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Kyritzer Feuerwehren geht die Puste aus

Atemschutzgeräteträger fehlen Kyritzer Feuerwehren geht die Puste aus

Der neue, sogenannte Gefahrenabwehrbedarfsplan für Kyritz liegt den Stadtverordneten vor. Dieser Analyse ist zu entnehmen, dass mehreren Standorten die Schließung droht, wenn sich keine neuen Mitglieder finden. Doch schlicht mit neuen Gesichtern wäre nur wenig gerettet. Denn es mangelt an ganz speziellen Leuten.

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Für die Feuerwehren soll jetzt mehr denn je die Werbetrommel gerührt werden. Dringend benötigt: Atemschutzgeräteträger.

Quelle: André Reichel

Kyritz. In allen Kyritzer Feuerwehren gibt es insgesamt 41 einsetzbare Atemschutzgeräteträger. „Eindeutig zu wenig“, lautet das Fazit der Personalanalyse im neuen, sogenannten Gefahrenabwehrbedarfsplan. Er liegt den Kyritzer Stadtverordneten zur Abstimmung vor. Darin ist alles minutiös erfasst, was mit Gefahrenabwehr zusammenhängt: von sämtlichen zu schützenden Einrichtungen über die Feuerwehrausstattungen bis hin zu Löschwasserstellen und selbst gesetzten Rettungszielen, basierend auf dem bisherigen Einsatzgeschehen.

Am Donnerstag erläuterten Veronika Lausch als die für den Brandschutz zuständige Amtsleiterin und Mitarbeiter André Eichhorn, selbst Feuerwehrmann, das Papier im Bauausschuss. In den Wochen zuvor war für alle Ortsbeiräte an zwei Terminen Gelegenheit, sich den Plan erklären zu lassen. Denn von möglichen Standortschließungen ist darin die Rede. Es gibt aber einen Stufenplan, um sie abzuwenden.

In der näheren Betrachtung wird jedoch deutlich, dass allein mit mehr Feuerwehrmitgliedern noch nichts gerettet wäre. Sie müssten speziell ausgebildet sein, vor allem als Atemschutzgeräteträger. Ansonsten sind die seitens der Stadt zusammen mit den Wehren selbst gesteckten Rettungsziele nicht zu erreichen. Wie Veronika Lausch ausführte, ist demnach im Stadtgebiet in mindestens 80 Prozent der kritischen Einsätze, wenn also Menschen in Gefahr sind, binnen zehn Minuten mit neun Funktionen (wie etwa Trupp-, Gruppen-, Zugführer oder Maschinisten und Kettensägenführern) am Ort einzutreffen, in weiteren fünf Minuten mit weiteren sieben Funktionen. Für das Umland gilt aufgrund anderer Baustruktur, dass die Feuerwehr binnen zehn Minuten mit sechs und in weiteren fünf Minuten mit weiteren sieben Funktionen am Ort eintreffen soll, und das ebenso in mindestens 80 Prozent der Fälle. Zwei Minuten werden für Notruf und Alarmierung hinzugerechnet.

Die personelle Situation ist dramatisch

Laut André Eichhorn ergab die Analyse, dass man über die Ausrüstung verfügt, „die dafür notwendig ist“. Personell jedoch sieht es dramatisch aus: Allein in den vergangenen fünf Jahren sank die Zahl zum Einsatz fahrender Mitglieder von insgesamt 150 auf noch knapp über 100. Besonders eine Altersgruppe nahm deutlich ab: „Der Mitgliederverlust in der Einsatzabteilung im betrachteten Zeitraum liegt bei 43 Kameraden. Im Alter bis zum 27. Lebensjahr liegt der Verlust bei 31 Kameraden, das ist im Verhältnis zu der Gesamtanzahl ein Verlust von 72 Prozent.“ Da kein Übergang in die nächste Altersstruktur ablesbar ist, liegt laut Eichhorn „die Vermutung nahe, dass es sich um ausbildungsbezogene und arbeitsbedingte Veränderungen handeln könnte“.

Bevor Standorte wie Holzhausen, Berlitt, Kötzlin oder Lellichow abgewickelt werden, wobei Nachbarwehren gestärkt werden könnten, soll alles versucht werden, neue Leute zu finden und auszubilden. Der Gefahrenabwehrbedarfsplan sieht dazu ein Stufenmodell vor und Maßnahmen, die laut Veronika Lausch ein „Gesamtpaket“ bilden: von einer Brandschützer-AG an der Grundschule über höhere Entschädigungen bis zur Verbesserung der Tagesbereitschaft mit Feuerwehrleuten, die andernorts leben, aber in Kyritz arbeiten. Umgekehrt ist das in Neustadt und Wusterhausen vorgesehen. In Zusammenarbeit dieser Kommunen entstand der Plan schließlich auch. Für den sind sie gemäß Landesbrandschutzgesetz verpflichtet. Die alte Version stammte von 2007. Die Neustädter verabschiedeten ihre Neufassung im September.

Für Kyritz bleibt laut Bürgermeisterin Nora Görke nun nichts anderes übrig, als an eine Berufsfeuerwehr zu denken, wenn alles nichts bringt, die Entwicklung sich aber so fortsetzt. „Wenn alle Maßnahmen nicht fruchten, wird es eine freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften geben müssen“, formulierte es Eichhorn. Um die gesetzliche Verantwortung zum Brandschutz komme die Stadt schließlich nicht herum.

Von Matthias Anke

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