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Ostprignitz-Ruppin Kyritzer „Tauschhütte“ erst Box, jetzt Bauwerk
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritzer „Tauschhütte“ erst Box, jetzt Bauwerk
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02:15 23.01.2016
Ist nicht schief fotografiert, sondern steht schief: die Tauschbox auf dem Kyritzer Marktplatz. Quelle: Matthias Anke
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Kyritz

Am Anfang war es kaum mehr als eine Bretterbude. Weit über zwei Jahre nach dieser ersten Version der sogenannten Tauschbox aus Sperrholzplatten und zwei Brandanschläge später gehört dieses kleine, längst in Fachwerkoptik errichtete Bauwerk inmitten von Kyritz irgendwie schon zum städtischen Inventar. Auf dem Marktplatz. In der Mitte der Stadt. Im Herzen der Stadt. Jetzt aber gibt es eigens für dieses Kuriosum, in das kaum drei Leute hineinpassen, sogar schon eine „baufachliche Stellungnahme“ – weil die Hütte bereits Reparaturbedarf hat. Die öffentliche Sicherheit werde gefährdet, heißt es seitens der Bauverwaltung. Materialauswahl und Bauweise waren schließlich nur für die kurze Nutzungsdauer von einem Jahr ausgelegt. Ohne Fremdeinwirkung seien Schäden aufgetreten, „die die Standsicherheit und damit die öffentliche Sicherheit gefährden“.

Deshalb beschäftigte das Häuchen kürzlich auch die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses. Denn wie Bauamtsleiterin Angela Schulz dabei ausführte, würden sich die Initiatoren dieser Box nicht als Eigentümer sehen. Es handele sich nun um „Gemeingut der Stadt“. Die Akteure stammen aus einer Arbeitsgruppe namens „Markt der regionalen Möglichkeiten”, die sich damals bei der Erstellung des Kyritzer Klimaschutzkonzeptes zusammenfand und jetzt „Prignitz wandeln“ nennt.

Wie zu sehen ist, wird die Tauschbox rege genutzt. Die einen legen etwas hinein, die anderen nehmen sich etwas heraus. Quelle: Matthias Anke

Nun also steht die Frage: Wer soll sich kümmern? Angela Schulz verwies etwa darauf, dass die Verkehrssicherheit erfüllt sein muss. Da könne nicht einfach ein Gefache herausfallen oder ein Ziegel runterrutschen. Baufachdeutsch heißt es über das Objekt: „Die Hütte wurde in einfacher Fachwerkbauweise als zimmermannsmäßiger Kantholzabbund mit achteckigem Grundriss und Zeltdach mit Biberschwanzeindeckung erstellt und ohne weitere Verankerung auf die Pflasterung des Marktplatzes abgesetzt.“ Und nun wurde angesichts des aktuellen Zustands ein Ingenieurbüro „mit einer baufachlichen Überprüfung, einschließlich Stellungnahme und Kostenabschätzung zur Grundlage für die weiteren Entscheidungen beauftragt“. Ergebnis: „Für die umgehend erforderlichen Bau- beziehungsweise Reparaturmaßnahmen zum Erhalt des Gebäudes und Gefahrenabwehr sind einmalig Kosten von etwa 1550 Euro aufzubringen. Der jährliche Instandhaltungsaufwand zur weiteren schadensfreien Nutzung der Tauschhütte wird mit etwa 750 Euro eingeschätzt.“ Es sei zudem auch „zwingend erforderlich“, eine Versicherung für das Objekt abzuschließen, damit der Eigentümer des Objektes für Notfälle abgesichert ist. Die Kosten hierfür sollen bei 250 Euro jährlich liegen.

Es heißt, man wolle sich „dieses kleine Spielzeug einfach leisten“

„Diese Tauschhütte ist für Kyritz etwas Besonderes und es gibt etliche Leute, die sie nutzen, und Paten, die sich kümmern“, sagte Bürgermeisterin Nora Görke. Die Idee: Jeder kann etwas hineinlegen, was er nicht mehr benötigt, und sich im Gegenzug etwas mitnehmen, was ihm wiederum gefällt. So reicht das Sortiment von Schuhen, Kinderbekleidung über Spielzeug und Pullover bis hin zu Gläsern, Geschirr und vielem anderen. Aber auch weitere Redner berichteten von „reger Nutzung“ und „sich liebevoll“ kümmernden Leuten. Rolf Eggeling, sachkundiger Einwohner im Ausschuss, ergänzte mit Blick auf die „dilettantische Aufstellung“ dieser Hütte: „Das Ganze wirkt im Moment zwar alles nur schräg. Aber wir sollten uns dieses kleine Spielzeug einfach leisten.“

Auf einem Zettel steht erklärt, was die Geschenkebox oder auch „Tauschhütte“ ist. Schließlich äugen dort auf dem Marktplatz sehr oft auch nichts ahnende Touristen hinein. Quelle: Matthias Anke

So einigten sich die Wirtschaftsauschussmitglieder am Ende darauf, dass die Stadt die Tauschhütte erhalten und für Instandhaltung und Versicherung aufkommen soll – allerdings nach einem Vorschlag der ebenfalls sachkundigen Einwohnerin Heike Grüttner: Es solle zunächst nur auf zwei Jahre befristet erfolgen. Schlussendlich entschieden werden muss es ohnehin erst noch von der Stadtverordnetenversammlung.

Von Matthias Anke

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