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Landrat desinteressiert – Rheinsberg sauer

Heftige Vorwürfe Landrat desinteressiert – Rheinsberg sauer

Rheinsberg hat wohl als erste Kommune im Kreis ein Konzept für die Unterbringung von Flüchtlingen vorgelegt. Die Uckermark wolle den Plan nun umsetzen – nur den eigenen Landkreis haben die Ideen kaum interessiert, kritisiert die Rheinsberger Verwaltung. Nun verbreite er „hektischen Aktionismus“, mit dem er die Entwicklungsplanung der Stadt zerstören könnte.

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Der Wohnblock in Rheinsberg wird für den Abriss vorbereitet.

Quelle: Foto: Aniol

Rheinsberg. Es bleibt dabei: Die Stadt Rheinsberg will den Wohnblock in der Stadion-Siedlung, den der Landkreis als Notunterkunft für Flüchtlinge nutzen wollte, auf jeden Fall im nächsten Frühjahr abreißen. „Wir haben alle Möglichkeiten durchgerechnet“, sagt Vize-Bürgermeister Andreas Neubert, der zugleich Kämmerer im Rheinsberger Rathaus ist. „Egal, ob der Kreis das Gebäude anmietet oder kauft: Die Sanierung des Hauses ist jenseits jeder vernünftigen wirtschaftlichen Betrachtung und ein Neubau deutlich günstiger.“

Doch viel wichtiger als die finanziellen Aspekte sei die gesellschaftliche Komponente – und die würde mit einer Notunterkunft an diesem Standort ins Wanken geraten, so Neubert. „Wir müssen darauf achten, dass die sozialen Strukturen stimmen, dass ein gutes Miteinander möglich ist.“ Wenn der Kreis aber in dem als sozialer Brennpunkt bekannten Gebiet ein ganzes Haus für Asylsuchende freigibt, sei das schwer zu realisieren. Zudem würde es die Bemühungen der Stadt konterkarieren, die Siedlung wieder aufzuwerten. Neubert befürchtet, dass dann das Großprojekt „Soziale Stadt“, für das die Kommune Fördergeld bekommt, gefährdet wäre. „Wir könnten es nicht so umsetzen, wie wir es geplant haben.“ Das wäre bitter. Denn die Stadt hat lange darauf hingearbeitet.

Auch der Rheinsberger Referent für Stadtentwicklung ist dieser Meinung. „Die Effekte aus dem Programm ,Soziale Stadt’ verpuffen, wenn wir das Objekt nicht abreißen. Die Siedlung bricht uns weg“, sagt Thomas Lilienthal. „Wir wollen das erst seit einem Dreivierteljahr zart blühende Pflänzchen nicht auf dem Altar der Flüchtlingsunterbringung opfern.“ Zumal der Landkreis, der den Abriss mit allen Mitteln stoppen wollte, sich aus Lilienthals Sicht zuvor nicht gerade als ein guter Partner in Sachen Flüchtlingsunterbringung gezeigt habe. Vor rund 15 Monaten habe die Stadt dem Kreis ein Konzept vorgelegt, wie diese in der Kommune gut funktionieren könnte. Rheinsberg schlug vor, eine Wohnung pro Aufgang für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen, damit sich viele Nachbarn um die Neuankömmlinge kümmern können. Zudem sollte sich ein Kiezteam, das über das Programm „Soziale Stadt“ gefördert werden könnte, um den Frieden unter Alt- und Neu-Rheinsbergern bemühen. Ihm zur Seite würde das Netzwerk aus Flüchtlingshelfern stehen, das die Rheinsberger installiert haben. „Wir haben dem Landkreis ein Rundum-Sorglospaket präsentiert“, sagt Lilienthal. „Der Landrat hat aber gesagt: Es interessiert mich nicht.“ Stattdessen haben andere Kreise am Konzept der dezentralen Unterbringung aus Rheinsberg Interesse. Die Uckermark wolle das Muster nun übernehmen, so Lilienthal.

Der Landrat Ralf Reinhardt habe zu lange zu wenig gemacht, kritisiert Lilienthal. Er habe im vergangenen Jahr kein Konzept ausgearbeitet und verbreite nun angesichts des weiter angewachsenen Flüchtlingsstroms „hektischen Aktionismus“. Die Stadt Rheinsberg, in der bald 400 Asylsuchende leben sollen, sei die erste Kommune in der Region, die gesagt hat, dass sie Flüchtlinge aufnehmen will. „Nur weil jemand in der Zeit geschlafen hat, wollen wir uns davon jetzt aber nicht unsere Stadtentwicklung zerschießen lassen.“ Hinzu kommt, dass der Landrat mit der Stadt kaum über das Thema kommuniziere, wie Lilienthal und Neubert betonen. „Wenn man mit uns geredet hätte, gefragt hätte, wo Flüchtlinge in Rheinsberg am besten untergebracht werden können, dann hätten wir von uns aus angefangen zu suchen“, so Lilienthal.

Das Problem dabei: Die Enttäuschung darüber verbreitet sich nicht nur auf der Verwaltungsebene. Auch die anderen Rheinsberger finden das Vorgehen falsch. „Unser Unterstützernetzwerk bröckelt“, berichtet Lilienthal. Menschen, die noch vor einigen Wochen nachts innerhalb von zwei Stunden ein Kinderbett für die Flüchtlinge organisierten, seien vom Desinteresse des Landkreises enttäuscht und wenden sich ab.

Von Celina Aniol

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