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Landschaftspflege mit Ziegen

Prignitz-Ruppin Landschaftspflege mit Ziegen

Am 27. März wurde in Wittstock der Landschaftspflegeverband Prignitz-Ruppiner land gegründet. Der Verein, der sich für den Erhalt unserer Kulturlandschaft einsetzt, hat bereits 40 Mitglieder und viele Kooperationspartner. Die engagierten Menschen sind mittlerweile in einem Gebiet von rund 250 000 Hektar aktiv.

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Mitglieder des Landschaftspflegeverbands besuchen das Possluch bei Menz., in dem die Ziegen für den Naturschutz unterwegs sind.

Quelle: Cornelia Felsch

Menz. Genüsslich widmen sich die Schafe und Ziegen von Landwirt Reinhard Brehe dem frischen Grün auf den Wiesen zwischen Menz und Roofensee. Das grüne Tal südlich des Wallbergs war einst eine Flachwasserbucht, aus der die Bauern sich Wasserpflanzen – die früher Poss genannt wurden – holten, um sie als Dünger für ihre Rüben und Kartoffeln zu verwenden.

Heute gehört das Possluch zu den Flächen, um die sich der Landschaftspflegeverband (LPV) „Prignitz-Ruppiner Land“ kümmert. Im Ratssaal des Wittstocker Rathauses wurde er vor vier Monaten gegründet. Der Verband bemüht sich um den Erhalt und die Pflege besonderer Biotope und ökologisch wertvoller Flächen in einem Gebiet von rund 250 000 Hektar. Zum Vorstand gehören jeweils zwei Vertreter aus der Landwirtschaft, der Kommunalpolitik und dem Naturschutz. So ist gewährleistet, dass bei der Umsetzung von Ideen zur nachhaltigen Landschaftsentwicklung Landnutzer, Naturschutzverbbände und Politiker an einem Tisch sitzen.

Naturschützer, Naturparkmitarbeiter und Mitglieder des Landschaftspflegeverbands besuchen den Kepos-Hof  in Altglobsow

Naturschützer, Naturparkmitarbeiter und Mitglieder des Landschaftspflegeverbands besuchen den Kepos-Hof in Altglobsow.

Quelle: Cornelia Felsch

Der Verband, der mittlerweile 40 Mitglieder hat, kümmert sich um die Planung und Umsetzung von Pflegemaßnahmen, wie das Pflanzen von Hecken und Streuobstwiesen sowie um Beweidungsmaßnahmen. Er berät land- und forstwirtschaftliche Unternehmen. Auch an der Umsetzung europäischer Richtlinien wie Natura 2000 und der Wasserrahmenrichtlinie sind Landschaftspflegeverbände beteiligt. Im Juni ist auch die Gemeinde Heiligengrabe dem Landschaftspflegeverband beigetreten.

Das Possluch bei Menz ist nur ein kleines Gebiet, um das sich der Verband kümmert. „Die Flächen sollen offen gehalten werden“, sagt Mario Schrumpf, Leiter des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land. „Wenn man Kulturlandschaften mit einer hohen Artenvielfalt erhalten will, muss man sie bewirtschaften.“ 30 Ziegen und Schafe stillen ihren Hunger nun bereits im dritten Jahr auf den Wiesen und sorgen so dafür, dass Seggen, Mädesüß und Erlen sich nicht ausbreiten können. Die Tiere von Reinhard Brehe erfüllen so eine wichtige Aufgabe bei der Landschaftspflege. Jede Tierart greift dabei entsprechend ihrer Vorlieben anders in die Biotope ein. „Schafe verbeißen nicht so viele Gehölze“, sagt der Landwirt. Deshalb sind am Roofensee vorwiegend Ziegen zu finden.

Die Beweidung durch Tiere ist kostensparend

Die Esel von Steffen Schindel kümmern sich derweil um den Halbtrockenrasen in den Zechower Bergen. Sonst sind sie als Helfer, Träger und Kontaktpersonen beim „Animal trekking“ des Natur- und Landschaftsführers unterwegs. Die Beweidung durch Tiere ist kostensparend und der Pflegeaufwand hält sich in Grenzen. Reinhard Brehe hat alles genau unter Kontrolle. „Wenn ich das Gras noch etwas kürzer haben will, dann lass ich die Ziegen eben einen Tag länger auf der Fläche“, sagt der Landwirt. Thüringer Waldziegen, Burenziegen, Toggenburger Ziegen und Deutsche Edelziegen fressen emsig für den Naturschutz. Sie gehören zum Hof des Güldenhofer Züchters, der vom Aussterben bedrohte Haustierrassen hält. Seine Tiere weiden in einer ehemaligen Kiesgrube bei Rheinsberg, im Possluch am Wallberg, in Feldgrieben und nun auch auf einer Streuobstwiese in Altglobsow.

Frank Rumpe produziert Biogemüse

Dort produziert der Schweizer Frank Rumpe seit zwei Jahren auf seinem Demeterhof Biogemüse. Ernten können die Kunden selbst. „Sie schneiden sich ab, was gerade reif ist“, sagt der Bio-Bauer der die wichtigsten Ernteregeln für die Käufer an eine Tafel geschrieben hat. „Viele meiner Kunden lieben es, zu jeder Zeit kommen zu können und zu ernten.“

Mit Förderung des Naturschutzfonds Brandenburg entstand auf dem Kepos-Hof eine acht Hektar große Streuobstwiese mit Birnen, Quitten, Zwetschgen und alten Apfelsorten aus dem Genressourcenprojekt des Naturparks. Bei der Auswahl der Sorten wurde Wert auf alte, robuste, gut angepasste Sorten gelegt. Diese können gleich vor Ort verarbeitet werden, denn Ende April eröffnete das Jungunternehmen „Drei Jahreszeiten“ im Hofladen des Bio-Landwirts eine Schaumanufaktur. Dort stellen Leo Tiede und Susanne Ludwig aus Menz Fruchtaufstriche aus heimischen Früchten her.

Weitere Pflanzungen sind rund um Menz geplant

„Ökologische Landwirtschaft ist für mich ein Stück Lebensqualität“, sagt Frank Rumpe, der seine Umwelt mitgestalten möchte. Im letzten Herbst wurde im Auftrag der Naturparkverwaltung am Stadtrand von Fürstenberg ein Kleingewässer auf einer Eigentumsfläche des Bio-Landwirts revitalisiert. Im Herbst wird dort eine 350 Meter lange Hecke gepflanzt, die den Eintrag von Nährstoffen in das Kleingewässer verhindern soll. Weitere Pflanzungen sind rund um Menz geplant.

Mittlerweile hat der Landschaftpflegeverband viele Kooperationspartner. Der Pflegeverband Uckermärkische Seen und auch der Bauernverband gehören dazu.. „Die Zusammenarbeit mit den Kreisbauernverbänden ist uns besonders wichtig“, sagt Heiko Strobel, der im Naturpark für den Vertragsnaturschutz zuständig ist.

Pflege der Kulturlandschaft

Die Idee der Landschaftspflegeverbände entstand 1986 in Bayern.

Erste Landschaftspflegeverbände wurden in Mittelfranken und in Niederbayern gegründet. Der Dachverband der deutschen Landschaftspflegeverbände ist der Deutsche Verband für Landschaftspflege mit Sitz in Ansbach.

In Brandenburg gibt es mittlerweile 11 Landschaftspflegeverbände.

Der Landschaftspflegeverband „Prignitz-Ruppiner Land“ wurde am 27. März in Wittstock gegründet. 13 Gründungsmitglieder unterzeichneten die Satzung und wählten einen Vorstand.

Zum Vorstand gehören Steffen Schindel und Bernd Ewert für den Nabu, Reinhard Brehe und Andreas Bergmann für die Landwirtschaft sowie Burkhard Schulz und Holger Kippenhahn als Vertreter der Politik. Vorsitzender des Vereins ist Andreas Bergmann. Stellvertreter sind Holger Kippenhahn und Steffen Schindel.

Die kommisarische Geschäftsstelle ist zu erreichen unter: Frauke Hoffmann, planthing – Büro für Landschaftsplanung, Eisenbahnstraße 6 in 16909 Wittstock.

Von Cornelia Felsch

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