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Lkw-Lawine: Sie hupen nachts!

Es rollt durch Frankendorf Lkw-Lawine: Sie hupen nachts!

Des einen Freud ist des anderen Leid: seit die Landesstraße 18 bei Storbeck wegen Bauarbeiten gesperrt ist, genießen die Katerbower himmlische Ruhe. Denn die Holztransporte nach Heiligengrabe und der Lkw-Maut-Ausweichverkehr nach Hamburg fahren nun durch Frankendorf und Rägelin. Die Dorfbewohner stört vor allem die hohe Geschwindigkeit der Lkw-Fahrer.

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Erst zurücksetzen und dann abbiegen Richtung Frankendorf: In Steinberge übersehen viele Fahrer das Umleitungsschild.

Quelle: Foto: Christian Schmettow

Frankendorf. Mit Pferden kennt sich Hans-Joachim Braun ein wenig aus: Wenn Pferde auf der Straße stehen, dann bleibt man in seinem Auto am besten ganz ruhig und setzt die Tiere nicht unter Stress. Dann verlassen sie die Fahrbahn am schnellsten wieder.

PS-starke Lkw-Fahrer sind offenbar keine so guten Pferdekenner. Sie drücken voll auf die Hupe, als in Frankendorf in dieser Woche ein paar Pferde ausgebüchst sind. Dass einige Leute im Dorf nachts vielleicht schlafen wollen, interessiert die Lastwagenfahrer nicht.

Seit dem 5. Oktober rollt der gesamte Lkw-Verkehr von der B 167 in Richtung Wittstock durch Frankendorf. Die Landesstraße 18 ist bei Storbeck gesperrt, weil dort die Fahrbahn erneuert wird – voraussichtlich noch bis Mitte Dezember (die MAZ berichtete). Sattelschlepper mit Containern, deren Fahrer sich auf dem Weg zum Hamburger Hafen die Autobahnmaut sparen wollen, donnern ebenso über die Dorfstraße wie Lastwagen mit Anhängern, die Holz direkt aus Polen zum Kronotex-Werk in Heiligengrabe fahren lassen. „Früh um vier geht es los“, sagt Volker Heinrichs, der am Ortseingang wohnt. Dass die Straße schon vor dem Ortsschild mit Tempo 60 ausgeschildert ist, dass Lastwagen mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht auch außerorts auf Landstraßen niemals mehr als 60 Kilometer pro Stunde schnell sein dürfen, davon ist auf der Umleitungsstrecke wenig zu spüren. „Nachts fahren die mit 90 durchs Dorf“, glaubt eine Anwohnerin. Die Polizei kontrolliere das nicht.

Für Beate Birkholz ebenso wie für Hans-Joachim Braun sind die künstlichen Verengungen der Frankendorfer Ortsdurchfahrt vor ihren Häusern das Überflüssigste, das dort je gebaut wurde: Was eigentlich dazu gedacht war, den Verkehr auf der schnurgeraden Strecke zu bremsen, führt nun zum Gegenteil: Wenn die Lastwagenfahrer von vorn ein anderes Auto kommen sehen, geben sie erst recht Gas, um als Erster an dem Engpass vorbei zu sein. Anderen Autofahrern macht es offenbar Spaß, den Verkehrsinsel-Slalom besonders rasant zu passieren.

„Vorhin kamen acht Holzlaster hintereinander“, sagt eine Frau, die gerade Laub fegt. „Es ist ja nur vorübergehend“, tröstet sie sich, aber sie verstehe nun, warum sich die Katerbower und Rägeliner über den Lkw-Verkehr immer so aufregen.

Auch Hans-Joachim Braun sagt, er könne das nun nachvollziehen: „Das ist schon ganz schön heftig.“

In Rägelin fahren die Lastwagen wegen der Umleitung nun noch mehr durch die engen Kurven des Dorfes. In Katerbow indes herrscht seit drei Wochen himmlische Ruhe. „Wir freuen uns, dass uns das Landesstraßenbauamt so ruhige Tage beschert“, sagt dort der Bürgermeister Johannes Oblaski.

Weniger glücklich sind die Kränzliner. Die großen Kipper mit dem Straßenbaumaterial rollen nun im Minutentakt durch ihr Dorf und durch die Siedlung zur Baustelle nach Storbeck. Für andere Lkw ist diese enge Straße gesperrt.

Aber auch die offizielle Umleitung über Frankendorf ist nicht ungefährlich, weil die Hinweisschilder zu klein sind. Eben fährt in der Kurve vor Steinberge wieder ein Sattelschlepper rückwärts auf der Landesstraße und biegt dann in Richtung Frankendorf ab. Das „Wittstock“ auf dem Umleitungsschild ist im Vorbeifahren kaum zu erkennen.

Von Christian Schmettow

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