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Lindow Axel Pätz begeistert mit seiner „Realipätztheorie“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Axel Pätz begeistert mit seiner „Realipätztheorie“
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00:26 02.08.2018
Axel Pätz begeisterte in der Musikscheune Vielitz mit "Realipätztheorie" Quelle: Regine Buddeke
Vieltiz

Es ist der Supergau. Das Smartphone ist ins Klo gefallen. Axel Pätz kollabiert. Damit sei seine ganze soziale Kommunikation quasi ins Wasser gefallen – ausgelöscht, ruft er, verdreht die Augen und bekommt Schnappatmung. Ohne Whatsapp könne er ja nicht mal am Frühstückstisch mit seiner Familie kommunizieren. Ommas Hausrezept, das gute Teil in Reismehl zu legen, und zu warten, bis alles Wasser aufgesogen wäre, kostet Zeit. Die nutzt Axel Pätz, um mit Daddelsucht und anderen Modekrankheiten unserer Zeit ordentlich ins Gericht zu gehen.

Axel Pätz liebt Worte und sie lieben ihn. Er kann sie donnern, singen, juchzen und noch weit mehr. Und er tut es: mit einer Mimik, die ihresgleichen sucht. Mit Liedern, die zum Brüllen komisch sind und den Zeitgeist aufs messerscharfe Korn nehmen. Und Klavierspielen kann er auch noch.

Trotzdem eines seiner früheren Programme einst „Das Niveau singt“ heißt – nein, keine orthographische Entgleisung sondern Fingerzeig auf sein Metier eines singenden Tastenkabarettisten – ist das Niveau auch in seinem neuen Programm gleichbleibend anspruchsvoll. Das stellte er am Sonntag in der Vielitzer Musikscheune vor und brachte sowohl sich selbst als auch die rund 100 Gäste ordentlich ins Schwitzen. Denn die Fragen, die er dabei stellt, sind universell.

„Gibt es einen roten Faden vom Höhlenmenschen über das rad bis ins heute? Gibt es die alles erlösende Antwort? Die universelle Weltformel?“ Ja – aber diesmal nicht „42“. Es ist die „Realipätztheorie“ – der Name des Programms. Dann wird er erst einmal melodisch: Was nütze es, den schwarzen Gürtel in Philosophie zu haben, mit drei Jahren Bach auf der Geige spielen zu können und finnisch zu beherrschen?

„Ich kann mit keine Namen merken“, sprudelt Pätz verzweifelt und in irrsinnigem Tempo heraus, krümmt die Finger in die Tasten und tut das, was er am allerbesten kann: Sein Gesicht in Falten legen. Die Mienen-Vielfalt, die er damit erzielt, ist immens: Von abgrundtiefer Verzweiflung über gähnende Langeweile zum zickigsten Schmollen bis zum irren Grinsen. Etwa, wenn er über die Namen des Nachwuchses von Uwe Ochsenknecht sinniert. Das Publikum kichert.

Axel Pätz ist bereits das dritte Mal Gast in Vielitz

„Worum geht es eigentlich bei der Realipätztheorie“, fragt er,holt bis zum Urknall aus und verbeißt sich erst einmal ins Thema Mensch – Natur. „Der Mensch braucht die Erde nicht! Er kann sich alles selber machen. Es gibt ja 3D-Drucker“, ätzt er. Nun ist auch dem letzten klar: Axel Pätz ist bekennender Ironiker. „Die Welt wäre völlig aus den Fugen, wenn der Mensch nicht überall regulierend eingreifen würde – vorsorglich gefährlich Tiere ausrottet, Glyphosat gegen ungebremsten Wildwuchs einsetzt, Endlager für Atommüll schafft und sich ums Ozonloch kümmert“, zählt er auf.

„Die Natur schafft das Chaos und der Mensch kann dann hinterher räumen und deren Fehler korrigieren“, grollt er. Die Natur kreise ausschließlich um sich selbst: „Wie ein Hippie im Weltall.“ Dann folgt ein vergnüglich-bissiges Lied, wo die Sonne bei Capri im Plastikmüll versinkt. Schöne neue Welt.

Er macht den Schwenk zum Thema Mensch und Mensch – Industrienationen versus Dritte Welt. Palavert über sein taffes Patenkind Nazir in Afrika und sein anderes aus Frankfurt/Oder: Fritz-Brian, ein UVW. Übersetzt: Unerzogenes, verwöhntes Weichei, das von seiner Air-Force-One-Helikoptermutter überall hingetragen und hinaufgehoben werde – sogar mit 17 auf die erste Freundin. Man stelle sich vor – Axel Pätz verdreht verzweifelt die Augen und trällert ein Lied über die deutschen Luxusprobleme: den „Depressiven-Walzer“.

Immer wieder nimmt er ironisch die Macken seiner Mitmenschen aufs Korn

Kurz streift er auch das Thema Zeit. Seine Frau habe eine Kaffeemaschine gekauft – billig, weil sie eigentlich ein Raumschiff hätte werden sollen. „Drei Tage habe ich gebraucht, um sie aus der Verpackung zu bekommen, zusammenzubauen, die Anleitung aus dem Polnischen zu übersetzen, noch einmal richtig zusammenzubauen, online zu registrieren, fehlende Teile zu bestellen. Jetzt spare ich täglich zwei Minuten beim Kaffeekochen“, mosert er.

Damit habe er die drei Tage in exakt zwei Jahren wieder drin – genau dann ist die Garantie abgelaufen. Klar, dass die Maschine zwei Wochen später die Hufe hochreißt. Das sei das Zeit-Raum-Axeliom: „Die Zeit, die man aufwendet, um Zeit zu sparen, verhält sich umgekehrt proportional zu der tatsächlich eingesparten Zeit.“ Auf Deutsch: „Der Mensch tut alles, um Zeit zu sparen – egal, wie lange es dauert.“ Dabei müsse man doch erst einmal Zeit haben, um welche zu sparen.

„Aber wer hat die denn heute noch ? Wenn Sie mal in das Alter kommen, wo Sie Zeit haben – genießen Sie es“, beschwört Pätz und singt ein Hohelied auf das Fahrzeug der Zukunft: „Mit Rollator bis zum Äquator“. Ein Wort, dass sich wunderbar sanft säuseln lässt, ein Wort, dass auf der Zunge quasi zerrollt. Noch besser als Angggeln – der andere Zeitvertreib für Leute, die welche haben. Er rülpst und rollt die Worte im Mund, wickelt sie um die Zunge, speit sie in Staccato heraus oder verströmt sie in einem gähnenden Atemzug. Er liebt die Worte und sie lieben ihn.

Das Publikum ist hin und weg und erklatscht sich am Ende Zugaben

Pätz wechselt flugs das Thema und verkündet das erste Pätzsch’e Paradoxon: Der Mensch scheut keine Mühe, sein Leben zu erleichtern – auch wenn es noch so anstrengend ist. Lästert kurz über selbstfahrende Autos und singt ein Lied über Schubladen. Wo wäre das Denken ohne sie? Er verrät die Formel des Glücks und plaudert aus dem Leichen-Nähkästchen: Er für sein Teil entsorgt seine Ex-Geliebten im Garten, als Dünger und Unkraut-Ex.

„Ich warte, bis Gras drüber gewachsen ist“, singt er launig – Georg Kreislers mörderischer Chanson „A bidla bu“ lässt augenzwinkernd grüßen. Er singt ein Quatschlied auf den Nonsens und eines auf die Krone der Schöpfung: Nein, nicht der Mensch, sondern das Provisorium. Am Ende lüftet er noch rasch das Mysterium der Realipätztheorie: „Wenn du aufs Klo gehst, nimm das Handy aus der Tasche“, donnert er und schließt den Kreis.

Von Regine Buddeke

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