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Lindows Kraftsportler sammeln Pokale

Wickert und die starken Männer Lindows Kraftsportler sammeln Pokale

Es kommt nicht nur auf den Bizeps an: Die Kraftsportler des Lindower SV Grün-Weiß trainieren auch alle anderen Muskeln. Ungefähr acht Wettkämpfe stemmt jeder der Aktiven pro Jahr – da ist auch hin und wieder ein Deutscher Meister oder gar ein WM-Titel drin.

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Starke Typen: Achim Ernst, Lutz Franke, Christian Filarski.

Quelle: Regine Buddeke

Lindow. Die Pokale zu zählen, braucht etwas Zeit. Hübsch sortiert stehen sie auf einem Wandsims im Fitnessraum des Lindower Sport- und Bildungszentrums, gesammelt wurden sie in den Jahren von 1993 bis 2014. Die von 2015 sind noch nicht einsortiert. Darunter fließt Tag für Tag kräftig Männerschweiß – auf Hantelbänken, neben denen die Gewichte so hübsch aufgereiht liegen wie die Pokale darüber. In der Mitte ein Schild: „Wenn Du so trainierst, wie es alle tun, wirst Du auch nur so stark, wie es die Anderen sind.“ Eine aufrüttelnde Maxime für Kraftsport-Sektionsleiter Christoph Wickert und seine starken Männer, die unter der Flagge des Lindower Sportvereins Grün Weiß trainieren und darüber hinaus diversen deutschen Kraftsportverbänden angehören.

Der Kraftsport genießt in Lindow eine lange Tradition. Derzeit gibt es neun Aktive, unter ihnen Achim Ernst und Christian Filarski. Beides preisgekrönte Bankdrücker – in diesem Jahr sind beide in zwei verschiedenen Verbandswettkämpfen je einmal Deutscher Meister und einmal Vizemeister geworden. Christian Filarski hat im Vorjahr gar einen Weltmeistertitel abgeräumt. Genau wie sein Sektionsleiter – der allerdings in der Disziplin Kreuzheben. Immerhin 265 Kilo stemmte er in seinem persönlichen Rekord. Zum Dreikampf im Kraftsport gehören neben Bankdrücken und Kreuzheben auch noch die Kniebeugen.

Viele Wettkämpfe stehen zur Auswahl

Eine Menge Wettkämpfe stehen in einem Jahr zur Auswahl, fünf bis acht davon absolvieren die Sportler: „Wir nehmen nicht an allen teil“, erklärt Achim Ernst. „Auf so hohem Level hält man das übers Jahr nicht durch.“ Beim Brandenburg-Pokal der Altherren haben er, Christian Filarski und Peter Döring – alle sind über 60 Jahre alt – in diesem Jahr „das Triple geschafft“, freut sich Ernst über den Sieg in Lindow, dem einer in Potsdam und einer in Hennigsdorf vorausging.

Als „Muskelprotze“ sehen sich die Lindower starken Männer eher nicht. „Wir machen das nicht, um anzugeben“, sagt Achim Ernst. In erster Linie gehe es um die Gesundheit. „Und um den Bauch wegzukriegen“, sagt er und lacht. Zweimal pro Woche trainieren die Lindower Kraftpakete – ganz klassisch mit Aufwärmen auf Crosstrainer oder Stepper. Das ist wichtig, um Muskelfaserrissen oder Zerrungen vorzubeugen. Auch danach wird nicht sofort schweres Gewicht gestemmt. „Wir trainieren viele Muskeln, nicht nur Bizeps und Trizeps“, erklärt Ernst. Neben Brust- und Rückenmuskeln gehören auch Bauch, Beine, Po dazu. Dass jetzt die Frauen das Fitnessstudio stürmen, davor hat Ernst keine Bange. „Frauen sind im Verein jederzeit willkommen.“ Dass das angeblich schwache Geschlecht so einiges wegdrücken kann, davon ist Ernst seit dem letzten Lindower Stadtfest überzeugt. Er stellte dort die Sektion vor, auch etliche Frauen legten sich auf die Bank, um „ein paar Einkaufstüten“ hochzustemmen. „Ich hab mit den Ohren geschlackert, als manche da locker 50 Kilo weggedrückt hat“, sagt Ernst. „Da zeigt sich, wer in manchen Familien die schweren Bierkisten schleppen muss.“ Nicht nur an Frauen mangelt es der Sektion, auch der Nachwuchs macht Sorgen. Eric Brinkmann ist mit 21 Jahren der einzige Junior.

Kurz vor dem Wettkampf ist die Spitze erreicht

Während über die Wintermonate das Trainingsziel „Spannung halten“ ist, wird vor Wettkämpfen anders trainiert. „Acht Wochen vorher fangen wir klein an – mit 40, 50 Kilo“, so Ernst. Jede Woche komme mehr Gewicht an die Stange. „Wie bei einer Pyramide – kurz vor dem Wettkampf ist dann die Spitze erreicht.“ Die liegt ein paar Kilo über dem bisher erreichten Bestgewicht. Angst, dass einem im Falle des Missglückens das Gewicht auf Brust oder Kehlkopf knallt, muss keiner haben. „Wir trainieren immer zu zweit. Einer sichert.“ Ebenso wichtig ist, dass der Sektionschef genau darauf achtet, dass die Sportler die Bewegungen nicht falsch ausführen – um einseitiger Überlastung und daraus resultierenden Fehlstellungen vorzubeugen.

Aber auch der Spaß kommt bei allem Schweiß nicht zu kurz: Bei der alljährlichen Weihnachtsfeier wird nicht etwa der Gastwirt gestemmt, sondern ordentlich Kohlenhydrate in Form von Pasta verdrückt. Schon um genug Muskeln aufzubauen für den alljährlichen, internationalen Benefiz-Wettkampf, an dem die Lindower teilnehmen. „Pro Kilo, was wir nach oben bringen, werden zehn Cent an die Krebshilfe gespendet“, erzählt Achim Ernst. Im letzten Jahr seien bei etwa 120 Strong-Männern 4500 Euro zusammengekommen.

Oberstes Gebot für die Lindower ist: keine Drogen. „Keine Anabolika, keine Amphetamine.“ Der Spaß am Sport sei wichtiger. Und bei jedem Wettkampf steige der Adrenalinpegel ohnehin – auch ohne aufputschende Substanzen. Was indes auch gut hilft, steht auf einem weiteren Schild im Trainingsraum: Auch das Wegräumen der Gewichte baut Muskeln auf!

Von Regine Buddeke

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