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Lindow Jacaranda begeisterte einmal mehr in Vielitz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Jacaranda begeisterte einmal mehr in Vielitz
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12:35 06.08.2018
Mit ungebremster Spielwut: Richard Mosthaf, Thomas Ringleb, Thomas Hoffmann, Sebastian Pietsch, Matthias Dressler (v.l.). Quelle: Regine Buddeke
Vielitz

 Sie nennen sich die Kulturbotschafter Brandenburgs. Das kann man getrost wörtlich nehmen: Jacaranda – fünf Musiker der ­Brandenburger Symphoniker – kommen in der Welt herum und tragen nicht nur Bach, Mozart und Beethoven in die Welt sondern bringen regelmäßig die Welt zurück mit nach Deutschland: In Form von ­Instrumenten aus aller Herren Länder und in Form von Musik aus aller Welt.

Mit Muscheln und Marimba, Horn und Holzpercussion, Alphorn und jeder Menge Saxofone: Jacaranda liebt es, Musik zum weltweit brückenschlagenden Botschafter zu machen.

Das Motto der Musiker ist es, unterschiedliche musikalische Genres zu vereinen, Grenzen aufzuweichen oder gar verschwinden zu lassen, mit festen Hörgewohnheiten zu brechen und immer wieder Neues, Spannendes und Unentdecktes in ihre Musik zu mischen – ein Abenteuer fürs Publikum und nicht zuletzt für die Musiker selbst.

Das Instrumentarium, das sich am Sonntag in der rappelvollen Vielitzer Musikscheune auftürmte, ist ohne Zweifel ein Fest und durchaus auch ein Rätsel fürs Auge. Klar, mindestens ein Drittel der Zuschauer kannten Jacaranda bereits von vorangegangenen Konzerten – die Musiker waren sich selbst nicht so sicher, ob es das siebte oder gar ­achte Konzert in Vielitz ist.

Die Wiederholungstäter im Saal wussten also, dass sich aus den exotischen Riesenmuscheln, hawaiianischen Klanghölzern, der norwegischen Lure, dem australischen Didgeridoo, den bayrischen Alphörnern und den verschiedensten Percussioninstrumenten aus allen Teilen der Welt wundersame Klänge ergießen. Für viele war es aber neu – das waren die, die die Musiker in der Pause mit Fragen zu diesem oder jenem Instrument löcherten.

Richard Mosthaf – der Mann fürs Alphorn und fürs Didgeridoo, erklärte denn auch geduldig dem Saal, wie es möglich sei, aus letzterem einen Dauerton zu erzeugen, ohne Luft zu holen. Des Rätsels Lösung liegt im geblasenen und im gepressten Ton – während des letzteren könne man durchaus zeitgleich einatmen. Mosthaf demonstriert es geräuschvoll und mit Augenzwinkern – das Publikum zeigt sich amüsiert angesichts der – pardon, Pupsgeräusche. Das Didgeridoo allerdings klingt schwirrend, sirrend und erinnert ein wenig an eine Maultrommel.

Seit Jahren touren die fünf Musiker als Jacaranda durch die Welt

Wie ein Derwisch kreiselt Sebastian Pietsch, der Saxofon-Gott des Ensembles, über die Bühne. Das erste Stück, das er mit Leib und Seele in den Saal ergießt, stammt aus dem arabischen Raum. Ob Sopran-, Tenor, Bariton-Sax oder das seltsam verwinkelte exotische Saxofon aus Bambus – er beherrscht sie alle. Und nicht nur das – er spielt auch mit absoluter Hingabe zwei gleichzeitig, wie er später im Eifer des Gefechts noch den staunenden Fans offeriert.

Das Didgeridoo kann auch Tiere nachahmen, wie man hört. Das Publikum errät spielend den Dingo und sogar den Kookaburra, den lachenden Hans – eine australische Vogelart. Kurzer Exkurs in Instrumenten-Verwandlung: ein Alphorn kann durch Verkürzung zum Alpen-Didge umfunktioniert werden. Jacaranda liebt das Experiment.

Auch auf Muscheln kann man spielen: Zwei Musiker erzeugen die Töne, indem sie die Hand mehr oder weniger tief ins Innere der Riesenschnecke winden und was auch immer dort emporschürfen. Fakt ist – es klingt fantastisch. Auch, wenn sich das Sopran-Sax ein Duett mit der Marimba liefert. Wer treibt hier eigentlich wen an – bis in den furiosen Rausch, das Matthias Dressler im Eifer des Gefechts sogar ein Schlegel aus der Hand fliegt.

Allesamt gehören sie zu den Brandenburger Symphonikern

Immer wieder gibt es tosenden Applaus ob der absoluten Spielwut der fünf Jacarandas. Etwa bei dem Stück, was die fünf extra für eine China-Tournee auf Fernost bürsteten. „Endlich mal ein echt deutsches Musikstück“, so hätten die Chinesen es gelobt. Gelächter einmal mehr.

Am Ende gibts sogar stehende Ovationen: Die furiose Zugabe ist ein Klezmer-Stück, welches einst sogar vom Sender Al Jazeera ausgestrahlt wurde, der eine Dokumentation über Jacaranda sendete.

Von Regine Buddeke

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