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Literaturexpress im Museum

Neuruppin Literaturexpress im Museum

Sein Roman „Literaturexpress“ ist eine Satire über den Literaturbetrieb, es geht um Besäufnisse, Eitelkeiten, Zickenwahn. Am Sonntag las Lasha Bugadze aus Georgien zur Freude des Publikums daraus im Neuruppiner Museum. Eröffnet wurde damit der landesweite Lesemarathon „Stadt, Land, Buch“ des Börsenvereins des deutschen Buchhandels.

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Lasha Bugadze (l.) am Sonntag im Gespräch mit Bernhard Robben, der die Lesung im Neuruppiner Museum moderierte

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Es ist eine besondere Premiere, die am Sonntag im Neuruppiner Museum stattfand: Erstmals startete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seinen Lesemarathon nicht in Berlin, sondern in einer brandenburgischen Stadt. Zudem gibt es den literarischen Marathon, der „Stadt, Land, Buch“ heißt und sowohl Neuerscheinungen als auch schon etwas ältere Romane und internationale Werke präsentiert, seit 25 Jahren.

Dennoch hält sich das Interesse in der Fontanestadt in Grenzen. Während die Lesung am Sonntagabend mit dem georgischen Autor Lasha Bugadze im Deutschen Theater in Berlin ausverkauft ist, sind zum eigentlichen Start des Lesemarathons lediglich gut 30 Neugierige ins Museum gekommen. Diese haben ihren Spaß. Denn Bugadze hat mit seinem „Literaturexpress“ über eine Fahrt von 100 Literaten aus verschiedensten Ländern geschrieben, die von Lissabon aus für einen Monat zusammen per Zug große Städte in Europa bereisen. Bei dieser „durchgeknallten Klassenfahrt der Schöngeister“ gewährt er tiefe Einblicke in den Literaturbetrieb, sagt Bernhard Robben. Der Übersetzer aus Brunne moderiert die Lesung.

Keine passenden Worte für Sex

Bugadze schreibt aus der Sicht des 28-jährigen Zaza, eines Autoren eines einzigen und darüber hinaus nur wenig erfolgreichen Erzählbandes, über Eitelkeiten und Liebeleien im Zug, über Besäufnisse und Zickenwahn sowie über hypochondrische Jammersäcke – und über eine ebenso hinreißende, wie geheimnisvolle Griechin. Nebenbei stellt er frustriert fest, dass es in der georgischen Sprache keine passenden Worte für Sex gibt. Das Besondere an dem Buch: Den Literaturexpress hat es wirklich gegeben: Er fuhr im Jahr 2000 von Lissabon bis nach Moskau und dann wieder nach Berlin. Bugadze war als 22-Jähriger einer der Literaten. Er hat die Reise allerdings in das Jahr 2008 verlegt – weil er so den 5-Tage-Krieg zwischen Russland und Georgien mit einflechten und auch über die Angst schreiben konnte, die im August 2008 in dem kleinen Land im Kaukasus herrschte. Dieses galt lange Zeit als das Italien der So­wjetunion, sagt Bugadze, der 1977 in der jetzigen Hauptstadt Tiflis geboren wurde. Mit seiner Romanfigur Zaza verbindet ihn zwar einiges, wie etwa der Ehrgeiz, „aber ich bin nicht so wütend“, sagt Bugadze.

Lesen nur in der Heimatsprache

Er hat bei seiner Reise damals keine Notizen gemacht, was der Schriftsteller, der auch als Cartoonist erfolgreich ist, heute bedauert. Robben findet das nicht weiter verwunderlich. „Schreiben ist etwas unglaublich Intimes und Privates.“ Schon deshalb findet es Robben erstaunlich, dass es den Literaturexpress überhaupt gegeben hat. „Literaten gelten doch als scheue Einzelgänger.“ Es war eine seltsame Situation, sagt Bugadze. Denn hinzu kam, dass die Schriftsteller bei den Stopps in den Städten zwar vor Publikum aus ihren Werken lesen konnten – aber nur in ihrer Heimatsprache. „Wir haben uns nicht verstanden.“

Dass der 2009 erschienene „Literaturexpress“ von Bugadze seit diesem Jahr nun auch auf Deutsch vorliegt, ist Nino Haratischwili zu verdanken. Die Übersetzerin, die ebenfalls aus Tiflis stammt und seit 2003 in Deutschland lebt, war von dem Buch so angetan, weil es aus ihrer Sicht ein Schlüssel zum Verständnis des neuen Georgiens ist und zeigt, was vor allem die jungen Menschen in dem Land wollen. Da Haratischwili hochschwanger ist, war sie nicht nach Neuruppin gekommen, sondern lediglich am Abend in Berlin zu erleben.

Hinweis: „Der Literaturexpress“ ist bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen, umfasst 320 Seiten und kostet 24 Euro. Am Dienstag liest in der Reihe „Stadt, Land, Buch“ Tom Wolf ab 16.30 Uhr im Neuruppiner Café Tempelgarten aus seinem Buch „Weinland Brandenburg“ (Eintritt: 5 Euro), am Mittwoch Sabine Thiesler aus ihrem Thriller „Und draußen stirbt ein Vogel“. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 7 Euro.

Von Andreas Vogel

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