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Ostprignitz-Ruppin Lesung mit City-Frontmann Toni Krahl
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lesung mit City-Frontmann Toni Krahl
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00:18 21.09.2016
Im Galopp auf die Bühne: Toni Krahl in Heiligengrabe. Quelle: Christamaria Ruch
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Heiligengrabe

Seit mehr als 50 Jahren macht er Musik, ist seit 41 Jahren Frontmann von City, gab mehr als 1000 Konzerte zwischen Havanna und Moskau und landete mit „Am Fenster“ einen der größten Hits der DDR. „Ich bin Toni Krahl.“ Damit beginnt seine Autobiografie „Rocklegenden.“

Toni Krahl läutete mit seiner musikalischen Lesung „Rocklegenden“ am Freitagabend in Heiligengrabe den 21. Literarischen Bilderbogen ein. Dies ist eine Gemeinschaftsaktion der Bibliotheken im Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Der 66-jährige Musiker stand mit Moderator Kai Suttner im Kapitelsaal im Kloster Stift auf der Bühne. „Das ist doch etwas hochtrabend, dass ich mich hier bei dieser Veranstaltungsreihe einmische.“ Sein Buch ist zwar das Gerüst des Abends, wird aber schnell vom lockeren und gleichermaßen packend-spannenden Erzählton zwischen Krahl und Suttner an den Rand gedrängt.

Unter den mehr als 100 Zuschauern in Heiligengrabe waren auch Uta Kämmerer, Christiane Wettstaedt und Sigmund Wolf aus Vehlow. „Wir sind Fans von City und das wird nie aufhören“, so Kämmerer. „Am Fenster“ ist für sie ein „unglaublich reichhaltiges Stück.“ Sogar eine alte Plattenhülle brachte sie mit und holte sich dann ein Autogramm vom Musiker.

Uta Kämmerer, Christiane Wettstaedt und Sigmund Wolf aus Vehlow brachten diese alte Plattenhülle mit und ließen sie signieren. Quelle: Christamaria Ruch

Wie Pingpongbälle spielt Toni Krahl Kai Suttner seine Geschichten und Legenden zu. Suttner stolperte über den ersten Satz im zweiten Kapitel des Buches. Dort sagt Krahl: „Ich habe das Licht der Welt zwei Mal erblickt.“ Neben der Geburt am 3. Oktober 1949 erblickte „ich das akustische Licht mit der Musik der Beatles.“ Mit 13 versuchte er, diese Musik zu begreifen und dachte, die Beatles hätten sie nur für ihn gemacht. Weit gefehlt: Die ganze Welt schien infiziert. „Ich lebte aber nicht im Mutterland des Rock’n’Roll, sondern im Mutterland aller Bruderländer.“

Krahl wollte eine Band, um den Rockolymp zu betreten. Beat und Rock entsprach in den 1960er Jahren dem Zeitgeist. „Ich spielte Gitarre, sang am Lagerfeuer, hatte lange Haare, trug Kellerfaltenjeans und beeindruckte damit die Mädels.“ Dann greift er erstmals am Abend zur Akustikgitarre und schon entsteht Lagerfeuerromantik bei den mehr als 100 Zuschauern im Saal.

Als angehender Abiturient gründet er die erste Band mit dem schrägen Namen „Wurzel minus 4“. Als diese Band durch die Kneipen tingelte, trug Krahl immer das rosa Pyjamaoberteil seiner Mutter. „Das war cool und ich war der King vom Prenzlauer Berg.“ Auch wenn dieses Oberteil immer nachts „wie eine Eckkneipe gestunken hatte, legte ich es zurück in das Bett meiner Mutter und holte es dort nächste Woche wieder frisch gewaschen hervor.“

Toni Krahl brachte zur musikalischen Lesung seine Akustikgitarre mit. Quelle: Christamaria Ruch

Toni Krahl fühlt sich wegen seiner Familiengeschichte immer mit Prag verbunden. Er wird Anhänger des Prager Frühlings. „Ich hatte gehofft, dass der Sozialismus mehr Spaß machen wird, aber daraus wurde nichts.“ Er war damals erschüttert und empört und macht daraus eine Wortschöpfung: „Ich war empüttert.“ Mit dem Plan einer Schweigekundgebung vor der sowjetischen Botschaft in Berlin wollten Krahl und andere Zeichen setzen. Doch am Ende landet er wegen staatsfeindlicher Hetze für drei Jahre im Gefängnis. Dort lernt er, mit dem Knasttelefon zu kommunizieren: Über die Toilettenschüsseln unterhielten sich die Inhaftierten. „Das war das erste Handy der Welt.“ Kurze Zeit später wird das Urteil in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. „Sein Vater, der während des Krieges als Antifaschist im Zuchthaus saß, sagte später zu seinem Sohn: „Knast gehört zur Allgemeinbildung.“

1975 wird Toni Krahl Sänger und Frontmann bei City. Bis heute ist „Am Fenster“ für Krahl „ein Geschenk des Himmels – damit kann ich in Würde alt werden.“

Von Christamaria Ruch

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