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Letzte Chance für Automatenknacker

Urteil in Neuruppin Letzte Chance für Automatenknacker

Mit einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung kam ein 25-Jähriger, der ab Juni 2012 mit zwei verurteilten Mittätern Kabel aus Windkraftanlagen in der Prignitz gestohlen und einen Fahrkartenautomaten in Perleberg in die Luft gejagt haben soll, im Landgericht Neuruppin davon. Er hatte umfangreich gestanden.

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Das Urteil gegen den dritten Automatensprenger aus dem Trio wird jetzt erwartet.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Niemand könne sich beschweren, wenn man für diese Taten eingesperrt würde, sagte der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann am Mittwoch. Doch die erste große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin ließ bei Ronny V. Milde walten und ließ ihn auf freiem Fuß. Der 25-Jährige kam mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, glimpflich davon. Die hatte er unter anderem seinem Geständnis zu verdanken.

Er hatte von Juni 2012 bis März 2013 in Heiligengrabe, Karstädt, Pritzwalk und anderen Orten als Mitglied einer Bande Kabel aus Windkrafträdern gestohlen. Insgesamt sechs Taten sah das Gericht als erwiesen an. Auf der Suche nach dem schnellen Geld hatten sich die bereits zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilten Manuel S. und Eric S. mit dem Angeklagten zusammengetan. In wechselnder Beteiligung gingen sie dann nachts auf Tour. „Die anderen waren die Köpfe, Ronny V. ein Mitläufer“, sagte Richter Lechtermann. Aber ein zuverlässiger, er kam auf Bestellung, wenn er gebraucht wurde und stand Schmiere.

Ein Fahrkartenautomat wurde gesprengt

Ein Fahrkartenautomat wurde gesprengt.

Quelle: Peter Geisler

Der Schaden durch den Kabelklau war immens. Neben dem Sachschaden entstanden den Betreibern Ertragsausfälle im fünfstelligen Bereich. Die Kupferkabel wurden nach dem Abtransport abisoliert und am nächsten Tag zu einem Schrotthändler gebracht. Der Erlös, so war es abgesprochen, sollte durch drei geteilt werden. „Meistens haben Manuel und ich uns mehr in die Tasche gesteckt“, sagte Eric W. am Mittwoch als Zeuge vor Gericht. Das hatte Ronny V. wohl mitbekommen. „Ich habe nur einen Appel und ein Ei gekriegt. Das waren unehrliche Freunde, die haben mich abgezogen “, sagte der gelernte Beikoch.

Ebenfalls als erwiesen sah das Gericht an, dass Ronny V. mit den anderen beiden am 16. Februar 2013 nach Perleberg fuhr. Dort jagten sie einen Fahrkartenautomaten in die Luft. An die Geldkassette kamen sie nicht, weil plötzlich Polizeiwagen vorfuhren. Sie konnten aber fliehen. Danach wichen die Täter auf das benachbarte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern aus, weil ihnen der Fahndungsdruck zu groß erschien.

Gasflaschen mit Schwarzpulver aus Polenböllern gefüllt

Zu Hause hatten sie bereits Glasflaschen mit Schwarzpulver, dass sie aus sogenannten Polenböllern entnommen hatten, gefüllt. So bepackt, fuhren sie gen Rügen, fühlten sich aber von einem Fahrzeug dauerhaft verfolgt. Deshalb warfen sie die Munition aus dem Autofenster. Das seien ziemlich üble Taten gewesen, so Lechtermann, für die Ronny V.s Kompagnons mit mehr als fünf Jahen ordentliche Strafen abgefasst hätten.

Für den Angeklagten sprach neben seinem Geständnis, dass er bisher nicht vorbestraft ist und das er sich nach der letzten Tat vor drei Jahren nichts mehr hat zu Schulden kommen lassen. „Das war einmalig in Ihrem Leben und das bleibt es hoffentlich auch“, so der Richter. Ronny V. zugute kam auch, dass das Gericht von einer verminderten Schuldfähigkeit ausging. „Sie waren zwar bei allen Taten bei klarem Verstand, aber aus Ihrer Krankengeschichte und Ihrem fortgesetzten Drogenmissbrauch ergeben sich Anhaltspunkte für eine erheblich eingeschränkte Steuerungsfähigkeit“, so Lechtermann.

Psychotische Zustände wegen Drogenmissbrauchs

Der Angeklagte hatte bereits mehrere psychotische Zustände, weshalb er auch schon in der Psychiatrie war, nicht aber zu den Tatzeiten, wie der psychiatrische Gutachter sagte. Er bescheinigte dem 25-Jährigen eine Abhängigkeit von Cannabis und Amphetaminen. „Gekifft habe ich immer. Damit habe ich meine Gedanken besser unter Kontrolle“, hatte Ronny V. gesagt. Mit den Drogen muss nun Schluss sein, hielt ihm der Richter eindrücklich vor. Um ruhiger zu werden, müsse er seine notwendigen Medikamente nehmen. „Cannabis ist nicht mehr“, so Lechtermann. Das Gericht gab ihm auf, sich unverzüglich einer ambulanten Suchttherapie zu unterziehen.

Der gebürtige Kyritzer ist inzwischen nach Neuruppin gezogen und lebt dort in einer betreuten Wohneinrichtung. Schafft er es, von den Drogen loszukommen und sich, wie er will, eine vernünftige Lehrstelle als Koch zu suchen, könnte er die Kurve kriegen. „Wenn nicht, ist das Ihre eigene Schuld“, sagte Lechtermann.

Das Gericht hat ihm jedenfalls eine Chance gegeben.

Von Dagmar Simons

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