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LFC wagt einen „Ritt durch die Erdbeeren“

Linow LFC wagt einen „Ritt durch die Erdbeeren“

Der Linower Faschingsclub startet in seine 30. Saison und wie immer ist in dem Dorf bei Rheinsberg alles ein bisschen anders. Traditionell geht das närrische Treiben in Linow am 11. November nämlich nicht um 11.11 Uhr, sondern erst um 16.16 Uhr los. Und auch das Rathaus, was erobert wird, ist gar kein echtes Rathaus.

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Der Linower Faschingsclub fiebert einmal mehr dem 11. November entgegen.

Quelle: Privat

Linow. Wenn am Freitag um 11.11 Uhr in den Karnevalshochburgen der Republik das närrische Treiben beginnt, sind die Linower noch am Malochen. In Jahren, in denen der Karnevalsauftakt auf einen Wochentag fällt, wird das dortige Rathaus erst um 16.16 Uhr erobert. Wobei das Linower Rathaus kein wirkliches Rathaus ist, denn die Zeiten eines „Rates der Gemeinde“ und eines hauptamtlichen Bürgermeisters sind vorbei. Doch die Tradition, zum ehemaligen Verwaltungsgebäude zu ziehen, haben sich Menschen hier erhalten.

Vor 30 Jahren war dies erstmals der Fall. 1986 wurde der „Linower Faschingsclub“ von knapp zwei Dutzend Mitstreitern gegründet und der Schlüssel für das Rathaus am 11. November jenes Jahres in Empfang genommen. Ausgangspunkt für den neuen Verein war damals der Jugendclub des Dorfes. Wie vielerorts in der DDR üblich, versammelten sich hier junge Leute in ihrer Freizeit.

Fehlende Räumlichkeiten sind ein Problem

Als sie für die Kinder des Dorfes ein Weihnachtsmärchen einstudierten, kamen einige von ihnen auf den Geschmack, sich zu verkleiden und die „fünfte Jahreszeit“ zu feiern. Ein erstes Prinzenpaar wurde gewonnen und seither haben die Linower jedes Jahr eine Faschingsfeier organisiert. Dass es sich um einen Faschingsclub und keinen Karnevalsverein handelt, ist dem Präsidium um Burkhardt Stranz wichtig. „Beim Karnevalsverein muss ich einen Elferrat vorhalten, bei uns geht es etwas lockerer zu“, erklärt Stranz. Der Zuspruch zum Club ist aller demografischer Veränderungen zum Trotz gut. Von den Jüngeren seien inzwischen einige nach Linow zurückgekehrt. „Wir sind hier sehr zentral gelegen“, sagt die Schriftführerin Valeria Deinert. „Nach Neuruppin, Wittstock und Gransee sind es jeweils 30 Kilometer“ – offenbar eine günstige Wohnlage auch für jüngere Menschen. Durchaus stolz ist man darauf, dass in den vergangenen 29 Jahren jeweils mindestens eine Hälfte des Prinzenpaares einen Bezug zum Dorf hat. Auch die Funkengarde, das Herrenballett und die Büttenrede sind fest im Programm eingeplant. Wer in diesem Jubiläumsjahr zum Paar der Paare gekürt wird, ist noch offen. Das Geheimnis wird immer erst am 11. November gelüftet.

Schwierig ist die Situation hingegen bei den Räumlichkeiten. Einzig verbliebene öffentliche Gebäude in Linow sind der Kindergarten und die Feuerwehr. Im Aufenthaltsraum der Kameraden finden denn auch die Proben der Narren statt. Für ihre Aufführungen müssen die Linower indes in benachbarte Orte ausweichen. Die letzte Gaststätte hat vor fünf Jahren die Pforten dicht gemacht. „Das haben wir uns nie träumen lassen“, sagt Stranz. Für die meisten Älteren sei es schwierig, nach Braunsberg oder Flecken Zechlin zu fahren, aber die Jüngeren ließen sich von den „Auswärtsfahrten“ nicht beeindrucken. Große Hoffnungen, dass Linow vielleicht eines Tages ein Dorfgemeinschaftshaus oder zumindest einen Mehrzweckraum erhält, mache man sich nicht, aber ein bisschen Träumen müsse schließlich erlaubt sein.

Fünf Mitglieder sind von Anfang an dabei

Mit 27 Mitgliedern, vier Teenagern und zwei Mini-Funken glaubt man beim LFC an die Zukunft. Das älteste Mitglied ist 60, das jüngste gerade einmal 6 Jahre alt. Neben Präsident Burkhardt Stranz sind die Ehepaare Stein und Rieck seit der ersten Stunde mit dabei.

Angesichts des Jubiläums werden die Karnevalisten an diesem Freitag ab 19 Uhr die vergangenen Jahre ein wenig Revue passieren lassen. Das Thema für dieser Faschingssaison lautet „Wir satteln die Hühner und reiten in die Erdbeeren“. Das Motto habe man bereits seit vielen Jahren im Hinterkopf gehabt, verrät Präsident Stranz. Nun werde es Zeit, endlich in die Vollen zu gehen.

Von Mischa Karth

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