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„La Traviata“ zum Rheinsberger Saison-Finale

Große Liebe, große Stimmen „La Traviata“ zum Rheinsberger Saison-Finale

Für Violetta geht der Abend tragisch aus – sie stirbt am Ende. Für die jungen Sängerinnen und Sänger der Kammeroper Schloss Rheinsberg war es hingegen eine glückliche Zeit, die sie beim Einstudieren der Oper „La Traviata“ in lockerer Festivalatmosphäre mehr als genießen konnten. Am Freitag ist Premiere.

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Die Tänzerinnen der Neuruppiner Jugendkunstschule hatten einen bravourösen Auftritt.

Quelle: Fotos: Peter Geisler

Rheinsberg. Für Graciela Rivera-Quiroz geht ein Traum in Erfüllung. „Ich habe mein ganzes Leben auf die Rolle der Violetta hingearbeitet – jetzt ist meine Stimme reif dafür“, sagt die Mexikanerin eine Viertelstunde vor der ersten Hauptprobe von Verdis „La Traviata“ im Rheinsberger Heckentheater. Graciela ist eine der 40 Sängerinnen und Sänger, die beim Vorsingen eine der begehrten Rollen für das Opernfestival junger Sänger an der Rheinsberger Kammeroper ergattern konnte. Mit einer Violetta-Arie bewarb sie sich, nun singt sie die schwere Partie, die sie sich mit der Russin Ludmila Lokaichuk teilt.

Violetta ist dem Tode nahe

Violetta ist dem Tode nahe.

Quelle: Peter Geisler

Die Doppelbesetzung ist notwendig, erklärt Regisseur Frank Matthus. Zum einen, weil die Partien der drei Hauptdarsteller unheimlich kräftezehrend sind und bei mehreren Aufführungen in Folge die stimmliche Strapaze für nur einen Sänger zu groß. Dass indes auch die kleineren Partien sogar dreifach besetzt sind, hat einen anderen Grund. „So konnten wir mehr Sänger einladen“, sagt Matthus, der weiß, wie gefragt die Kammeroper für die jungen Sänger ist: als Sprungbrett auf die großen Bühnen der Welt. „Wir wollen, dass jeder eine Rolle mit nach Hause nehmen kann.“ Zugleich fungieren die, die gerade nicht besetzt sind, als Chor. Denn den kann die Kammeroper, die immerhin in der Saison vier verschiedene Orchester engagiert, nicht auch noch stemmen. Der Laienchor, den es noch im Vorjahr gab, ist stimmlich zu dünn für eine Verdi-Oper.

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Mit La Traviata von Giuseppe Verdi bringt die Kammeroper Schloss Rheinsberg im August 2015 in der Inszenierung von Frank Matthus und unter musikalischer Leitung von Sibylle Wagner eine große Frauenoper der Romantik zur Aufführung.

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Es gibt so einiges, was Frank Matthus in dieser seiner ersten Kammeroper-Saison neu gestaltet hat, nachdem sein Vater und Kammeroper-Gründer Siegfried Matthus das Zepter abgegeben hat. Nicht nur, dass jetzt in jeder Saison eine der großen tragischen Frauenopern zur Aufführung kommen soll, sondern auch die bereits stattgefundenen Aufführungen von Händels „Amadigi“ – ganz wie Theater im Barock war: mit Fackeln und ohne Mikro oder elektrische Verstärkung. Oder der Plan, jede Saison eine zeitgenössische Oper aufzuführen: in diesem Jahr war das die Oper „Adriana“. In der „La Traviata“ führt Matthus selbst Regie – Oper ist indes kein Neuland für ihn, obwohl der studierte Schauspieler vorher langjähriger künstlerischer Leiter des Theatersommer Netzebands war. „Ich habe in Toronto den Rigoletto und Lucia di Lammermoor gemacht. In der Kammeroper den Liebestrank, den Barbier und Figaros Hochzeit“, fängt er an aufzuzählen. „Oper bin ich gewohnt. Und die tragischen Frauenfiguren reizen mich. Verdi-Opern sind psychologisch sehr präzise. Und sie gehen mir ans Herz.“

Ebenfalls neu ist die Zusammenarbeit mit der Neuruppiner Jugendkunstschule. Die hat er schon in Netzeband erprobt und für gut befunden. „Vor einem Jahr haben wir zum ersten Mal darüber gesprochen“, erinnert sich Gritt Maruschke, die die fünf Tänzerinnen an ihrer Seite für die Kammeroper ausgewählt und trainiert hat. „Es war schwer, vor allem die Probenzeiten waren hammerhart“, sagt die Tanzpädagogin, die weiß, dass einige ihrer „Mädels“ nebenher auch noch einen Vollzeit-Job haben. „Aber es ist auch wahnsinnig spannend, in so einem Apparat zu arbeiten“, schwärmt sie von der neuen Erfahrung. „Wenn die Dirigentin bei der Probe sagt: noch mal ab Takt 26, mussten wir erst einmal überlegen, wo wir gerade sind“, sagt sie.

„Schön seht ihr aus“, ruft Frank Matthus der Tanztruppe zu – er hat die Kostüme bis vor der ersten Hauptprobe noch nicht an den Akteuren gesehen. In der Tat – während die Tanzmädchen im sexy Cabaret-Outfit aus der Hecke auf die Open-Air-Bühne schweben, sieht die frivole Gesellschaft, die sich im Bordell amüsiert, elegant und mondän aus – alle Frauen tragen, dem Anlass entsprechend, sündiges Rot in allen Nuancen. Die Story ist schlussendlich tragisch – Violetta steht zwischen zwei Männern, muss ihrer Liebe entsagen und stirbt letztendlich an Schwindsucht. Die Romanvorlage zur Oper – La Traviata bedeutet „die vom Weg abgekommene“ – ist Alexandre Dumas‘ „Kameliendame“.

Sowohl Graciela Rivera-Quiroz, als auch Gritt Maruschke, Frank Matthus, Dirigentin Sibylle Wagner und alle anderen sind sich einig: es war eine tolle Probenzeit, voller Spaß und Miteinander. „Rheinsberg harmonisiert“, sagt Matthus. „Ich bin unglaublich glücklich über meine Truppe.“ Alle arbeiten mit- und nicht gegeneinander. Und auch die kleinen Rollen sind mit Wahnsinns-Sängern besetzt. Man darf also gespannt sein.

Premiere ist am Freitag, 14. August um 20 Uhr im Heckentheater des Rheinsberger Schlossparks.

Von Regine Buddeke

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