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Lindow Bea Sanchez betreibt ein Spinncafé in Lindow
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Bea Sanchez betreibt ein Spinncafé in Lindow
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00:17 31.07.2018
Bea Sanchez verarbeitet die Wolle von Anfang bis Ende selbst – aus diesen Strängen wird Faden gesponnen. Quelle: Regine Buddeke
Lindow

Wenn Bea Sanchez Wolle sieht, kennt sie kein Halten mehr. Es ist quasi das Material ihrer Träume. Sie kämmt und spinnt die Wolle, färbt sie und zwirbelt, strickt und walkt sie. In ihrem kleinen Laden in Lindow hängen und liegen die unterschiedlichsten Kreationen an Ständern und in Regalen: Schals und Stolas, Ponchos und Pullover, Jacken und Socken, Pantoffeln und Pudelmützen.

Bea Sanchez ist Gastronomin von der Pike auf. Ihre Leidenschaft jedoch gehört der Wolle. Mit ihrem Lindower Spinn-Café hat sie sich einen Traum erfüllt.

Doch das Lädchen ist nicht allein der Wolle vorbehalten: Bea – eigentlich Beate – Sanchez bietet dort auch Kaffee „wie bei Muttern“, Latte und Kakao, Smoothies, chilenische Tapas und Empanadas, selbst gebackenes Brot und Kuchen sowie bunte Salate an. Ihre Stammkunden schätzen das – zumal man mit der freundlichen Wolle-Wirtin gut plaudern kann: Bea Sanchez ist herumgekommen und hat viel gesehen von der Welt.

Eigentlich stammt die 53-Jährige aus Eisenhüttenstadt – aber früh trieb es sie in die Welt. Wirklich sesshaft wurde sie nirgends. Kurz vor der Wende reiste sie aus der DDR aus – nach Schleswig-Holstein. Sie blieb ein Weilchen im Trott – bis sie merkte: „Oh Gott. Ich bin noch jung und trotzdem schon tot.“ 1993 ging sie nach Berlin: „In die Metropole, wo was los ist.“ Dort lernte sie ihren Mann kennen – einen Chilenen, mit dem sie zwei Kinder bekam. Den zog es nach Freiburg im Breisgau – Bea Sanchez ging mit ihm.

„Er war verliebt in diese Stadt.“ Die Liebe zwischen beiden indes reichte nicht. Sie trennten sich. „Ich wollte dann wegen der Kinder nach Brandenburg“, sagt Bea Sanchez. Weil die Grundschulzeit in Brandenburg sechs und nicht nur vier Jahre geht, erklärt sie. Sie zog ins Temnitzdorf Katerbow, hat in den Märkischen Höfen in Netzeband gearbeitet. Dort lernte sie ihren Peter kennen.

Mit ihm hat sie ihre Zelte in Schönberg aufgeschlagen – möglich, dass sie bleibt. Wissen kann man das aber nie. Was sie indes weiß: „Gastronomie ist meins, hab ich schon immer gemacht“, sagt die gelernte Hotel- und Restaurantfachfrau. „Da bin ich ein altes Schlachtschiff. Und komme auch nicht mehr davon runter“, sagt sie und lupft ein Tuch über einer Schüssel, ob der Brotteig darunter schon genügend aufgegangen ist.

Bea Sanchez ist als Gastronomin in der Welt herumgekommen

Schließlich backt sie jeden Tag frisch. Das bedeutet für sie: Der Tag im Laden beginnt um acht. Geöffnet ist donnerstags bis sonntags – an den anderen Tagen geht sie einem Brot-Job in Festanstellung nach – natürlich in der Gastronomie. Das gibt ihr mehr Sicherheit, wenn im eigenen Geschäft die Kunden ausbleiben, vor allem im Winter, wenn die Touristen fehlen.

Über den leer stehenden Laden in Lindow ist sie durch Zufall gestolpert – oder war es Schicksal? „Ich muss da ja immer durch, wenn ich nach Rheinsberg fahre“, sagt sie. Es sei schon immer ihr Traum gewesen, etwas Eigenes zu haben. Also rief sie einfach die Nummer an, die auf der Scheibe klebte. „Du kannst in der Gastro 150 Jahre gearbeitet haben – reich wirste nicht“, sagt sie. „Dann lieber bissel eher in Kurzarbeit gehen und was Eigenes auf die Beine stellen“, sagte sie sich. „Etwas, was man mit Leidenschaft macht.“

Für Bea Sanchez sind das Kochen und Backen und Textilgestaltung. Von all ihren Stationen hat sie etwas mitgenommen: die „Seelen“ und die „heiße Schoki“ aus Baden, die Tapas und Empanadas aus Chile – ein Land, das sie liebt. Sie war oft dort. Auch das Handarbeiten liegt ihr im Blut. „Ich habe als Kind im Bett immer gestrickt – für meine Puppen“, sagt sie und lächelt. Sie belegte einen Kurs im Weben. „Dann bin ich irgendwann am Spinnrad kleben geblieben“, sagt sie.

„Das Schöne daran ist für mich, wenn aus einem Haufen dreckiger Wolle – Schafwolle müffelt, machen wir uns nichts vor – am Ende etwas Wunderbares entsteht. Auch wenn es lange dauere. Zuerst muss die Wolle gewaschen werden: „Drei Tage im Regenwasser. Bis sich das Lanolin in Wollseife verwandelt.“ Dann muss die Wolle getrocknet werden, dann kardiert – quasi gekämmt und die Fasern geglättet.

Von allen Stationen hat sie Rezepte und Inspirationen fürs Hobby mitgebracht

Dafür hat sie eine spezielle Kardier-Rolle. Dann kann sie das fertige Vlies spinnen und färben. Bea Sanchez benutzt – „alles Natur“ ist ihre Devise – selbst gemachte Pflanzenfarben: Birkenblätter für gelb, Rotholz und Krappwurzel für rot, Brennnesseln, Walnussblätter. „Johanniskraut ist sonderbar: Je nachdem, wie der Mond bei der Ernte steht, ändert sich die Farbe.“

Erst dann kann sie zu den Stricknadeln greifen. „Alles wird geschickt verstrickt“ – so das Motto auf ihrem Flyer. Natürlich kann man auch direkt aus „der Flocke“ spinnen. Die Wolle bezieht sie aus Brandenburg – selber Schafe zu halten, erlaubt ihre Zeit nicht.

Sie hat Filzen gelernt – genauer gesagt Maschinenfilzen. „Ich lege das gestrickte in die Waschmaschine.“ Man weiß ja, wie schnell Wolle verfilzen kann bei zu heißen Temperaturen. „Wolle lebt – wenn man gut mit ihr umgeht. Wenn es ihr zu heiß wird, erschrickt sie und ist tot.“ Bea Sanchez sagt über sich selbst, dass sie ein Wolljunkie ist. Stricken tut sie eher pur: links, rechts, Patent.

So bietet sie etwa chilenische Empanadas und Tapas an

„Man kann auch ohne Waffelspitze, Ajour und Perlmuster schöne Dinge zaubern“, sagt sie. Ihr Meisterstück ist ihr Poncho – aus doppelt verzwirbelter dünner Wolle. Bea Sanchez arbeitet gern mit mehrfädigem Garn. „An der türkisfarbenen Wolle habe ich für 300 Gramm drei Monate gesessen“, sagt sie. Eigentlich ist das Teil unbezahlbar. „Aber ich experimentiere gern und mache das dann einfach.“

Kunterbunte Loops aus verschieden gefärbter Wolle, gebunden mit einem unregelmäßig dicken grauen Zwirbelfaden. Alles braucht seine Zeit. Ein Paar Socken etwa: Vom Wollhaufen bis zur fertigen Socke etwa 16, 17 Stunden. „Aber es ist meine Leidenschaft. Da fragt man nicht nach Zeit. Man tut es einfach.“

Geöffnet ist das Spinn-Café in der Straße des Friedens von Mittwoch bis Freitag, 10-13 und 15-18 Uhr.

Von Regine Buddeke

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