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Lütkemüller-Orgeln: Perfektion in Serie

Papenbruch Lütkemüller-Orgeln: Perfektion in Serie

In jeder zweiten Dorfkirche in Nordwestbrandenburg ist eine Lütkemüller-Orgel zu finden. Sofern sie zu restaurieren sind, ist dies vergleichsweise einfach: Der Papenbrucher Orgelbauer hat seine Stücke in Serie gebaut. In der Papenbrucher Kirche ist eine Ausstellung dem berühmtesten Sohn des Dorfes gewidmet.

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Ein Modell veranschaulicht die Bautechnik Lütkemüllers.

Quelle: Claudia Bihler

Papenbruch. Als Friedrich Drese eine kleine Demonstration der Orgel gibt, spielt er sich durch die Jahrhunderte: dort ein bisschen Barockmusik, da ein wenig Romantik. Die Orgel erfüllt die kleine Kirche von Papenbruch mit kraftvollem Klang. Eine Lütkemüller-Orgel ist das Papenbrucher Instrument nicht. Es stammt von Albert Hollenbach, einem Lütkemüller-Schüler. Doch das Dorf bei Wittstock ist der Geburtsort des wohl bekanntesten Orgelbauers in der gesamten Region.

Der bleibt in seinem Geburtsort Papenbruch auch nicht unbeachtet: Gemeinsam mit der Lütkemüller-Gesellschaft hat die dortige Kirchengemeinde dafür gesorgt, dass dem berühmten Sohn des Dorfes eine Ausstellung gewidmet wird. Interessierte Besucher führt Pfarrer Bertold Schirge gerne durch die Exposition, die nicht nur den Lebensweg Lütkemüllers beschreibt, sondern auch Einblicke in das Handwerk des Orgelbaus gibt.

Lütkemüller konnte sehr schnell liefern, hatte er doch in seiner Manufaktur die Serienfertigung eingeführt

Lütkemüller konnte sehr schnell liefern, hatte er doch in seiner Manufaktur die Serienfertigung eingeführt.

Quelle: Claudia Bihler

Lütkemüller seinerseits wurde als Sohn von Pfarrer Samuel Christoph Abraham Lütkemüller geboren. Die Pfarrersfamilie zog 1821 nach Wildberg. Der junge Lütkemüller hatte dort mit gerade mal 14 Jahren ein Schlüsselerlebnis, das auch seine späteren Berufslaufbahn bestimmen sollte: Er erlebte dort den Bau einer Orgel.

Schon 1830 begann er in Treuenbrietzen seine Ausbildung, als Geselle arbeitete er unter anderem bei Gottlieb Heise in Potsdam, ging auf Wanderschaft und blieb schließlich für mehrere Jahre bei Eberhard Friedrich Walcker in Ludwigsburg. Als er 1843 nach Wittstock zurückkehrte, richtete er dort seine Werkstatt ein. Friedrich Drese vom Orgelmuseum in Malchow: „Er hat damit gerechnet, dass Wittstock eine Orgel braucht. Und weil ihm sein guter Ruf aus Süddeutschland vorauseilte, hat er auch ohne viel Bürokratie den Zuschlag bekommen.” Während seines Berufslebens hat er mehrere hundert Orgeln gebaut – und genau das unterschied ihn zu seiner Zeit auch wesentlich von allen anderen Orgelbauern. Während diese für jede Orgel einzeln einen Entwurf fertigten und ebenso in Einzelfertigung aufbauten, schlug Lütkemüller einen anderen Weg ein.

Orgelbau erforderte sehr viel präzise Handwerksarbeit

Orgelbau erforderte sehr viel präzise Handwerksarbeit.

Quelle: Claudia Bihler

„Er hat alle einzelnen Teile in höchster Perfektion entworfen und so lange fortentwickelt, bis sie es auf höchste Perfektion gebracht haben”, sagt Drese, „und ist von diesem Konzept später niemals abgewichen, sondern hat es konsequent 50 Jahre lang und bis zum Schluss weitergebaut.” Das gilt sowohl für die zahlreichen, kleinen Dorforgeln, wie auch für die größeren, wie jene in der Sankt-Marien-Kirche in Wittstock.

In seiner Werkstatt wurden die einzelnen Komponenten ebenfalls nicht einzeln angefertigt: „Er hat in Reihe gebaut und konnte so nicht nur unglaublich schnell, sondern auch recht preisgünstig bauen”, sagt der Orgelspezialist aus Malchow. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Allein in der Prignitz stammt jede zweite Orgel aus der Werkstatt Lütkemüllers, weiß Drese. Sie alle sind von hoher Qualität, vielfältig im Klang. „Und wenn heute eine Orgel saniert wird, ist das wegen der Reihenbauweise bei Lütkemüller-Orgeln besonders einfach”, sagt der Museumsleiter.

Die Ausstellung zeigt auch einige Spezialwerkzeuge

Die Ausstellung zeigt auch einige Spezialwerkzeuge.

Quelle: Claudia Bihler

So innovativ Lütkemüller zu Beginn ans Werk gegangen ist: In den letzten zehn Jahren wurden im Orgelbau andere Technologien eingeführt, so gab es beispielsweise ab 1890 die ersten pneumatischen Orgeln. Lütkemüller blieb weiter seiner Tradition treu. „Er war ein wenig zu stoisch”, meint Drese, „und deswegen waren seine Stücke irgendwann auch etwas veraltet.” Als Lütkemüller starb, wurde auch seine Werkstatt geschlossen. Einer seiner Schüler, Albert Hollenbach in Neuruppin, griff sein Konzept auf und baute weiter nach Lütkemüllers Plänen. Hollenbach nahm sich einige Jahre später das Leben. „Seine Firma hat die Innovationen verschlafen und Pleite gemacht”, sagt Drese.

In der Papenbrucher Ausstellung sind viele Details aus dem Leben des Orgelbauers aus Papenbruch vereint, der es im Laufe seines Handwerkerlebens zu einiger Berühmtheit gebracht hat: Auch in Mecklenburg und in der Altmark waren seine Orgeln beliebt. Die Ausstellung greift jedoch weiter: Das aufwendige Handwerk wird ganz allgemein beschrieben und mit vielen Exponaten aus den Werkstätten illustriert. Einige Teile – etwa ein riesiger Nachbau einer Orgelpfeife oder auch die Klaviatur – können ausprobiert werden.

Das Papenbrucher Orgelmuseum liegt am Radwanderweg Bischofstour. Beim Zwischenstopp lohnt nicht nur ein Abstecher ins Orgelmuseum, sondern bei der entsprechenden Jahreszeit auch im thematisch angelegten Bibelgarten, der ebenfalls über das Pfarrhaus möglich ist.

Von Claudia Bihler

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