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Ostprignitz-Ruppin Lentzke: Schau über 3D-Pionier Jules Richard
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lentzke: Schau über 3D-Pionier Jules Richard
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00:17 16.05.2016
Peter Stajkoski an den Infotafeln und Schauvitrinen mit 3D-Fotos von Jules Richard. Quelle: Buddeke
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Lentzke

Seit einem halben Jahr etwa nennt Peter Stajkoski sein Museum in Lentzke bei Fehrbellin „Jules Richard Museum“ – zu Ehren des wohl bedeutendsten Erfinders der Stereofotografie. Der sich Stajkoski mit Leib und Seele verschrieben hat. Seit mehr als einem halben Jahrhundert schon sammelt er 3D-Fotos und Negative, Betrachter und Kameras, Zubehörteile und Technik. Über die Jahre ist eine Sammlung zusammengekommen, die ihresgleichen sucht und zumindest deutschlandweit, wenn nicht in ganz Europa, die umfangreichste ihrer Art ist. Immer wieder veranstaltet Stajkoski, der auch selbst fotografiert, wechselnde Ausstellungen, in denen er sich bestimmte Aspekte der Stereofotografie herauspickt und beleuchtet.

Jules Richard fotografierte seine Modelle in der Natur ... Quelle: Buddeke

Nun also Jules Richard selbst, für den er geradezu schwärmt. „Seine Aktfotos sind sehr gut komponiert, sehr ästhetisch und niemals pornografisch – im Gegensatz zu vielen anderen Fotografen seiner Zeit“, erklärt Stajkoski sein Faible. Natürlich sei Richard ein sinnenfreudiger Mensch gewesen, der nie verheiratet war und eine große Schwäche für Damen des horizontalen Gewerbes hatte – die ihm auch gern Modell standen.

... im Bade ... Quelle: Buddeke

In der Zeit von 1905 bis 1915 entstanden hunderte Fotos erotischer Natur – in Theaterkulissen, der freien Natur, in Parks aber auch den „Etablissements“. Manche Fotos lehnen sich an die griechische Mythologie an, einige zeigen Alltagsszenen. Jules Richard hat zu diesem Zweck sogar ein eigenes Fotostudio in Paris bauen lassen – in Form eines römischen Atriums mit Pool und Säulen zum Wandeln. „Ich habe eine Riesenmenge dieser Aufnahmen“, sagt Peter Stajkoski.

... in „Etablissements“ ... Quelle: Buddeke

200 davon stellt er nun aus – die am besten mit 3D-Brille angeschaut werden. Auch das sei ein cleverer Zug Richards, so Stajkoski über den gewitzten Industriellen, dass er nicht nur Kameras und Betrachter verkauft hat, sondern sämtliches Equipment, das ein Fotograf braucht: über Filter und Filme, Platten und Sonnenblenden. Reich geworden sei der mutmaßliche Milliardär indes mit „Barographen“ – Barometern zur Aufzeichnung des Luftdrucks, wie es sie etwa in vielen Museen gibt. Die waren ein kommerzieller Hit und werden heute noch im gleichen Unternehmen hergestellt.

... oder im eigens erbauten römischen Atrium-Atelier. Quelle: Buddeke

Auch Technikbegeisterte kommen im Museum mit seinen unzähligen Apparaten auf ihre Kosten. Zur Jules-Richard-Sonderschau fehlen natürlich auch nicht dessen technische Erfindungen. „Vérascope“-Stereokameras in allen Formen und Größen – für Film oder Platte, in unterschiedlichen Bildformaten, mit Spiegelreflex oder mit Wechselkassetten, die Platz für zwölf Filmplatten boten.

Eine der vielen ausgestellten Stereo-Kameras. Quelle: Buddeke

Der „Taxiphote“ ist ein Stereobetrachter aus Holz, in dem man 25 Glasdias – natürlich in 3D – betrachten kann. Der Clou dabei: Man kann die Reihenfolge selber wählen. Zur damaligen Zeit gab es sonst nur die chronologische Sortierung.

Eine Balgenstudio-Stereokamera. Quelle: Buddeke

Ein Geniestreich sei indes der „Vérascope Inverseur“, erzählt Stajkoski begeistert. Dank dieser Erfindung, die der breiteren Vermarktung seiner Fotos dienlich war, konnte Jules Richard 3D-Negative in Positive umwandeln – eine Form von Fotoabzügen, allerdings auf Glasplatte. Aufmerksame Sammler haben herausgefunden, dass Jules Richard seine Negative teilweise mehrfach unter verschiedenen Bildnummern verkauft hat.

Ein Barograph – die Erfindung, mit der Jules Richard reich wurde. Quelle: Buddeke

Ungeachtet dieses Verkaufstricks war Jules Richard ein sozialer Mensch. Er gründete in Paris eine Stiftung und eine Schule, die beide seinen Namen tragen. Die Schule war kostenlos – auch für Kinder aus armen Familien.

Ein hübsches Souvenir: Stereobetrachter. Quelle: Buddeke

Neben 80 verschiedenen Kamera-Modellen ist auch der Bildumwandler im Lentzker Museum zu bewundern. „In Europa gibt es meines Erachtens nur zwei davon“, so Stajkoski. „Und beide habe ich.“ Um die 200 Stereobilder betrachten zu können, hat Stajkoski extra eine Art Leuchttische gebaut. „Das sind ja hauchdünne Glasplatten – die müssen ja geschützt werden“, so der Museumschef. Bis Herbst kann man sie im „Blauen Haus“ bewundern, ebenso wie die Mappe mit Fotokopien der „Realisierten Träume des Jules Richard.“ Neben der Sonderausstellung locken über 26 000 Stereobilder aus aller Welt ab etwa 1850, mehr als 10 000 Aktfotografien, über 3000 davon in Stereotechnik, mehr als 250 Stereobetrachter, 100 Stereokameras, viele Kleinbildkameras mit Stereo-Refraktor-Vorsätzen und diverse Bildprojektionsgeräte.

Peter Stajkoski mit dem „Inverseur“. Quelle: Buddeke

Hinweis: Das „Jules Richard Museum“ in der Galerie „Blaues Haus“ in Lentzke hat freitags bis montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Regine Buddeke

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