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Lindow Wilfried Janicke macht seit 50 Jahren Musik
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11:12 05.11.2018
Drummer mit Leib und Seele: Wilfried Janicke aus Lindow macht seit 50 Jahren Musik. Quelle: Regine Buddeke
Lindow

Ein Leben ohne Musik? Für Wilfried Janicke eine absolute Horrorvorstellung. Seit 50 Jahren macht er nun schon Musik – am Schlagzeug und am DJ-Pult. Klar, mit seinen 68 Jahren tritt er zwar nun ein wenig kürzer. Aber ganz ohne geht es nicht – das hat er schnell gemerkt, als er einst aus gesundheitlichen Gründen sein komplettes Equipement verkauft hatte und der aktiven Musiklaufbahn abschwören wollte. „Drei Monate habe ich es ausgehalten – dann habe ich wieder angefangen“, so der Lindower.

Einmal die Woche gab es in der Kneipe Tanz

Geboren wurde Wilfried Janicke – den alle Willi nennen – in Radensleben: Seine Eltern betrieben dort eine Kneipe. Genau dort fing auch seine Musikerlaufbahn an, die er stets neben seinem Beruf als Montagebauer und Meister für Hochbau ausübte. „Einmal pro Woche gab‘s in der Kneipe meiner Eltern Tanz.

In den Pausen ließen die Musiker natürlich ihre Instrumente stehen. Und ich als junger Bengel habe natürlich alle ausprobiert“, erinnert er sich. Geige und Klavier waren ihm zu schwer. „Da hätte ich ja üben müssen“, grient er. Akkordeon ging auch nicht. „Mein Bauch war damals schon zu dick“, sagt er schmunzelnd. „Aber hinterm Schlagzeug habe ich mich sofort wohl gefühlt.“

Das passt, die „Frontsau“ ist nicht Janickes Ding. Er ist einer, der immer allen hilft aber lieber im Hintergrund die Fäden zieht. Fast ist es ihm ein bisschen peinlich, beim Interview allein im Mittelpunkt zu stehen.

Die Oldie Live Band: Manfred Busse, Wilfried Janicke, Andreas Konopka (v.l.). Quelle: Regine Buddeke

Das Schlagzeug also war’s: Willi Janicke ließ sich von den Tanzmusikern vieles zeigen, probierte selbst und fand auch im Musikschullehrer Thomas Kohlmetz, der damals bei der Rheinsberger Canyon Band spielte, einen Lehrer und Mentor. Das Schlagzeug wurde schnell seine zweite Liebe. Die erste, seine Frau, hat er mit 15, 16 Jahren beim Tanz in Herzberg kennengelernt. Im nächsten Jahr feiert er goldene Hochzeit. Ihr zog er nach – als sie in Potsdam studierte, arbeitete er im dortigen Wohnungsbaukombinat. Und später nach Lindow, wo sie als Lehrerin tätig war. Er fand Arbeit bei der Eurovia, die damals noch Melioration hieß. Das Schlagzeug war immer dabei – außer in der Potsdamer Platte – die war zu hellhörig. Da hat er begonnen Disco zu machen.

Club R – R wie Radensleben

Wilfried Janickes erste eigene Band hieß Club R – R wie Radensleben. 1968 gründete sie sich. „Das hat Spaß gemacht – in Radensleben war ja sonst nicht viel los.“ Der erste Auftritt war eine Zehnte-Klasse-Abschieds-Party im Lindower Kulturhaus. Der kam gut an: „Dann ging‘s in Radensleben und Karwe weiter“, sagt Willi, der damals auf einem zusammengewürfelten Schlagzeug aus Tschechien trommelte.

„Mein Vater hat gemeckert: ’Immer trommelt der nur.’ Er wollte, dass ich Fußball spiele wie er. Aber das war gar nicht meins.“ Seine Mutter habe entgegnet: ‚Lass den Jungen trommeln. Dann weiß ich wenigstens, wo er ist“, sagt Janicke und lacht. Dasselbe habe später auch seine Frau gesagt.

In Potsdam legte er den Grundstein als DJ

Auch während der Armeezeit drummerte Jung-Willi in der NVA-Band. Der Club R brach in dieser Zeit zwar auseinander – aber um Alternativen war Janicke nach seiner Rückkehr nicht verlegen. In Potsdam legte er den Grundstein als DJ und als er dann nach Lindow zog, dauerte es nicht lange, bis er das Schlagzeug wieder entdeckte.

„Ich habe mir den Keller ausgebaut und ein neues Pearl reingestellt.“ Wenig später rief der Lindower Manfred Busse an: „Willi, warum trommelst du allein im Keller, während ich in meinem Keller allein klampfe?“

Wilfried Janicke in jüngeren Jahren. Quelle: Regine Buddeke

Gemeinsam mit dem Gitarrist und Keyboarder Andreas Konopka wurde 1995 die Oldie Live Band gegründet. Von da an ging es steil bergauf: „Wir haben fast jede Woche irgendwo gespielt. In Lindow in der Kirche bei ‚Künstler und Köche im Duett‘, auch das erste Kurkonzert im Lindower Stadtpark war unser Gig. Damals gab‘s im Park noch ne Bühne.“ In einem dicken Aktenordner hat Willi Janicke alle Zeitungsausschnitte gesammelt.

Mit 33 Titeln im Repertoire startete die Oldie Live Band

Spezialisiert habe man sich – der Name sagt es schon – auf Oldies. „Wir haben mit 33 Titeln angefangen. Halt das, was uns gefiel. Wir haben aber schnell gemerkt, dass wir auch spielen müssen, was die Leute mögen.“ Das konnte dann schon auch mal ein saftiger Partyknaller sein. Das Repertoire habe sich Stück für Stück vergrößert.

„Wir waren jedes Wochenende gebucht.“ In Binz etwa, wo die Band einmal von Mittag bis weit nach Mitternacht engagiert war. „In der Kaffeepause wollte ich Musik von Konserve spielen, da hat der Veranstalter gestreikt und auf Livemusik beharrt“, erinnert sich der Drummer. „Wir haben dann ‚Let in be‘ von den Beatles gespielt – mit 58 Strophen und erfundenen Instrumentalteilen“, grient er.

Wilfried Janicke legt Wert auf sehr gute Instrumente

Die Erkennungsmelodie von OLB war ‚Apache‘ von The Shadows. „Das haben wir alle geliebt – da konnte man instrumental richtig die Sau rauslassen.“ Er zum Beispiel sei ein Beckenfetischist: „Unter sechs hab ich es nicht gemacht.“ Überhaupt legt Wilfried Janicke Wert auf Klasse-Instrumente. In seinem Musikraum stand immer etliches an Spitzentechnik, auch mal ein Schlagzeug der S-Klasse. „Deswegen ist mein Keller gesichert wie Fort Knox“, sagt Willi Janicke. Er hat für seine Disco-Tätigkeit so einiges angeschafft. „Ich bin ein Technik-Freak – volle Latte“, bekennt er.

Das Equipement kommt ihm auch bei seiner DJ-Tätigkeit auf der Waldbühne zugute – Janicke als Vorsitzender des 2009 gegründeten Fördervereins Waldbühne hat daselbst immer wieder für die Lindower bei Cocktailparty, Maitanz, Oktoberfest und Kindertagesfeier aufgelegt. „Und jedes Mal hat Opa Jürgen als Roadie mit angepackt – er war uns eine unschätzbare Hilfe“, zollt er Jürgen Schönfeld Lob und Dank.

Ein Dankeschön der Sportschule. Quelle: Regine Buddeke

Die gute Zeit ging bis 2002. Dann wurde Wilfried Janicke krank. „Ich hatte Blutdruck über 200“, sagt er. Die Ärzte empfohlen dringend, kürzer zu treten. Die Band suchte sich einen anderen Drummer. Willi Janicke verkaufte alle drei Schlagzeuge. „Das Kapitel war für mich durch“, sagt er. Nach drei Monaten kam die Anfrage von Sportschul-Chef Hans-Jürgen Noack, ob Willi nicht für seine Azubis auflegen wolle. Er wollte – die Geburtsstunde von „Willis Studio“. „Ich habe in der Sportschule in den letzten 16 Jahren genau 371 mal Disco gemacht“, sagt Wilfried Janicke – Noack habe ihm zum Dank eine Foto-DVD gebrannt.

„Inzwischen ist mein Blutdruck wieder geil“, sagt Willi Janicke froh. Jeden Tag setzt er sich in seinen Musikkeller. Sein Schlagzeug im Keller ist die beste Therapie für seine bei einem Unfall angeknackste Schulter. „Für die Motorik viel besser als Kortison“, habe sein Hausarzt bestätigt. Für die Seele sowieso. Janickes Nachbarn tragen es mit Fassung. Einer habe mal gesagt: „Willi, immer wenn du AC/DC spielst, bleib ich ne Weile am Zaun stehen.“

Von Regine Buddeke

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