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Ostprignitz-Ruppin Lesung: Pfarrer von der Stasi überwacht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lesung: Pfarrer von der Stasi überwacht
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00:17 30.04.2017
Dietmar Linke benötigte wenig Manuskript, legte dem Zuhörenden aber sein Buch „Bedrohter Alltag“ wärmstens ans Herz. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Wusterhausen

Das Wusterhausener „Literaturcafé“ hat am Mittwochnachmittag seine Eingangstür für dieses Frühjahr geschlossen. Bibliotheksleiterin Kerstin Jonas und ihre Helfer verstanden es auch 2017, drei Nachmittage im „Café“ bei Kaffee, Kuchen und geistiger Nahrung kurzweilig zu gestalten. Das haben etwa 200 Besucher genutzt.

Zum Finale im „Alten Laden“ des Herbst’schen Hauses kamen noch einmal etwa 50 Zuhörer. Dabei hatte es schon die Einladung verraten: Mit Schonkost durfte diesmal niemand rechnen. Dietmar Linke und seine Frau Barbe gaben gut eine Stunde lang Einblicke in ihr überwachtes Leben. Beide lasen aus seinem Buch „Bedrohter Alltag“. Darin erinnert sich der 1944 in Breslau Geborene, wie er als Pfarrer mit seiner Familie in den Fokus des Ministeriums für Staatssicherheit geriet. Für viele Passagen musste der heute in Berlin Beheimatete sein Manuskript nicht bemühen. „Die Eindrücke sind in meinem Gedächtnis abgespeichert.“

Immer wenn das „Literaturcafé“ öffnet, werden erst einmal Kaffee und Kuchen serviert. So war es auch am Mittwoch. Quelle: Wolfgang Hörmann

Die Linkes studierten an der Berliner Humboldt-Universität Theologie. Von 1971 bis 1978 war der streitbare Kirchenmann Pfarrer in einer kleinen Gemeinde im damaligen Kreis Jüterbog. Eine Versetzung bescherte ihm dann einen Umzug nach Neuenhagen bei Berlin. Das Ehepaar zählte zu den Mitbegründern der „Friedenswerkstatt“ in Ostberlin und arbeitete mit kritischen Schriftsteller wie Jürgen Fuchs zusammen. Kontakte bestanden auch zu Stefan Heym.

Dietmar und Barbe Linke gehörten zu den Rundum-Bewachten durch hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter des MfS, einschließlich einer vermeintlich „wirklich guten Freundin“, verwanzter Telefone und einer nicht entdeckten Abhöranlage in der Wohnung in Neuenhagen. Zwei Tage vor Heiligabend 1983 wurde die Familie „ausgebürgert“ und fand sich im Westteil von Berlin wieder. Gleichzeitig galt ein Einreiseverbot in die DDR bis 1999. Dass es zehn Jahre früher endete, weil die Mauer fiel, hatte auch mit Menschen wie dem Ehepaar Linke zu tun.

Praktikum in Heilbrunn absolviert

Zu Beginn seiner Ausführungen hatte der Pfarrer im Ruhestand mit der Information überrascht, dass ihm und seiner Frau Wusterhausen gar nicht unbekannt waren. Beide absolvierten nach ihrem Studium einst ein diakonisches Praktikum in der von der Kirche betriebenen Wohnstätte für behinderte Menschen im nahen Heilbrunn, was auch Besuche der Dossestadt mit sich brachte.

Die Reihe „Literaturcafé“ ist bis zum nächsten Winter zu Ende gegangen, doch die Vorbereitungen auf weitere Veranstaltungen laufen bereits. Dazu zählen kurzfristig das öffentliche Lesen am 10. Mai, dem Jahrestag der Bücherverbrennung durch nationalsozialistische Vandalen, und langfristig der nächste „Literarische Bilderbogen“. Auch die Bibliothek in Wusterhausen will dabei wieder neue Seiten aufschlagen.

Von Wolfgang Hörmann

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