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Ostprignitz-Ruppin Leise Töne in Rheinsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Leise Töne in Rheinsberg
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00:34 13.08.2015
Sieht aus wie Holz, klingt ein wenig wie Trompete und hat seinen Ursprung im 13. Jahrhundert: Arnold Riesthuis erklärt den Zink. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Was in aller Welt ist ein Zink? Knapp 40 Zuschauer konnten sich am Sonntagnachmittag in der Rheinsberger St.-Laurentius-Kirche davon ein Bild machen – optisch und akustisch. Flötist Arnold Riesthuis, Experte für Alte Musik, hat ein solches Instrument mitgebracht. Als klanglich passende Begleitung hat der Musiker aus Utrecht den Cembalisten Reinhard Glende aus Berlin an seiner Seite.

„Sommermusiken sind immer ein Vabanquespiel“, eröffnet der ehemalige Rheinsberger Kantor Hartmut Grosch das Konzert und bedankt sich dafür, dass das Publikum statt zum Badesee lieber zum Konzert gekommen ist. Zumal das Kircheninnere angenehm kühl ist. „Es ist ein Vorurteil, dass man in Kirchen immer frieren muss“, scherzt er.

Zurück zum Zink. Es sieht wie ein hölzernes Horn aus, ebenholzschwarz, mit Grifflöchern wie bei einer Flöte. Der Ton allerdings klingt einer Trompete deutlich ähnlicher. Das liegt am metallenen Mundstück, das dem der Trompete sehr ähnlich ist, nur deutlich kleiner. Man bekommt nur einen Finger hinein, demonstriert Riesthuis nach dem Konzert. In ein Trompetenmundstück hingegen passe schon beinahe die Faust. Der Rest vom Zink – auch Zinken oder Cornett genannt – ist in der Tat aus verbundenen Holzteilen, die von Leder umspannt sind. „Ein beliebtes Instrument – das Zink gab es von Bass bis Sopranino“, erklärt Riesthuis. Wenige davon wären gerade, die meisten seien krumme Zinken, der Tenorzink etwa mit Doppelbogen. Die ganz tiefen Basslagen sind mehrfach gekrümmt – die nennt man Serpent. Der Zink hatte seine Blütezeit im 17. Jahrhundert, es gab ihn jedoch bereits 400 Jahre davor, und er wird gerne von Turmbläsern verwendet.

Das Instrument von Arnold Riesthuis ist ein Nachbau. Mit Cesares Stück „La Giorgina“ kann man erstmals dem Ton lauschen, der irgendwie kehlig aus dem Instrument fließt, mit viel Luft neben dem Ton. Das erinnert ein bisschen an die Trompete, auch an Klarinette oder Saxofon. Man kann es sich auch gut im Jazz vorstellen. Doch mit der begleitenden Orgel, die ähnlich rauchig registriert ist, werden die Zuhörer in die Renaissance und später den Barock entführt.

Nach drei Werken wechseln die Musiker von der Orgelempore nach unten – und auch die Instrumente. Glende sitzt am Cembalo, Riesthuis packt die Blockflöte aus. So ein Cembalo klingt per se schon historisch. In einer Lavigne-Sonate lassen die Sätze Tambourin I und II mittelalterliches Marktflair aufkommen, wie Schellengeläut und fahrendes Volk perlt es aus den Tasten, strömt es aus der Flöte. In Couperins Rondeau und La Ménetou wird das Gepräge höfisch-prunkvoll: nach graziösen Menuetten – mal zierlich-gedrechselt, mal virtuos trillernd. Besonders eindrucksvoll ist Rameaus „Le Rappel des Oiseaux“ – wie ein Regenbogen spannen sich die Tonkaskaden durch die Kirche. Ein wenig Bach, ein Händel-Stück zum Abschluss – die Gäste sind beseelt. Erneut bedankt sich Grosch beim Publikum fürs Zuhören: solch „leise Musik“ sei ja heutzutage eher unüblich. Von daher sei es wichtig, in unserer allzu lauten Welt auch einmal auf die leisen Töne zu hören.

Nach dem Konzert sammeln sich etliche Gäste um Arnold Riesthuis, um einen genaueren Blick auf den Zinken zu erhaschen. Der Musiker, der das Instrument seit 20 Jahren bläst und es per Fernstudium nach seinem Studium der Blockflöte erlernt hat, lässt sich nicht lange bitten – erklärt, zeigt und bläst „Take five“, den bekannten Jazz-Standard. Ob er auch Jazz spiele? „Das möchte ich zu gerne“, gesteht er. „Ich wollte, ich hätte ein zweites Leben, um all die Musik zu machen, für die ich jetzt keine Zeit habe.“ Sein Kollege lächelt zustimmend.

Von Regine Buddeke

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