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Ostprignitz-Ruppin Linde bricht krachend auseinander
Lokales Ostprignitz-Ruppin Linde bricht krachend auseinander
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00:17 11.07.2016
Ein bizarres Bild zeigte sich am Donnerstag nach dem gefährlichen Ereignis in Jabel. Anwohner Siegfried Vogelsang hielt es mit seiner Kamera fest. Quelle: Privat
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Jabel

„Ich dachte, es wäre ein Gewitter. Es gab so ein Rauschen und Krachen“, sagt Marita Wehland aus Jabel. Worum es sich wirklich handelte, bekam Heidrun Schulz ein paar Häuser weiter aus nächster Nähe mit: „Ich hatte gerade Äpfel geschält und wollte die Schalen rausbringen“, da passierte es: Zwei riesige Äste einer uralten Linde vor ihrem Haus in der Jabeler Dorfstraße brachen mit einem lauten Krachen vom Stamm und fielen zu Boden. Verletzt wurde niemand. Aber manche Dorfbewohner berichteten kurz nach dem Vorfall, dass sie nur Minuten zuvor an der Stelle vorbeigekommen waren. Anwohner Siegfried Vogelsang hielt das bizarre Bild mit der Kamera fest, das sich in Jabel etwa gegen 17 Uhr bot.

In dieser Höhe blieb der Stamm vorerst erhalten, denn kurz unter der Schnittstelle befindet sich ein Hornissennest. Quelle: Wagener

Feuerwehrkameraden aus Jabel und Glienicke rückten an, um den Baum zu entästen und ihn dann von oben Stück für Stück mit der Kettensäge zu zerlegen. Die Straße war wegen dieser Arbeiten zeitweise nicht befahrbar. Der Stamm wurde jedoch nicht ganz abgetragen, weil sich im oberen Bereich ein Hornissennest befindet, das nicht zerstört werden sollte. Etliche Dorfbewohner kamen am Schauplatz zusammen, um die Aktion zu verfolgen. Ortsvorsteher Tobias Bröcker hatte nicht nur die an dem Abend eigentlich geplante Ortsbeiratssitzung kurzfristig abgesagt, sondern auch für Getränke vor Ort gesorgt. Noch am Freitag waren Mitarbeiter des Heiligengraber Bauhofes mit dem Aufräumen beschäftigt.

Naturschutzbehörde: Keine Auffälligkeiten

„Die Linde war uns schon lange ein Dorn im Auge“, sagt Bröcker. Aber obwohl bereits vor zwei Jahren ein großer Ast von ihr abgebrochen sei, habe sie stehen bleiben müssen, weil die untere Naturschutzbehörde des Kreises den Baum daraufhin bei einer Baumschau als stabil eingeschätzt habe. Tatsächlich aber war er hohl, wie sich beim Zerlegen zeigte. Das Holz war zum Teil schon zu Erde geworden. „Da kann man ja sogar durchgucken“, stellten Dorfbewohner beim Blick auf ein Loch an der Bruchstelle fest.

Die Feuerwehrleute kümmerten sich um die Entästung. Quelle: Wagener

Die Untere Naturschutzbehörde bestätigt, dass am 26. Mai 2014 „ein Stämmling durch Sturmeinwirkung“ abgebrochen war. Daraufhin sei die Krone reduziert worden. Denn die Linde stehe bereits seit 1938 unter Naturschutz. Die letzte Begutachtung sei im Oktober 2014 erfolgt. Ergebnis: „Keine weiteren Auffälligkeiten“. Die Linde zu beseitigen, sei daher als nicht erforderlich eingeschätzt worden.

Der Baum „wurde 1870 gepflanzt“, erzählt Gesine Vogelsang. Die Jahreszahl sei in einen Backstein hinterm Haus gegenüber eingeritzt. Die Behörde gibt zwar 1807 als mögliches Pflanzjahr an, doch die Jabelerin versichert, dass es sich um das Jahr 1870 handele. Ein ähnliches Alter habe einer der Bäume auf der anderen Straßenseite. „In seinen Ästen hat meine Großmutter als Kind schon gespielt. Sie wurde 1887 geboren“, sagt Gesine Vogelsang.

Kein Automatismus bei Baumfällungen

Mit Sorge blicken die Jabeler jetzt auf all die anderen alten Bäume rund um die Kirche und an der Dorfstraße. Tobias Bröcker fordert, dass zumindest die Linden direkt an der Straße auf eine Höhe von „vier Metern gestutzt werden“ sollten, um sie besser pflegen und handhaben zu können. Angesichts des aktuellen Vorfalls hofft er, genau das auch durchsetzen zu können. Schließlich gehe es hier um die Sicherheit der Menschen. Am Donnerstagabend hatte es nur mit Glück weder Personen- noch Sachschaden gegeben. Aber das hätte auch anders ausgehen können, „denn an dieser Stelle parken öfter Autos“, bestätigten Anwohner .

Stück für Stück fiel der Stamm. Quelle: Wagener

Die untere Naturschutzbehörde sagt dazu: Einen Automatismus Bäume aus Sicherheitsgründen auf ein bestimmtes Maß zu stutzen, werde und könne es nicht geben. Vielmehr würden Einzelfallentscheidungen getroffen. Die Behörde wolle den Vorfall in Jabel „umgehend prüfen“ und den betroffenen Baum begutachten. Ob sich daraus Eingriffe vor Ort ergeben werden, hänge vom Ergebnis ab.

Von Björn Wagener

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