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Lindow: Flüchtlinge helfen bei Arbeitseinsatz

„Kein sprechen – keine Chance“ Lindow: Flüchtlinge helfen bei Arbeitseinsatz

Das Grundstück am Lindower Wutzsee soll der Öffentlichkeit erhalten bleiben – dazu muss es aber erst einmal wieder urbar gemacht werden: 20 Flüchtlinge aus dem Übergangswohnheim Klosterheide packten am Mittwoch mit an und schafften eine ganze Menge. „Wir helfen ihnen, sie helfen uns“, freuten sich der Stadtverordnete Hansjörg Schubach und Bürgermeisterin Heidrun Otto.

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Strahlendes Wetter, strahlende Gesichter: die 20 Flüchtlinge haben im Schulterschluss mit den Lindowern gute Sichtarbeit geschafft.

Quelle: Regine Buddeke

Lindow. Der Berg aus Ästen ist nicht gerade klein: Mirza Hosseini und Ataklti Beraki haben eine Weile zu tun, bis sie den Haufen so kleingeschnippelt haben, dass er auf den Hänger des Stadtbauhofes gegabelt werden kann. Zwanzig Asylbewerber aus dem Übergangswohnheim Klosterheide sind am Mittwochmittag schon ein paar Stunden dabei, das Gelände am Wutzsee, neben der Gaststätte „Klosterblick“ vom Gestrüpp zu befreien, Laub zu harken, Maschendrahtzäune abzureißen, alte Beet-Einfassungen auszubuddeln. „Das war bestimmt nicht der letzte Arbeitseinsatz dieser Art. Aber wir wollten erst einmal anfangen“, sagt Lindows Bürgermeisterin Heidrun Otto. Den Wildwuchs roden, damit irgendwann einmal Rasen angesät werden kann, war das Ziel für die erste Aktion. Wie das Gelände weiterhin gestaltet wird, muss noch geplant und beschlossen werden. Fakt ist jedoch: obwohl es bei einer verschuldeten Kommune wie Lindow ein Segen für die Stadtkasse wäre, soll das etwa 30 mal 40 Meter große städtische Grundstück nicht verkauft werden, sondern weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein – so beschlossen es bereits im vorigen Jahr die Lindower Stadtverordneten. Hansjörg Schubach kam die Idee, die Flüchtlinge dafür mit einzubinden. „Ich finde es wichtig, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass diese Menschen sehr wohl willens sind, sich mit einzubringen.“ Vorurteile wie „Alle Flüchtlinge sind faul und liegen uns auf der Tasche“ seien so am besten zu entkräften. Am Mittwoch ist recht deutlich zu spüren, dass es den Männern aus Iran und Afghanistan, Syrien und Irak, dem Tschad oder Eritrea sehr wohl nicht an Arbeitseifer mangelt. „Die Leute brauchen ja auch eine sinnvolle Beschäftigung“, erklärt Hansjörg Schubach, der gemeinsam mit ein paar anderen der mehr als 50 Aktivisten von „Lindow hilft“ vor Ort ist, die Arbeit anleitet, übersetzt, mit anpackt. „Wir helfen ihnen – sie helfen uns“, sagt er, froh darüber, dass die Flüchtlinge Lindow auch etwas zurückgeben. „Es ist Arbeit, die wir als Stadt gar nicht leisten könnten“, sagt er, angetan davon, wie viel in der kurzen Zeit auf dem Areal passiert ist.

Mustafa aus dem Iran hat gerade von Hansjörg Schubach ein neues Wort gelernt: Seitenschneider. Damit schneidet er nun den mitten auf dem Gelände befindlichen, nutzlosen Drahtzaun von den Pfeilern, die später die Lindower Firma Eurovia mit schwerem Gerät aus dem Boden zieht. Mustafa, obschon erst seit Oktober in Deutschland, spricht schon recht viele deutsche Brocken. „Gelernt in the Deutschkurs“, sagt er und lacht. „Kein sprechen, keine Chance“, fügt er nach. Katrin Davis, die in Klosterheide zwei Deutschkurse leitet, kommt gerade mit den Zutaten für den iranischen Eintopf, der nach getaner Arbeit über dem Lagerfeuer gekocht wird. Sie bestätigt Mustafas Satz: „Die Leute sind sehr motiviert – das macht richtig Spaß“, sagt sie. Immerhin – das Wort „Arbeit“ können schon etliche der Flüchtlinge. „Ein wichtiges Wort in Deutschland“, erklärt Schubach. Es sei ein Glücksfall für die Flüchtlinge, dass sie in einem so familiären Umfeld gelandet seien, statt in einer Massenunterkunft. Dazu käme, dass wirklich viele Einheimische sich um die Flüchtlinge kümmern würden, mit Sachspenden und vor allem Zeit: für Nachhilfe in Deutsch, Kinderbeschäftigung während der Kurse, für Mitfahrgelegenheiten und Arzt- und Behördengänge. Es gibt bereits Familien-Patenschaften, auch ein gemeinsames Fest für Flüchtlinge und Helfer ist bereits geplant. Die Christen würden bereits die Sonntags-Gottesdienste besuchen, erzählt Ingrid Röseler vom Gemeindekirchenrat. „Wir haben richtig Glück, dass wir so viele Helfer haben“, sagt Hansjörg Schubach. Nur im Kontakt zu den Einheimischen könne Integration wirklich gelingen.

Von Regine Buddeke

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