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Langer Weg zum Weihnachtsbaum

Nackel Langer Weg zum Weihnachtsbaum

Familie Behrendt in Nackel widmet sich seit über 25 Jahren der Aufzucht von Weihnachtsbäumen. Bis sich aus dem Steckling ein stattliches Feststagssymbol entwickelt hat, vergeht eine Menge Zeit. Und die besteht nicht aus Abwarten, sondern aus viel Arbeit. Der Erfolg wird jetzt auch ein wenig gefeiert.

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Bäume satt: Auch CDU-Bundespolitiker Sebastian Steineke aus Neuruppin suchte bei Gisela Behrendt (r.) und Heide Guhl-Behrendt einen aus.

Quelle: Alexander Beckmann

Nackel. Wenn zum Fest Tannennadeln unter kahlen Zweigen liegen, ist etwas schiefgelaufen. Auf dem Hof von Familie Behrendt in Nackel (Gemeinde Wusterhausen) hat man zwei bewährte Rezepte gegen das Malheur parat. Für das erste Rezept muss der Weihnachtsbaumfreund nicht einmal besonders viel tun. Das übernehmen Gisela Behrendt und Heide Guhl-Behrendt nämlich gerne für ihn: den Anbau gesunder, dekorativer Bäume, die man sozusagen ackerfrisch mit nach Hause nehmen kann. Seit Anfang der 90er Jahre widmet sich das Familienunternehmen diesem Spezialgebiet der Waldwirtschaft. „Wir haben gleich nach der Wende angefangen“, sagt Gisela Behrendt (70). „Mein Mann liebte den Wald über alles. Er kam auf die Idee mit den Weihnachtsbäumen. Aber das ist für uns nicht mehr als ein Zubrot.“

Ein bisschen mehr als eine Liebhaberei ist es aber wohl doch. Aus den ersten Anfängen sind inzwischen nämlich rund neun Hektar Anbaufläche mit etwa 120 000 Bäumen geworden. Jeweils nach rund sieben Jahren sind sie erntereif. Für jedes Exemplar, das unter die Säge kommt, wird dann ein neues angepflanzt.

Viel Arbeit bis zum fertigen Baum

Und dann wächst der Baum eben vor sich hin – könnte man meinen und sich damit gründlich irren. Zum einen braucht so ein Nadelbaum viel Zeit für eine wohnzimmertaugliche Größe. Andere Gewächse sind da deutlich schneller und müssen regelmäßig entfernt werden, damit die Bäume Platz zum Wachsen haben. Ohne Dünger bleiben die Nadeln blass und ohne ständige, manuelle Eingriffe des Waldbauern wäre ein gleichmäßiger Wuchs purer Zufall. Beispielsweise „kneift“ man die Spitzen der Bäume regelmäßig mit einer speziellen Zange, damit sie nicht zu weit austreiben. „Da steckt richtig Arbeit hinter“, sagt Gisela Behrendt.

Dekoration mit Tradition

Immergrüne Pflanzen wie Tannenzweige als Schmuck fürs Haus im Winter haben seit Jahrtausenden in verschiedenen Kulturen Tradition.

Im Mittelalter wurden in Kirchen am 24. Dezember Paradiesspiele zum Gedenken an Adam und Eva aufgeführt. Dazu behängte man auch Bäume mit Äpfeln. Der Brauch hielt sich und entwickelte sich weiter, gelangte aber erst im 19. Jahrhundert über den deutschsprachigen raum hinaus.

Beliebteste Baumart zu Weihnachten ist mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent die Nordmanntanne. Bundesweit werden jährlich an die 30 Millionen Bäume verkauft.

Gelegenheit zum Selberschlagen gibt es in der Region mehrfach: beim Landesbetrieb Forst in Alt Ruppin (Aldi-Parkplatz) vom 14. bis 16. Dezember, auf Behrendts Hof in Nackel täglich, bei Familie Däbel in Zechlinerhütte am 16. Dezember sowie beim Tannenhof Jung in Zernitz täglich und in Pritz­walk an den Adventswochenenden.

Seit dem Tod des Hofbegründers Joachim Behrendt vor einigen Jahren und seit der schweren Erkrankung des Ehemannes von Heide Guhl-Behrendt betreiben die beiden Frauen das Familienunternehmen allein. Von einigen Flächen haben sie sich schon getrennt, doch an den Weihnachtsbäumen halten sie fest. „So lange ich es stemmen kann, mache ich weiter“, sagt Heide Guhl-Behrendt. Es geht auch um eine Art von Familientradition. „Mein Vater wollte immer Events haben hier auf dem Hof.“ Anfangs stellte man den Carport für Firmenfeiern rund um Wald und Baum zur Verfügung. Inzwischen ist eine Scheune zum Veranstaltungsort ausgebaut. „Damit wollen wir die Leute ziehen“, sagt Gisela Behrendt.

Hoffest am 16. Dezember

Wichtigster Termin der diesjährigen Weihnachtsbaumsaison ist definitiv das Hoffest am Sonnabend, dem 16. Dezember. Dann gibt es in der Scheune ab 14 Uhr einen kleinen Weihnachtsmarkt und allerlei winterliche Leckerbissen. „Da muss die ganze Familie helfen“, erklärt Heide Guhl-Behrendt. Der Wusterhausener Gospelchor singt. Die Wusterhausener Schützengilde lädt zum Bogenschießen ein. Und natürlich stehen Weihnachtsbäume bereit: die beliebten Nordmanntannen und die preiswerten Blaufichten.

Die Scheune ist schon fürs vorweihnachtliche Hoffest geschmückt

Die Scheune ist schon fürs vorweihnachtliche Hoffest geschmückt.

Quelle: Alexander Beckmann

Beide muss man sich bei Behrendts generell selbst aussuchen und auch fällen. Werkzeug und Verpackungsmaterial sind vorhanden, doch an festes, moddertaugliches Schuhwerk sollten Besucher unbedingt denken. Auch außerhalb des Hoffestes ist der Hof für sie täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Vor allem an den Wochenenden sei immer richtig etwas los, berichtet Gisela Behrendt. „Für die Kinder ist es ein Spaß. Das ist manchmal ein Geschrei hier.“ Noch bis Weihnachten wird das so weitergehen. „Sie können auch am 24. kommen. Da kriegen Sie auch noch einen Baum“, verspricht die Chefin.

Vor allem Hofverkauf, aber nicht nur

Außer direkt in der Segeletzer Straße von Nackel sind die Behrendt’schen Bäume noch in Neuruppin zu finden: Beim Weihnachtsmarkt auf dem Neuen Markt bilden sie die Dekoration und werden zum Ende des Marktes verkauft.

Ganz gleich auf welchem Weg Tanne oder Fichte ins Haus gelangen – an diesem Punkt kommt der zweite Haltbarkeitstipp von Heide Guhl-Behrendt ins Spiel: „Man sollte den Baum nicht gleich nach dem Schlagen in die Stube stellen, sondern erstmal in die Garage oder so.“ Auch Nadelholz muss sich akklimatisieren.

Von Alexander Beckmann

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