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Ostprignitz-Ruppin Landesentwicklungsplan: Kritik aus der Fläche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Landesentwicklungsplan: Kritik aus der Fläche
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00:33 23.03.2018
Mit dem Landesentwicklungsplan würden dem Wohnungsbau auf dem Land klare Grenzen gesetzt. Quelle: dpa
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Kyritz

Seit Februar liegt der zweite Entwurf des „Landesentwicklungsplanes Hauptstadtregion“ zur Einsicht- und Stellungnahme vor. Die Begeisterung über das Papier hält sich in vielen Kommunen in Grenzen.

Auf rund 130 Seiten formuliert der Entwurf die Grundsätze, nach denen Berlin und Brandenburg in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden sollen. Vor allem geht es dabei natürlich ums Bauen: Wo braucht die Region Wohnraum und wie viel, wo Straßen, Gewerbegebiete oder Einkaufszentren? Welche Arten von Vorhaben erhalten in Zukunft besondere Unterstützung? Welche eher nicht?

Und spätestens an diesem Punkt gehen die Auffassungen auseinander.

Zentren sollen gestärkt werden

Denn von seinen Vorgängern übernimmt der neue Plan das Prinzip der „dezentralen Konzentration“. Das bedeutet vor allem die hierarchische Einstufung aller Kommunen: an der Spitze die Metropole Berlin, gefolgt von den Oberzentren wie Cottbus, Frankfurt oder Potsdam und den Mittelzentren wie Neuruppin, Kyritz, Wittstock-Pritz­walk oder Perleberg-Wittenberge. Ganz unten schließlich sämtliche kleineren Ortschaften.

Jeder Kategorie werden bestimmte Versorgungsfunktionen und daraus resultierende Perspektiven zugestanden. Allem zugrunde liegt dabei das Ziel, eine weitere Zersiedlung der Landschaften möglichst zu vermeiden, Wege für Verkehr und Versorgung möglichst kurz zu halten.

Aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht ist das sicherlich sinnvoll. Es hat aber vor allem für kleine Ortschaften Konsequenzen. Im Entwurf des Landesentwicklungsplans heißt es unter anderem: „Während es für die Entwicklung von Gewerbegebieten keinerlei quantitative Begrenzungen gibt, wird die Wohnsiedlungsentwicklung für die Aufnahme des Bevölkerungswachstums auf besonders geeignete Räume gelenkt.“

Klare Grenzen für kleine Gemeinden

Und als solche gelten nur größere Kommunen vom Mittelzentrum aufwärts – wie Kyritz. Für alle anderen sieht der Plan deutliche Grenzen vor: pro 1000 Einwohner nicht mehr als ein Hektar neue Siedlungsfläche in den nächsten zehn Jahren. Lediglich dem erst noch zu benennenden „Grundfunktionalen Schwerpunkt“ einer Gemeinde wird eine „Wachstumsreserve“ von zusätzlichen zwei Hektar pro 1000 Einwohner zugestanden.

Die Gemeinde Wusterhausen hat ihre Stellungnahme zum Landesentwicklungsplan bereits formuliert. Bis 7. Mai ist dazu für jedermann noch Gelegenheit. „Bei uns gibt es natürlich Bedenken“, sagt Bürgermeister Roman Blank. „Wir merken, dass immer mehr Leute kommen und nach Bauflächen fragen.“ Die Kommune habe derzeit kaum noch so etwas anzubieten. Und private Eigentümer halten sich mit Verkäufen aktuell eher zurück. So gewinne die Erschließung neuer Flächen wie derzeit beispielsweise am Seeufer an Bedeutung. Doch dem könnte der Landesentwicklungsplan bald einen Riegel vorschieben. Wusterhausen will unter anderem mit eigenen Planungen dagegenhalten: „Dazu wollen wir ein Gemeindeentwicklungskonzept auf den Weg bringen“, kündigt der Bürgermeister an.

Mehr Einwohner, wachsende Nachfrage

„Wir werden auch eine Stellungnahme schreiben“, sagt der Neustädter Amtsdirektor Dieter Fuchs, „für die Stadt Neustadt und die Gemeinde Breddin.“ Beide Ortschaften haben angesichts ihrer direkten Bahnanbindung nach Berlin großes Interesse an weiterem Entwicklungspotenzial. Doch ob sie wenigstens die Einstufung als „Grundfunktionale Schwerpunkte“ erhalten, sei derzeit völlig offen, kritisiert Fuchs. Zugleich stellt der Amtsdirektor Grundannahmen des Landesentwicklungsplanes hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung in Frage: „Die demografischen Prognosen treffen nicht so zu“, schätzt er ein. „Im Moment haben wir im Amtsbereich ja einen leicht positiven Trend.“ Aktuell seien 8059 Einwohner registriert. Ein Jahr zuvor waren es nur 7993. „Das ist für uns doch ermutigend.“

Die Bürgermeisterin von Zernitz-Lohm Sigrid Schumacher wird deutlicher: „Die Prognosen, die sagen, dass der ländliche Raum ausstirbt, sind überholt.“ Insofern steht für sie fest: „Der Landesentwicklungsplan passt nicht.“ Vor allem die Nachfrage von Familien nach Wohnraum auch in einiger Entfernung zur Metropole steige kontinuierlich. „Berlin ist schön, wenn man jung ist und keine Kinder hat“, schätzt die Bürgermeisterin ein. Aber: „Der ländliche Raum entwickelt sich und ist für viele wieder attraktiv.“

Die kompletten Informationen zum Landesentwicklungsplan sind im Internet abrufbar.

Von Alexander Beckmann

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