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Lindow Eremit legt Garten der Mystik an
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Eremit legt Garten der Mystik an
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00:34 31.05.2018
„Zu jeder Eremitage gehört auch ein Klostergarten“: Pater Jürgen Knobel arbeitet auch an einer Tafel mit Kreuzsymbol. Quelle: Frauke Herweg
Lindow

In wenigen Jahren wird das graue Douglasienholz nicht mehr zu sehen sein. Kletterhortensien, Wein und andere Rankpflanzen werden den hölzernen Sichtschutz überwuchert und zu einer blühenden Wand gemacht haben. Wie eine lang gezogene Welle wird das dichte Blattwerk den Klostergarten begrenzen.

Vor einigen Jahren begann der Eremit Jürgen Knobel an der katholischen Backsteinkirche in Lindow einen Garten der Mystik anzulegen. In diesem Sommer will der 55-Jährige die Bauarbeiten abschließen. „Zu jeder Eremitage gehört auch ein Klostergarten“, sagt der große, hagere Mann. Schon als der Mann vom Bodensee nach Lindow kam, hatte er einen Garten der inneren Einkehr anlegen wollen. „Einen Ort des lebendigen Gebets.“

Der Garten wächst Jahr für Jahr

Jahr für Jahr wuchs der kleine Garten. Mit Steinen, die ein früherer Pfarrer schon zu DDR-Zeiten auf dem Kirchengrundstück gesammelt hatte, fing es an. Knobel setzte einen Stein in die Mitte, legte die anderen in einem Kreis drum herum. „Punkt und Umkreis“, sagt Knobel. „Die älteste Steinsetzung der Menschheit.“

Knobel sitzt gerne in dem Garten. Er beobachtet den Eichelhäher, der sich von den hohen Bäumen herunterstürzt, und die vielen anderen Vögel, die dort in einer Wasserschale baden. Knobel betrachtet die Steine. Und er meditiert. Eine Stunde, zwei Stunden, manchmal länger. Die Steine – der Kreis und sein Mittelpunkt seien durchaus als religiöse Formel zu verstehen, sagt er. „Das Eine und das Viele.“ Spannend seien die Parallelen zu physikalischen Gesetzen. „Der Urknall und die Entfaltung.“

Von Grün überwuchert: die Eremitage. Quelle: Frauke Herweg

Lange wusste Knobel nicht, wie er den Garten weiterentwickeln wollte. Am Ende einer Meditation hatte er schließlich eine Eingebung. Er wollte den Klostergarten und sein kleines Wäldchen mit einer grünen Welle einfassen. Ein blühender Sichtschutz, aber keine starre Wand. „Ich wollte keine Klostermauer“, sagt Knobel. „Es sollte transparent bleiben.“

Immer wieder holte sich Knobel gärtnerischen Rat. Koniferen, Büsche, Kräuter, Hainbuchen sollten am richtigen Platz stehen. Der Pater überlässt in seinem Garten der Mystik nichts dem Zufall. Jeder Stein ist wohl gesetzt. Fünf Findlinge schichtete er zu einem Turm. Auch das für Knobel ein uraltes Symbol für Harmonie und Balance. „Das Schwere wird leicht“, sagt er.

Inspiriert auch von Fundstücken

Knobel, der auch zehn Jahre als Restaurator gearbeitet hat, ließ sich für seinen Garten auch von Fundstücken inspirieren. Im Depot der Kirche entdeckte er kleine Glasscheiben, die vermutlich aus den alten, in der 60er Jahren ausgewechselten Kirchenfenstern stammen. Die blauen, gelben und grünen handgestrichenen Glasstücke sollen künftig in einer Spirale Licht einfangen. „Sehr behutsam und sehr leicht“ will Knobel die bunten Scheiben zwischen den Holzbalken platzieren. Kitsch ist ihm ein Graus, er hat eher Bauhaus oder die frühe Moderne im Sinn.

Knobels Garten soll „ein Symbol für die Harmonie der Schöpfung“ sein. Öffentlich zugänglich wird er nicht sein. Zwar wird Knobel einigen interessierten Besuchergruppen die Gartentür öffnen. Im Sommer etwa kommt das Bonifatius werk mit 60 Gästen in die Klause am Wutzsee. Eine Attraktion für Sonntagsspaziergänger soll der Garten jedoch nicht werden. „Dass er verschlossen ist, macht doch den Reiz aus“, sagt Knobel. „Nur so bleibt der Ort gewahrt.“

Einige Steine liegen bereits im Garten, weitere sollen hinzukommen. Quelle: Frauke Herweg

Am Kloster – nicht weit von der Eremitage entfernt – entsteht bis zum kommenden Jahr ein Garten des Buches. Besucher sollen dort Pflanzen aus der Bibel, dem Talmud und dem Koran kennen lernen. Knobels Garten der Mystik wird keine Konkurrenz für dieses Projekt sein. Mit dem Leiter der Stiftskapitels Horst Borgmann hat er bereits ausgemacht, dass er Flyer für den Garten des Buches auslegen wird.

Vor gut vier Jahren war Knobel nach Lindow gekommen. Noch immer ist er überzeugt, dass er am richtigen Ort gelandet ist, um sein Leben dem Gebet und der Meditation zu widmen. So zurückgezogen wie man es von einem Eremiten erwarten würden, lebt er allerdings nicht. Im Sommer bekommt er fast täglich Besuch von Menschen, die ein Gespräch suchen. Seine Klause, sagt er, „ist für viele ein Sehnsuchtsort“

Von Frauke Herweg

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