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Lindow Einst Kloster – heute Ort der Begegnung und innerer Einkehr
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Einst Kloster – heute Ort der Begegnung und innerer Einkehr
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14:37 11.12.2018
Vom Kloster Lindow sind nur noch Ruinen geblieben. Die aber sind ein Touristenmagnet. Quelle: Peter Geisler
Lindow

Jeden Tag öffnen wir im MAZ-Adventskalender ein Türchen und erzählen die Geschichte eines besonderen Gebäudes aus der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Diesmal: das Neustädter Landstallmeisterhaus.

Die Nonnen sind Geschichte. Aber das Kloster in Lindow lebt. Nicht nur, weil Fontane es in seinen „Wanderungen“ beschrieb und ihm mit der Romanfigur der Adelheid von Stechlin ein weiteres Denkmal setzte. Sondern auch, weil sich das Stiftskapitel um Horst Borgmann auch heute noch darum bemüht, die Reste des einst prosperierenden Stifts zu behüten, Neues zutage zu bringen, die alten Gemäuer, von denen nur noch Ruinen übrig sind, zu bewahren, zu sanieren, freizulegen und mit Andachten, Konzerten und Lesungen zu füllen.

Es ist natürlich ein anderes Klosterleben als damals im Mittelalter, als um 1220 herum die Grafen von Arnstein das Gebiet östlich der Ruppiner Seenkette unterwarfen und parallel zur deutschen Besiedelung auch den Aufbau des Klosters vorantrieben – unter der Ägide des Zisterzienserordens. Der Graf spendierte reichlich Ländereien. Den Nonnen – um 1500 waren es 35, dazu die Äbtissin und ein Probst – ging es gut. Für Schutz und Bewirtschaftung gab es den Klosterhauptmann und seine Klosterknechte und eine variable Laienbruderschaft.

Um 1230 herum wurde das Kloster Lindow eröffnet

Damals gab es nur wenige Klöster in der Region – bekannt sind noch die in Heiligengrabe und Zehdenick. Das Kloster in Lindow wird bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erwähnt – das Städtchen Lindow entwickelte sich erst aus dem Kloster heraus, in dessen Schutz sich Handwerker und Ackerbürger ansiedelten. Die adligen Stiftsdamen waren Dank des beträchtlichen Grundbesitzes stets gut versorgt.

Renten, Abgaben und Steuern sprudelten reichlich ins Kloster, zum Wirtschaftshof gehörten Wassermühlen und Fischteiche. Die Klostermühle am Wutzsee zeugt noch von dieser Zeit, ebenso die alte Heringsmühle am Fließ zwischen Vielitz- und Gudelacksee. Die Gräber der ehemaligen Äbtissinnen und Dominae sind heute noch auf dem lauschigen Friedhof und im Schatten einer Giebelwand zu finden.

Um 1500 war es ein reiches Kloster mit ausgedehnten Ländereien

Mit dem Tod des letzten Grafen von Arnstein fiel das Kloster 1540 an den Kurfürsten von Brandenburg. Zu dieser Zeit gehörte es zu den reichsten Klöstern der Mark: mit 90 000 Morgen Land, 18 Dörfern, 20 wüsten Feldmarken, neun Wassermühlen, Fischteichen und Seen – etwa der Große Stechlinsee. Mit der Reformation war das Kloster evangelisches Damenstift – aus der Äbtissin wurde eine Domina – und die Zahl der Insassinnen sank infolge der knapperen Zuwendungen seitens des Kurfürsten.

Im Dreißigjährigen Krieg begann der Niedergang des Klosters – es wurde 1638 durch kaiserliche Truppen zerstört und geplündert. Die Ziegelsteine wurden zum Teil geraubt oder beschlagnahmt und anderswo neu verbaut. 1648 galt das Kloster als arm. Nur noch vier Nonnen und eine Domina lebten nunmehr in den alten Gemäuern. Von der einst prosperierenden Anlage war wenig geblieben.

Rund 35 Stiftsdamen, alles Adelige, lebten damals dort

Heute ist das Gebäude der alten Klosterschule aus dem 15. Jahrhundert noch gut erhalten, ebenso das alte Waschhaus. Im Areal wurde ein Seniorenzentrum neu gebaut, die alten Bäume der lauschigen Parkanlage wurden im Zuge der Kloster-Sanierung teils gefällt und neue Bäume nachgepflanzt.

Dank der Anstrengungen des Stiftkapitels konnte das Konventsgebäude zwischen seinen beiden markanten Giebeln – jene nunmehr vom wildromantischen Efeu entkleidet – wieder für Besucher geöffnet werden. Sogar über eine Überdachung für die Veranstaltungen wurde vor ein paar Jahren nachgedacht. Das ist vom Tisch. Stattdessen wird derzeit an einem „Garten des Buches“ gearbeitet: Einem Garten, in dem alle Pflanzen wachsen sollen, die in den drei heiligen Büchern – Bibel, Koran, Talmud – vorkommen. Auch als Symbol für den Frieden zwischen den drei Religionen.

Eine von ihnen inspirierte zur Sage von der schönen Nonne

Noch heute wandelt mitunter eine Nonne durch das Areal und zeigt den Besuchern die Anlage, erzählt zur bewegten Geschichte des Klosters. Die Lindowerin Ingrid Röseler schlüpft ganz gern ins Kostüm der Romanfigur Adelheid von Stechlin. Und sorgt gemeinsam mit dem Stiftkapitel und etlichen anderen Lindowern dafür, dass das Kloster neben dem Wutzsee ein lebendiger Ort bleibt. Und dafür, dass die Sage von der schönen Nonne nicht in Vergessenheit gerät.

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Von Regine Buddeke

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