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Lindow lehnt Flüchtlingsunterkunft ab

“Wir fühlen uns richtig verarscht“ Lindow lehnt Flüchtlingsunterkunft ab

Erst haben sich Lindower Stadtverordnete auf der Straße Asylgegnern in den Weg gestellt, nun verhindern sie selbst die geplante Flüchtlingsunterkunft in der Drei-Seen-Stadt – aus wirtschaftlichen Gründen. Sie selbst müsste die alten Kita-Gebäude sanieren, das aber rechne sich nicht. Man fühlt sich vom Landkreis „verarscht“.

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Die alte, leer stehende Kita am Wutzsee in Lindow müsste erst umgebaut werden.

Quelle: Christian Schmettow

Lindow. Vor Kurzem noch hatten die Lindower Bürgermeisterin Heidrun Otto (CDU) und der Lindower Amtsdirektor Danilo Lieske sich Asylgegnern entgegengestellt und Flüchtlinge in Lindow willkommen geheißen. Am Donnerstagabend riefen sie nun die Lindower Stadtverordneten dazu auf, gegen die geplanten Flüchtlingsunterkünfte zu stimmen – aus finanziellen Gründen. Das Votum fiel einstimmig aus: Lindow wird dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin die alten, leer stehenden Gebäude der Kindertagesstätte weder vermieten noch verkaufen – es sei denn, der Landkreis bessert sein Angebot gehörig auf.

Der Landkreis bietet der Stadt bisher insgesamt 3400 Euro Kaltmiete im Monat für beide Gebäude an – 4,16 Euro pro Quadratmeter. Lindow war bisher davon ausgegangen, dass die Ruppiner Kliniken selbst die Gebäude soweit herrichten, dass sie als Unterkunft für Flüchtlinge dienen können – geplant war, unbegleitete Jugendliche in Lindow unterzubringen. Der Kreis erwartet allerdings, dass die Stadt den Umbau bezahlt. Danilo Lieske rechnet mit fünf- bis sechsstelligen Beträgen, schließlich konnten die Kitas zuletzt nur noch mit Ausnahmegenehmigungen betrieben werden, was den Brandschutz betrifft. Es fehlen Zwischenwände und Duschen, die Toiletten sind zu klein für Erwachsene. Für die Stadt aber rechnet sich die Vermietung nicht, wenn sie die Gebäude erst umbauen muss. Unter Preis verkaufen will sie die ehemalige Kita in bester Wutzseelage auch nicht.

Stadt fühlt sich vom Landkreis „verarscht“

Der Stadtverordnete Peter Hellmann (SPD) fühlt sich vom Landkreis „richtig verarscht“, nachdem sich viele Lindower so für die Aufnahme von Flüchtlingen eingesetzt hatten und den Asylgegnern nicht die Straße überlassen hatten. So dringend scheine der Bedarf an Unterkünften derzeit ja nicht mehr zu sein, vermutete ein Stadtverordneter. Der Amtsdirektor empfahl den Stadtverordneten, Käufer für die Kitas auf dem freien Markt zu suchen.

Der Landkreis will sein Angebot nicht nachbessern, wie eine Anfrage der MAZ ergab: „Wir nehmen vorerst von einer Anmietung dieser Gebäude Abstand“, schreibt das Büro des Landrates. Der Bedarf an Unterkünften sei aber nach wie vor hoch. Vorrang habe die Unterbringung in Wohnungen. Nun andere Gebäude in Lindow wie zum Beispiel die Turnhalle zu beschlagnahmen, will die Kreisverwaltung zurzeit aber auch nicht.

Im Lindower Ortsteil Klosterheide treffen derweil am Montag und Dienstag die ersten 50 Flüchtlinge ein. Vor allem Menschen aus dem arabischen Raum sollen im ehemaligen Heidegasthof wohnen. Obwohl es so knapp vor Weihnachten ist, stünden Helfer bereit, um den Neuankömmlingen die Stadt zu zeigen und sie beim Einkaufen und in die Kleiderkammer zu begleiten, sagt die Bürgermeisterin Heidrun Otto. Interessierte haben am heutigen Sonnabend ab 11 Uhr Gelegenheit, das Wohnheim in Klosterheide zu besichtigen.

Von Christian Schmettow

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