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Landwirt zieht Kälbchen mit Flasche auf

Der Kleine ist der Größte auf dem Hof Landwirt zieht Kälbchen mit Flasche auf

Auf dem Hof von Reinhard Timm in Sechzehneichen (Ostprignitz-Ruppin) ist der Kleine schon jetzt der Größte: Ein schwarzes Bullenkalb hat der Landwirt mit der Nuckelflasche aufgezogen. Nach einer schwierigen Geburt hatte kaum jemand damit gerechnet, dass das Tier überlebt.

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Bulle Maximus bekommt hier Milch aus der Flasche. Wie Hund, Katze und zwei Pferde gehört er zur Familie und hat Auslauf auf dem Hof.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Sechzehneichen. Maximus ist so neugierig wie verfressen. Beim Stromern über den Hof von Reinhard Timm in Sechzehneichen interessiert er sich weder für Bella, die Hündin, noch Paul, den Schmusekater. Dafür haben es dem kleinen Bullen die Blumen von Timms besserer Hälfte Waltraud angetan. „Er zupft gern daran herum.“ Der Bauer redet jede Missetat seines pechschwarzen Teufelchens klein. „Und er ist ja auch erst vier Monate alt ...“. Landwirt Timm glaubt nicht wirklich, dass sich da noch etwas zum Positiven auswachsen könnte. Der Name scheint ihm passend gewählt. Er kommt aus dem Lateinischen und heißt „Der Größte“.

Auf der Beliebtheitsskala steht er jetzt schon ganz weit oben. Es reicht, Hund und Katze eifersüchtig zu machen und seinen „Chef“ milde zu stimmen. Die beiden pflegen eine besondere Beziehung, seit das Kälbchen endlich auf die Welt plumpsen konnte. Denn das war eine ganz schwere Geburt. Die Timms waren dabei, als sich Mutter Kuh auf der Weide anschickte, ihren Nachwuchs zu bekommen. Was normalerweise problemlos klappt, ging diesmal gründlich schief.

Der Landwirt half bei der Geburt

Das Kälbchen schaffte es nicht, dem Geburtskanal zu entrinnen. „Ein Vorderlauf und der Kopf hingen aus dem Muttertier heraus. Es geriet in Panik und rannte davon, ein skurriler Anblick, kaum auszuhalten. Erst mit sehr viel Mühe konnten wir es stellen. Ich habe dann den Geburtshelfer gespielt“, erinnert sich der 60-Jährige, ohne auf weitere Details einzugehen. Dem Neuankömmling gab er keine Überlebenschancen. Der belehrte ihn eines Besseren, während Mama Kuh nach drei Tagen verendete. Das vierbeinige Waisenkind brauchte nun die Flasche zum Überleben. Bauer Timm füllte also regelmäßig ein Drei-Liter-Exemplar mit Milch. Er tut es heute noch. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Geht man davon aus, dass Nutztiere zu einem landwirtschaftlichen Betrieb gehören, dann ist Reinhard Timm der letzte Bauer von Sechzehneichen. Auf seinen 82 Hektar Weidefläche grasen derzeit 75 Rinder der Rasse Deutsch-Angus. In Hoch-Zeiten der Nachzucht kann sich die Herde sogar verdoppeln. Die Tiere leben auf der Weide. Wo sich nichts Grünes mehr findet, wird Heu zugefüttert, das Timm vorher produziert beziehungsweise hinzukauft. Die Lage war in diesem Jahr alles andere als einfach. „Was die Trockenheit nicht verderben ließ, das haben die Wildschweine besorgt“, schätzt der Landwirt im Haupterwerb ein.

Für das Logo des Timm-Hofes gibt es auch ein Brandzeichen, das aber bei Tieren noch nie zum Einsatz kam

Für das Logo des Timm-Hofes gibt es auch ein Brandzeichen, das aber bei Tieren noch nie zum Einsatz kam.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Und dann kommt er auf den Biber zu sprechen. Der habe gleich an mehreren Stellen des Kanalsystems, das die Futterflächen durchzieht, seine Burgen gebaut. „Normalerweise wird das ja verflucht. Für mich war es ein Segen“, so Timm. „Was wegen defekter Stauköpfe an den Wehren nicht mehr klappte, hat das Tier ausgeglichen. Wasser hielt sich im Graben, für meine Weiden ideal – bis der Bagger kam und seine Arbeit tat.“ Reinhard Timm hätte es lieber anders gesehen. Er weiß, dass er damit gegen den Strom schwimmt. Es ist nicht das erste Mal, ob als Landwirt, einstiger Ortsvorsteher oder früherer Gemeindevertreter.

Jetzt konzentriert sich der 60-Jährige auf den Verkauf seiner Kälber und Großtiere. Hausschlachtungen für den Eigenbedarf setzen eine bäuerliche Tradition fort. Wenn Reinhard Timm auf „seine“ Deutsch-Angus zu sprechen kommt, dann gerät er ins Schwärmen über „hochwertiges Rindfleisch“, das seine Qualität nur durch sachgerechte Schlachtung entfalten könne. Maximus, der Baby-Bulle, versteht davon nichts. Und wenn. Reinhard Timm kann sich (noch) nicht vorstellen, ihn jemals zu verwursten.

Von Wolfgang Hörmann

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