Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Lindow Wiedersehen mit Weggefährten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Wiedersehen mit Weggefährten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:36 31.05.2018
Hans Schulz (vorn r.) lässt es sich nicht nehmen, alljährlich beim Ehemaligentreffen seinen damaligen „Pflegling“ Gustav zu streicheln. So wie ihm geht es vielen, weiß Ergotherapeutin Anne Katrin Melzer (l.) Quelle: Regine Buddeke
Strubensee

Gustav lässt sich geduldig streicheln. Die Wiedersehensfreude liegt zwar mehr auf Seiten der Menschen denn auf der des Esels – aber Gustav als Hausmaskottchen von Schönbirken ist es gewohnt, geknuddelt zu werden. Für viele der 160 Gäste – ehemalige Rehabilitanden der Tannenhof-Einrichtung – gehört Gustav nun mal zu den guten Erinnerungen, die sie mit Schönbirken verbinden.

Man nehme nur Hans Schulz: Er war 2013 zur Reha im kleinen, idyllisch im Wald und am Lindower Wutzsee gelegenen Refugium, in dem sich zumeist Alkoholabhängige nach erfolgter Entgiftung wieder auf ein selbstbestimmtes und „trockenes“ Leben vorbereiten können. „Ich bin seitdem trocken“, erzählt Schulz. Nicht nur das. Er gehört seitdem zur Wusterhausener Gruppe der Guttempler – eine Selbsthilfegruppe für Suchtkranke – und engagiert sich dort im Lotsenprojekt.

Sprich: Hans Schulz hilft jetzt anderen dabei, trocken zu werden und zu bleiben. 2014 hat er den Lotsenpass gemacht. „Es war eine sehr gute, wichtige Zeit in Schönbirken“, erinnert sich der Ehemalige. „Frau Hoffmann war immer für mich da“, sagt er über seine Therapeutin, die ihm Stütze war. Er war damals zuerst als Hauswirtschafter tätig, wechselte aber dann zu den Tieren. „Gustav war mein Liebling“, sagt er und streichelt das Langohr. Keine Frage, dass Hans Schulz sich kein Ehemaligentreffen entgehen lässt.

Rund 25 Mitarbeiter arbeiten im Haus Schönbirken

Die Ehemaligen – viele sind mit ihren Familien gekommen – hatten am Sonnabend Zeit, das ganze Gelände wieder zu entdecken. Im Tierbereich etwa hat sich viel getan. Gustav ist nach wie vor da. Aber auch der neue Therapiehund Kalle. Wir wollen den Tierbetrieb therapeutischer gestalten“, erklärt Beate Materna, die mit Ute Hoffmann zusammen das Haus leitet. Das bedeutet: weg vom Schlachtvieh, das bisher der Selbstversorgung diente und bei Chefkoch Volker Tabatt in der Küche landete.

Dafür neue süße Seidenhühner, eine zahme Kaninchenrasse statt der üblichen Hauskaninchen, Meerschweinchen und soziale und daher therapiegeeignete Minischweine. „Damit können unsere Rehabilitanden besser umgehen“, sagt auch Anne Katrin Melzer, die in Schönbirken als Ergotherapeutin Herrin über die Stallungen ist.

Ihr zur Hand geht aktuell Patient Thomas Neumann – der auch ein bekennender Gustav-Fan ist. Im grünen Tannenhof-Shirt gibt er den Guide für alle Besucher des Ehemaligentreffens. So wie seine Mitpatienten am Grill oder Getränkestand als Gastgeber aktiv sind. „Alle bringen sich ein – das ist wunderbar“, freut sich Beate Materna über die Hilfe. „Vielleicht lege ich mir auch ein Haustier zu, wenn meine Therapie vorbei ist und ich wieder zuhause lebe“, sagt Thomas Neumann.

Die Einrichtung bietet Platz für 32 Rehabilitanden

Genau das ist das Anliegen der Therapeuten: „Wir wollen den Rehabilitanden helfen, wieder ins normale Leben einzusteigen. Sie für einen Job fit machen. Oder ihnen Wege zeigen, ihre Tage aktiv und sinnvoll zu füllen, wenn sie nicht mehr erwerbstätig sein können“, erklärt Beate Materna. Insofern freuen sich die Mitarbeiter, jedes Jahr beim Ehemaligentreffen positive Rückmeldungen zu bekommen.

Ute Hoffmann etwa führt gerade zwei Leute durchs Areal, die vor 25 Jahren, im allerersten Jahr der Eröffnung, in Schönbirken waren. Damals war es noch ein Wohnprojekt für Suchtkranke und keine Reha-Einrichtung. Die wurde erst vor 23 Jahren eröffnet. „Die beiden haben sich hier kennengelernt, später geheiratet und leben jetzt in Neuruppin. Die Frau geht dieses Jahr in Rente“, freut sie sich über den guten Werdegang. „Eine wunderbare Rückmeldung für uns. Da wissen wir, dass wir gute Arbeit leisten.“

Dass die Ehemaligentreffen so gut besucht werden, zeige auch, wie verbunden sich die Leute dem Hause fühlen. Für viele war es ein Rettungsanker. Selbst für die, die sich der Therapie zähneknirschend widersetzt haben, erzählt Beate Materna.

2017 wurden 150 abgeschlossene Behandlungen gezählt

So wie Uwe Görn. „Ich war vier Mal hier – und hab dicht gemacht. Die kamen nicht an mich ran“, erzählt er. Erst eine Langzeittherapie anderswo habe ihn auf den richtigen Weg gebracht. „In Schönbirken war ich noch nicht bereit für Abstinenz“, sagt der Walslebener. „Aber es war wichtig für mich. Ich bin heute dankbar für jede Hilfe, die ich gekriegt habe und bekomme.“

Viele neue Kollegen wurden beim Treffen vorgestellt – mit einem weinenden Auge wurde Elke Herzberg verabschiedet. „Sie hat hier bei uns das Rückfall-Präventionstraining etabliert und geprägt“, sagt Beate Materna. Auch dass die Einrichtung die Anerkennung vom „Deutsche Rentenversicherung Bund“ habe, sei ein Segen. „Mit diesem Vertrag haben wir alle Leistungsträger im Boot“, freut sich Materna.

Was dem Hause aktuell fehlt, sind Koch-Azubis.„Es ist das erste Jahr, in dem wir keinen Lehrling haben“, bedauert sie. Auch wenn die Rehabilitanden natürlich in der Küche helfen – das gehört zur Therapie dazu wie das Streicheln von Gustav.

Von Regine Buddeke

Als Eremit Jürgen Knobel vor gut vier Jahren nach Lindow kam, wollte er einen Klausengarten anlegen. Jetzt ist er fast fertig. Öffentlich zugänglich soll der Ort jedoch nicht sein.

31.05.2018

Eine Radfahrerin ist am Samstag auf dem Vielitzer Weg in Richtung Lindow getürzt und hat sich verletzt. Die Polizei vermutet: Sie war zu betrunken, um ihr Fahrad zu führen.

27.05.2018

Vivian Böllersen aus Herzberg verhilft der Walnuss zu einem Comeback. Die 30-Jährige hat in Velten einen 4,5 Hektar großen Walnusshain angelegt und sucht weitere Walnuss-Standorte in der Region.

30.05.2018