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Last auf dem Rücken: Der schwere Weg zur Schule

Schulranzen zu schwer Last auf dem Rücken: Der schwere Weg zur Schule

So manches Schulkind hat einiges zu tragen – dabei sollten gepackte Schulranzen von Grundschülern nicht schwerer als zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichtes ausmachen. Doch kontrolliert werden muss das bis heute nur von einer Partei – den Eltern. Dabei könnte es so einfach sein, wie viele Einrichtungen in Ostprignitz-Ruppin beweisen.

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Besser als Schulmappen, die mit der Hand getragen werden, sind Ranzen laut den Experten allemal.

Quelle: Peter Geisler

Kyritz/Neuruppin. Einige Wochen ist der Schulstart nun schon wieder her. Doch mancher Ratschlag muss wohl längst vergessen oder einst überhört worden sein. Schleppen sich doch in der Region zwischen Lindow und Lenzen, Meyenburg und Fehrbellin augenscheinlich zu viele Kinder mit viel zu schwerem Gepäck auf ihren Rücken allmorgendlich zu den Einrichtungen und später wieder nach Hause zurück.

„Leider“, bestätigt es beispielsweise Holger Wichert, der Leiter der Goethe-Grundschule in Kyritz: „Dabei weisen wir jedes Jahr schon lange vor der Einschulung darauf hin, auf das Gewicht zu achten. Zwei 1,5-Liter-Wasserflaschen sind alleine ja schon drei Kilo und damit zu schwer.“ Hinzu komme mitunter allerhand Firlefanz von Sammelstickeralben bis hin zu Tauschgegenständen und Spielzeug aller Art.

Nicht nur Orthopäden oder ganze Vereinigungen wie das Deutsche Grüne Kreuz raten dazu, dass das Gewicht der Ranzen maximal zehn Prozent des Gewichtes des Schulkindes betragen darf, was bei Einschülern von 20 Kilogramm und damit einem Mappengewicht von zwei Kilo eine Herausforderung darstellt. Auch das Brandenburger Bildungsministerium empfiehlt diese Regel, wonach gepackte Schulranzen von Grundschülern nicht schwerer als zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichts ausmachen sollten. So wurde es erst kürzlich auf eine parlamentarische Anfrage im Landtag hin mitgeteilt.

Laut Bildungsministerium sind allein die Eltern in der Pflicht

Doch kontrolliert werden muss das bis heute nur von einer Partei – den Eltern. Weder vom Schulamt noch vom Schulträger oder gar dem Ministerium selbst wird überprüft, wer sich mit zu vielen Kilos zum Unterricht schleppt. „Zuständig für die Kontrolle sind in diesem Fall ausschließlich die Eltern“, macht Ministeriumssprecher Ralph Kotsch auf Nachfrage klar: „Diese können natürlich mit der Schule gemeinsame Lösungen finden, damit die Schultaschen nicht zu schwer werden. Zum Beispiel können Lagerungsmöglichkeiten geschaffen oder Schulbuchsätze in der Schule angeschafft werden.“

Die „Lagerungsmöglichkeiten“ sind heutzutage fast überall vorhanden – allerdings nicht immer umsonst. So, wie etwa an der Evangelischen Schule Neuruppin, können die Kinder vielerorts mit ganz leichtem Gepäck nach Hause gehen, weil es dort schon seit Langem Schließfächer gibt, die man schuljahresweise mieten kann, etwa für einen Teil der Sportsachen. Weil der Preis dafür gering ist, werde dieses Angebot laut der Schule sehr gut angenommen. Doch die Entscheidung darüber treffen eben auch an dieser Stelle die Eltern.

„Die Eltern sind es auch, die den Ranzen nach Bedarf mit ihren Kindern gemeinsam packen sollten. Dazu müssen sie sich aber regelmäßig den Stundenplan mit ansehen. Man braucht ja nicht jeden Tag alles dabei zu haben“, sagt Birgit Kusche, Leiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule in Wusterhausen.

Die Evangelische Grundschule Neuruppin ist verlässliche Halbtagsschule, Hausaufgaben werden dort erledigt, Luise und Ferdinand packen Hefter und

Die Evangelische Grundschule Neuruppin ist verlässliche Halbtagsschule, Hausaufgaben werden dort erledigt, Luise und Ferdinand packen Hefter und Bücher in persönliche Fächer, damit Sachen nicht in Schultasche transportiert werden müssen.

Quelle: Peter Geisler

Ob dort oder in Neuruppin: Für die jüngeren Schüler stehen kostenfrei Fächer und ähnliche Ablagemöglichkeiten zur Verfügung. Sie können so fast alle ihre Bücher in der Schule lassen. Und Schließfachschlüssel wären bestimmt ohnehin zu schnell verbummelt. Bei solchen sogenannten verlässlichen Halbtagsschulen oder auch den Ganztagsschulen, wo die Hausaufgaben oft noch innerhalb der Einrichtung erledigt werden, bietet sich das ohnehin an.

„Wir geben den Eltern bei der Versammlung zum Schuljahresbeginn trotzdem immer den Hinweis, das Gewicht möglichst gering zu halten. Am Ende aber haben sie ja die Freiheit darüber, welchen Ranzen sie kaufen, es gibt schließlich allerhand Modelle, und es ist ja auch eine preisliche Frage.“ So stellt die Industrie seit einigen Jahren schon ultraleichte Ranzen für Erstklässler her.

An der Grundschule Neuruppin sind auch Spinde als Schränke für Jacken und Sportzeug vorhanden

An der Grundschule Neuruppin sind auch Spinde als Schränke für Jacken und Sportzeug vorhanden.

Quelle: Peter Geisler

Aber auch in den Schulen selbst hilft mancher Einfallsreichtum. „Bei uns brauchen die Kinder nur leere Trinkwasserflaschen mitzubringen“, sagt Birgit Kusche mit Verweis auf einen vor zwei Jahren installierten Wasserspender. Ehemalige Schüler, Eltern, Großeltern, der Schulförderverein und Unternehmer hatten für Anschaffung und Anschluss Geld gesammelt. Die Gemeinde Wusterhausen sorgt seither für Betrieb und Wartung.

In Wusterhausens Lindgren-Grundschule wurde 2014 ein Wasserspender in Betrieb genommen

In Wusterhausens Lindgren-Grundschule wurde 2014 ein Wasserspender in Betrieb genommen. Seither brauchen die Kinder nur noch leere Flaschen mitzubringen – was das Ranzengewicht erheblich reduziert..

Quelle: Alexander Beckmann

Die Schulträger, in der Mehrzahl die Kommunen, müssen sich ansonsten wenig um dieses Thema sorgen. Die Schließfächer oder auch abschließbaren Spinde werden in der Regel über externe Anbieter zur Verfügung gestellt.

Andere Einrichtungen im Land haben schon Wettbewerbe initiiert und Ranzen gewogen. Nicht selten ergab ein solcher „Schulranzen-Tüv”: Kinder der 5. Klasse mit einem Körpergewicht von 40 Kilogramm laufen nicht etwa mit einem vier bis fünf, sondern durchschnittlich acht Kilo schweren Ranzen durch die Gegend.

Ein Wiegewettbewerb, wie er zumeist über Krankenkassen veranstaltet wird, soll Kinder und Eltern dazu animieren, das Ranzengewicht zu reduzieren. Mehrmals pro Woche werden die Ranzen gewogen, Ergebnisse unter den Klassen verglichen. Am Ende gibt es Gewinner. Über eine Krankenkasse gab es eine Aktion zum Thema voriges Jahr auch an der Kyritzer Goethe-Schule, erinnert sich ihr Leiter Holger Wichert. Vielleicht lasse sich ein solcher Ranzen-Check bald mal wieder organisieren. „Zum Schaden wäre das ja nicht.“

Von Matthias Anke

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