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Lindow hilft in Klosterheide

Fast so viele Helfer wie Flüchtlinge Lindow hilft in Klosterheide

Nicht zuletzt den Demonstrationen von Asylgegnern im November ist es zu verdanken, dass sich nun 46 Lindower in die Liste „Lindow hilft“ eingetragen haben. Sie wollen den Flüchtlingen das Einleben im Übergangswohnheim Klosterheide erleichtern. Am Dienstag trafen dort die ersten 50 Menschen ein.

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Der Heidegasthof in Klosterheide.

Quelle: Christian Schmettow

Klosterheide. In Klosterheide sind am Dienstag die ersten Flüchtlinge eingetroffen. 50 Menschen aus neun Nationen haben ihre Zimmer im ehemaligen Heidegasthof bezogen. Sie treffen dort auf fast so viele Helfer. 46 Namen stehen inzwischen auf der Liste von „Lindow hilft“. Das ist nicht zuletzt Mike Eipel und Ralf Mahler zu verdanken: Die beiden hatten im November zweimal zu Demonstrationen gegen Flüchtlingsunterkünfte in Lindow aufgerufen. Bei der zweiten Demo liefen die „besorgten Bürger“ hinter dem Transparent her, das Neonazis schon bei einer NPD-Mahnwache Ende August in Rheinsberg gezeigt hatten.

Viele Lindower wollten den Umzug der Asylgegner durch ihr Städtchen nicht hinnehmen und formierten sich zur Gegenkundgebung – beim zweiten Mal in Form eines Festes vor dem Rathaus. Dabei kamen Hilfswillige miteinander in Kontakt, die sich sonst nicht so schnell getroffen hätten.

Etwa 15 Helfer sind am Dienstag gleichzeitig vor Ort: Sie bereiten die Zimmer vor und kochen ein Mittagessen für die Neuankömmlinge. Bernfried Michalke ist mit seinem Akkordeon gekommen, um die Flüchtlingskinder zu beschäftigen, während die Erwachsenen sich registrieren lassen. Er spielt Weihnachtslieder und die Europahymne. Ein kleines Mädchen hört ihm fasziniert zu.

Kinder sind bisher kaum unter den Flüchtlingen in Klosterheide. Zwei Familien, eine Ehepaar und viele alleinreisende junge Frauen und vor allem Männer steigen aus den Bussen. Afrikaner aus Eritrea, dem Tschad und Kamerun, Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und dem Iran. Viele waren zuletzt in einer Turnhalle in Cottbus untergebracht, einige in Potsdam. Andreas Kosmalla, einer von zwei Sozialarbeitern der Ruppiner Kliniken im Übergangswohnheim Klosterheide, hatte schon bei der Einwohnerversammlung vor sechs Wochen Fragebögen an potenzielle Helfer verteilt (die MAZ berichtete). Schon damals hatten sich die ersten sieben eingetragen. Bereits am Montag nach Weihnachten kann nun der erste Deutschkurs starten – unterstützt von der Agentur für Arbeit.

Bis dahin wird improvisiert: Die Flüchtlinge aus dem Tschad sprechen arabisch. Ein junger Landsmann, der in Klosterheide Arbeit gefunden hat, übersetzt. Wo sie etwas einkaufen können, möchten die Flüchtlinge wissen, wo es Handy-Empfang gibt, wer mit wem auf welches Zimmer kommt und vor allem: Wie geht es nun mit dem Asylantrag weiter? Eine Handy-App arabisch-deutsch erweist sich als unbrauchbar. „Die Verständigung mit Händen und Füßen hat sich international mal wieder als das Beste erwiesen“, sagt Pfarrer Baum. Die englische Sprache spielt eine viel geringere Rolle, als die Helfer vorher angenommen hatten. Überhaupt läuft vieles anders, als geplant: „Lindow hilft“ hat zwei Tage vor Heiligabend extra Tomatensuppe mit Reis gekocht, um die Flüchtlinge mit einer warmen Mahlzeit zu begrüßen. Doch um 13 Uhr steigt niemand aus dem Bus, um 14 Uhr sind es zwei Leute, der Rest kommt erst um 15 Uhr an. Die Registrierung dauert eine weitere Stunde – da ist das Essen kalt. „Das nächste Mal fangen wir erst an zu kochen, wenn die Flüchtlinge ausgestiegen sind und sich zum Registrieren anstellen“, sagt Holger Baum. Die nächsten Asylbewerber erwartet er am Montag. Der Pfarrer freut sich über die vielen Spenden, die im Heim abgegeben werden: Lebensmittel, Brötchen vom Klosterheider Bäcker, Kisten voller Äpfel, 50 Weihnachtstüten, Kleidung und Geld auf dem Spendenkonto. Gesucht werden noch Kinderbetten.

Von Christian Schmettow

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