperre erreicht Minimalpegel

Wegen des trockenen Frühjahrs wird bereits seit Ende Mai Zusatzwasser für die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Havelland aus dem Kyritzer Obersee zur Verfügung gestellt. Für die kommende Woche wird erwartet, dass der Wasserstand in dieser Talsperre seinen Minimalpegel erreicht. Theoretisch aber ginge noch mehr.

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Zuletzt war der Wasserstand im Obersee, an dem sich auch das Schloss Karnzow (r.) befindet, im Sommer 2013 so niedrig. Nächste Woche wird laut Landesumweltamt das „zulässige Absenkziel“ erneut erreicht. Quelle: Matthias Anke

Kyritz. Es ist ein ständiges Hoch und Runter, ein Auf und Ab. Der Kyritzer Obersee, diese sogenannte „Talsperre Dossespeicher“, die im Norden Deutschlands als größte ihrer Art gilt, wird schließlich so genutzt wie eh und je, seitdem sie 1979 in Betrieb ging. „Viele Besucher glauben gar nicht, welche Funktion sie heute noch hat. Die meisten denken, das wäre nur ein DDR-Bauwerk ohne weiteren Nutzen“, erzählt Talsperrenmeister Heiko Gerloff.

Von seinem Büro aus kann Gerloff die aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich zugängliche Anlage überschauen, die das Dossewasser staut. Es wird in wasserreichen Zeiten am Wehr Wulkow dem Fluss entnommen, über einen Graben in den Stausee geleitet und kann bei Bedarf über den Untersee und die Klempnitz in Wusterhausen wieder der Dosse zugeführt werden. Hochwassergefahren lassen sich so eindämmen, andererseits kann Wasser als Puffer für Trockenperioden zwischengespeichert und mit zwei bis drei Kubikmetern pro Sekunde abgeben werden.

Mit 6,5 Millionen Kubikmetern Wasser kann „gearbeitet“ werden

Derzeit sinkt der Wasserstand wieder Richtung seiner Untergrenze. „Acht Zentimeter nehmen wir noch raus“, sagt Gerloff mit Blick auf die Pegellatte, an der das Wasser gerade bei 2,57 Metern steht. Er schaut in eine Tabelle und weiß sofort, bei welchem Pegelstand wie viele Kubikmeter Wasser noch abgelassen werden könnten.

Im Stausee wird das Wasser derzeit knapp bei 38,5 Metern über dem Meeresspiegel gehalten. Ist der See befüllt, sind es bis zu 40,5 Meter über Null. Diese zwei Meter Differenz entsprechen etwa 6,5 Millionen Kubikmetern Wasser.

Bis zu seiner Obergrenze wird der Flachlandspeicher oft im Frühjahr eines jeden Jahres befüllt. Dieses Mal aber ist das Wasser nicht nur für die Landwirtschaft weggegangen und für die Flussfauna an sich, sondern gerade auch wegen der Trockenheit. Rundherum hat der See nun wieder einen sandstrandartigen Saum, erscheinen alte Baumstümpfe aus der Tiefe plötzlich wieder an der Oberfläche.

Seit 2014 und noch bis zu diesem Mai stand das Wasser derart hoch, dass es selbst an die Infotafeln für Touristen kein Herankommen  gab

Seit 2014 und noch bis zu diesem Mai stand das Wasser derart hoch, dass es selbst an die Infotafeln für Touristen kein Herankommen gab.

Quelle: Privat

Nur voriges Jahr blieb der Pegel konstant etwas höher. Die Generalsanierung des Bauwerks samt der Nebenanlagen, wozu später auch der Zuleitergraben gehören soll, hatte im Oktober 2013 begonnen. Auf einer Länge von 1,5 Kilometern sollte zunächst die sogenannte Dammfußdrainage erneuert werden. Sie sorgt für die Standsicherheit des Dammes, fängt anfallendes Sickerwasser aus dem Dammkörper auf und leitet es ab. Der erste Bauabschnitt, die westliche Hälfte der Drainage, wurde bis Ende vorigen Jahres fertig. Weil der Wasserstand derweil konstant gehalten wurde, sank er nicht mehr so stark wie es sonst möglich gewesen wäre.

Die weiteren Bauabschnitte stehen nun aber noch aus. Ein Ende der Arbeiten, das ursprünglich für 2016 avisiert war, ist wohl nicht in Sicht. Allein für die Drainagenerneuerung wurden 1,2 Millionen Euro veranschlagt . Das Geld sollte vom Land kommen, dem das Bauwerk auch gehört. Zuständig ist deshalb das Landesumweltamtsreferat Hochwasserschutz, das die Anlage betreibt. In dessen Auftrag führen Beschäftigte des Wasser- und Abwasserverbands Dosse-Jäglitz die Arbeiten rund um den Stausee aus. Gerloff stehen dafür zwei Kollegen zur Seite.

Wann und wie es mit der Generalüberholung weitergeht, war am Montag auf eine entsprechende Anfrage im Landesumweltamt noch nicht zu erfahren. Dafür wurde hinsichtlich des niedrigen Wasserstands mitgeteilt: „Aufgrund des trockenen Frühjahrs wird bereits seit Ende Mai Zusatzwasser für die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Havelland zur Verfügung gestellt. Die Abgabemenge beträgt seither durchschnittlich ein Kubikmeter pro Sekunde.“ Das „zulässige Absenkziel“, die knapp 38 Meter über Null, werde voraussichtlich kommende Woche erreicht. Danach geht es nicht mehr runter, höchstens im Notfall, sondern irgendwann – und ganz gewiss – wieder aufwärts.

Zu DDR-Zeiten schwankte der Wasserstand um bis zu sechs Meter

Der vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg betriebene Obersee als Flachlandspeicher umfasst die ehemalige Seenkette, bestehend aus Obersee, Salzsee und Borker See, und wird heute nur noch als Obersee bezeichnet.

18,3 Millionen Kubikmeter Wasser beträgt das Fassungsvermögen, das zu DDR-Zeiten auch genutzt wurde. Das hatte Schwankungen des Wasserspiegels des Obersees von bis zu sechs Metern zur Folge.

6,5 Millionen Kubikmeter, die in etwa einer Schwankung von zwei Metern entsprechen, werden heute noch genutzt, um einerseits Wasser für die Landwirtschaft zu bevorraten und andererseits Hochwassergefahren an der Dosse zu senken.

 

Von Matthias Anke

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